Golf statt Geist?

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Wir schreiben den 2. April 2011. Wie aus gut informierten Kreisen der Universitätsverwaltung verlautbart, soll nach dem Neubau des Ingenieursgebäudes ID die Ressourcenumverteilung von den Geistes- zu den Ingenieur- und Naturwissenschaften nun weiter vorangetrieben werden: Nachdem die Pläne zum Neubau eines zusätzlichen Gebäudes für die Geisteswissenschaften aus Effizienzgründen aufgegeben wurden, soll nun die I-Gebäudereihe weiter ausgebaut werden und ein möglichst rascher Abriss der G-Gebäude folgen, um die Sanierung der Ruhr-Universität voranzubringen.

 

Diese angesichts des maroden Zustands der Baulichkeiten als längst überfällig bezeichnete Maßnahme solle zugleich als Chance begriffen werden, eine neue Grünfläche auf dem Campus zu schaffen und mit der Etablierung einer neuen Sportart an der RUB die Identifikation der Uni-Angehörigen mit der Lernfabrik zu erhöhen: Dort wo heute noch immer altgriechische Geschichte und lateinische Vokabeln gepaukt werden, soll schon bald ein voll in die Bildungslandschaft inte­grierter 18-Loch-Golfplatz entstehen.

Im neuen „Landschaftspark RUB“ sollen aber nicht nur die sportlichen Bedürfnisse der neuen Bochumer Wissenschaftselite des künftigen „Centers of Exorbitance“ befriedigt werden – auch den Anliegen des akademischen Prekariats wird umfassend Rechnung getragen. So soll der Abriss der G-Gebäude von den freigesetzten Geisteswissenschaftler_innen sowie deren ehemaligen Mitarbeitenden selbst durchgeführt werden. Für sämtliche Ex-Uni-Angestellten wird während der etwa neunmonatigen Abrissmaßnahmen eine Neuanstellung in einer eigens gegründeten Auffanggesellschaft garantiert. Seitens der künftigen Golfplatzbetreibergesellschaft werde allen zudem eine dauerhafte Weiterbeschäftigung in Aussicht gestellt: Da die Golf-Anlage sämtlichen Angehörigen des Exorbitanz-Zentrums aufgrund der durchgreifenden Flexibilisierung ihrer Arbeitszeiten auch an Wochenenden und Feiertagen 24 Stunden lang offenstehen soll, bestehe ein großer Bedarf an Service-Kräften.

Zumindest auf 1-Euro-Basis werde allen Geisteswissenschaftler_innen eine Daueranstellung bis zum 67. Lebensjahr angeboten. Und dann ab in die Rente – wenn’s dann noch sowas gibt. Aber keine Panik: Sollten die Pensionskassen keine Grundsicherung mehr abwerfen, wird selbst abgehalfterten Professor_innen mit chronischem Rückenleiden künftig die Möglichkeit gegeben, ihre Fachkompetenzen auch nach dem Eintritt ins fortgeschrittene Rentenalter gebührend einzubringen: Als exorbitante Vorleser_innen zwischen Loch 1 bis 18 ist ihnen ein glänzender Trinkgeld-Zuverdienst sicher – schließlich will auch die universitäre Generation Golf der Zukunft wissen, wie’s vor dem Ende der G-schichte war.