:bszKolumne: Eine Lanze für Lanz

Geschrieben von clu am . Veröffentlicht in Kolumne

Das war es nun also. Nach Monaten des Munkelns und einer fast würdevoll anmutenden Suche nach dem Richtigen lief am vergangenen Samstag das als „TV-Event des Jahres“ angepriesene Spektakel über die Bildschirme der Nation. Natürlich, die Rede ist vom mit Spannung erwarteten Antritt des Markus Lanz zu seinem „Kriegseinsatz“ an vorderster Front der Unterhaltungsbranche. Was waren wir alle gespannt, als um 20:15 Uhr endlich die Titelmusik von „Wetten, dass..?“ erklang und ein sichtlich aufgeregter Lanz die große Treppe hinab schritt. Eine wahre Erholung für die unter Gottschalk stets stark beanspruchten Sehnerven bot der Moderator, zu dessen ersten Sätzen „Ich habe das alles nicht gewollt“ zählte. Tja, unverhofft kommt ja bekanntlich oft, und manchmal eben auch ungewollt. Jetzt jedenfalls gab es kein Zurück mehr: Das drei Stunden und zwölf Minuten andauernde Showspiel hatte begonnen. Im ersten Akt zeigte sich bereits, dass man beim ZDF Kreativität und Originalität bewiesen hatte: Die Melodie war – zumindest fürs musikalisch versierte Ohr merklich – verändert worden, die Gäste nahmen alle von Anfang an auf dem - ebenfalls neuen und jetzt fahrbaren(!) – Sofa Platz und, was dem Versuch, sich volksnah zu zeigen geschuldet war, die WettkandidatInnen durften ebenfalls während der gesamten Show dabei sein, gemeinsam mit ihrer persönlichen WettpatIn betraten sie das Studio und begaben sich in die neue „Kandidaten-Lounge“! Doch so richtig wollte sich das „Neue“ dann doch nicht durchsetzen. Mindestens bei den Gästen wurde auf Bewährtes gesetzt und Karl Lagerfeld zum siebten, Jennifer Lopez zum fünften und Silvie van der Vaart immerhin zum zweiten Mal eingeladen. Mit  von der Partie waren unter anderen Landesmutti Hannelore Kraft mit neuer Frisur, Campino mit erstaunlich tiefen Falten und Band, Wotan Wilke Möhrig mit Waldorfschulabschluss. Karl Lagerfeld äußerte das vielleicht intelligenteste Statement des Abends: „Um Kinder muss man sich kümmern, das sind keine Haustiere.“ Ebendieser schräge Designer war es dann auch, der bei der Kinderwette als Pate fungierte. Julian aus Düsseldorf wettet, dass er den gesamten S-Bahnplan von Berlin auswendig kennt! Was niedlich klingt – ist aber leider vor allem eins: Beängstigend! Ein kleiner, blasser Junge, der nicht nur jede einzelne Haltestelle inklusive Umsteigemöglichkeiten kennt, sondern auch noch so täuschend echt die maschinelle Stimme aus dem Bahnlautsprecher nachmacht, dass man sich fragt, wie viele Stunden Julian wohl täglich in der S-Bahn sitzt. Das Publikum jedenfalls ist begeistert. Andere Wetten handeln von Hundehaaren, Fallrückziehern auf einer Slackline und Ohrenwackeln – alles wie früher, skurril bis famos. Ganz anders als unter Gottschalk sollte, so war es groß angekündigt worden, der Umgang mit den Gästen werden. Okay, tatsächlich neu war, dass Lanz kein einziges Mal einem weiblichen Gast auf dem Oberschenkel rumtatschte. Jennifer Lopez aber haute trotzdem nach wenigen Minuten wieder ab. Schuld am schnellen Verschwinden könnte aber auch Lanz‘ penetrante Neugier bezüglich des Oben-Ohne Tänzers und dessen Beziehung zu der Sängerin gewesen sein. Obwohl der neue Moderator zuvor versprochen hatte, solche Sonderregeln für Superstars seien abgeschafft, nahm ihn zumindest la Lopez scheinbar noch nicht für voll...
Alles in allem scheint Lanz sich aber einen Platz im Samstagabendprogramm der Deutschen erobert zu haben, mehr als 13 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung. Viele sicherlich aus Neugier – aber wenn nur die Hälfte treu bleiben, ihm dem Moderator mit dem ewigen Schwiegersohn-Image, hat er schon gewonnen!

Kommentar schreiben