:bszKolumne: Bleichgesicht

Geschrieben von fik am . Veröffentlicht in Kolumne

Wie schön ist es doch, ein Land zu bereisen, in dem auch Ende September noch die Sonne scheint. Das Wetter genießen, am Strand liegen und die Sonne auf den allzu weißen Bauch scheinen lassen. Doch stopp! Die allzu weiße Haut. Schon wenige intensive Sonnenstrahlen können sie verärgern. Der bedauerliche Hauttyp 1, er kann die Sonne nie gefahrlos genießen. Deswegen darf das Bleichgesicht auch niemals die Phalanx aus Sonnenmilch, Sunblocker, After-Sun-Lotion, Cappies, Hüten und Mützen vergessen, bevor es in die sonnenverwöhnten Gebiete der Erde aufbricht. Nur richtig gecremt, geölt und geschmiert kann es gewagt werden, der Sonne direkt ins Antlitz zu blicken. Dem unbarmherzigen Lächeln unseres Gestirns widersteht das Bleichgesicht nur durch eine dicke und noch weißere Schicht Creme.
Wehe, wenn einen die Sonne hinterhältig übermannt, kein Schutz griffbereit oder in der Nähe ist, dann beginnt sie mit ihrer Arbeit, dem erbarmungslosen Brennen. Die weiße, zarte Haut ächzt unter den Strahlen des Himmelskörpers, meist noch unbemerkt von deren Besitzer*in. Die Sonnenstrahlen machen auch das Milchgesicht zunächst froh und munter. Die Glückshormone fließen, man fühlt sich gut und vital. Die strahlende Sonne wird mir bestimmt gut tun! Allzu lange bleibe ich auch nicht draußen, ganz sicher. Wie lange bin ich eigentlich schon der Sonne ausgesetzt? Ach, ein bisschen geht bestimmt noch. Vielleicht sollte ich doch langsam mal in den Schatten gehen. Aber… wo ist hier überhaupt Schatten? Die Spuren, die die Sonne angerichtet hat, sieht man dann erst zu Hause. Wenn man in den Spiegel schaut. Das vorher so milchig anmutende Gesicht hat sich in eine rote Kugel verwandelt. Mist! Der Nacken ist dunkelrot und beginnt schon langsam zu schmerzen. Verdammter Mist! Jetzt erst einmal eine kalte Dusche, dann sieht es bestimmt schon wieder besser aus. Leider nein. Literweise After-Sun-Lotion auf die roten Stellen und morgen früh ist dann alles braun. Wer’s glaubt! Schon das zu Bett Gehen gestaltet sich unangenehm. Nur nicht auf dem Sonnenbrand liegen. Aua. Am nächsten Tag wird es dann ganz deutlich: Rote, pulsierende Stellen, der Sonnenbrand hat sich in die vorher ach so weiße Haut gefressen. Es ist heiß, es zieht, juckt und schmerzt. Wann geht das endlich vorbei? Regelmäßige kalte Duschen, das ständige Eincremen, es lindert die Schmerzen nur kurz. Aber es ist die letzte Chance, bleibende Schäden zu vermeiden. Hoffentlich pellt sich meine Haut in den nächsten Tagen nicht auch noch. Wieder einmal ist der Hautkrebs ein kleines Stückchen näher gerückt. Hoffentlich nur ein ganz kleines.
Beim nächsten Mal dann doch lieber der Asi-Toaster! Wenn die Haut schon vorgebräunt ist, ist sie vermeintlich nicht mehr so empfindlich. Großer Fehler! Die sonnengegerbten Lederhäute beweisen das Tag für Tag. Sehe ich nicht gesund und jung aus, so schön braun? Nein, eher wie ein Koffer aus Krokodilleder. Aber seien Sie beruhigt, Hautkrebs tötet nur ganz langsam. Schon 13-Jährige gehen drei Mal die Woche unter die künstliche Sonne und zerstören sich ihre Haut unwiderruflich. Dann doch lieber der echten Göttin des Himmels trotzen.

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