Wieder keine Elite

am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

2-1-web-Rest-fikDie Ruhr-Universität verpasst abermals den Exzellenz-Status

Das Audimax-Foyer war gut gefüllt, es gab Getränke und Fingerfood, außerdem spielten drei Musiker auf einer kleinen Bühne Instrumentelles. Sie stand wieder an, die Entscheidung, welche Universitäten den Exzellenz-Status erhalten oder behalten dürfen. Am vergangenen Freitag, dem 15. Juni, sah der Entschluss jedoch genauso aus wie 2007. Die Ruhr-Universität gehört wieder nicht zur Elite.

 

Rektor Elmar Weiler war bereits bei seiner Ankunft im noch recht spärlich gefüllten Audimax-Foyer sehr gelöst. Er kannte das Ergebnis schon. Im Zuge dessen versuchte er auch, die Erwartungen zu senken: „Wir sollten realistisch bleiben, es ist bereits super, dass wir in der Spitzengruppe der Universitäten in Deutschland mit dabei sind.“ Insgesamt mussten sich die Unis in drei verschiedenen Kategorien bewerben, mit einem Exzellenzcluster, einer Graduiertenschule und einem Zukunftskonzept. Das Cluster, die „Ruhr Explores Solvation“  und die „Ruhr University Research School Plus“ überzeugten die Exzellenzkommission, das Zukunftskonzept fiel hingegen durch. Um den Elite-Titel tragen zu dürfen, müssten jedoch alle drei Felder ausgezeichnet werden. „Wenn wir alle drei Förderlinien gewonnen hätten, wäre dies ein kleines Wunder gewesen“, sagt Elmar Weiler. Elf Unis können sich nun mit dem Elite-Label schmücken: Die RWTH Aachen, die FU und die HU Berlin, die Uni Bremen, die TU Dresden, die Uni Heidelberg, die Uni Köln, die Uni Konstanz, die LMU und die TU München sowie die Uni Tübingen. Dies war die dritte und vorerst letzte Runde der Exzellenzinitiative. 2006 und 2007 wurden insgesamt 1,9 Milliarden Euro verteilt, nun sogar 2,7 Milliarden. Davon gehen etwa 52 Millionen Euro an die Ruhr-Universität, auch ohne Titel.

 

 

Mediales Spektakel

Etwa 400 Personen wollten sich das Spektakel im Audimax-Foyer nicht entgehen lassen. Neben der schreibenden Zunft tummelten sich auch zwei Kamerateams insbesondere um den RUB-Rektor. Auch die Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz war anwesend, überließ Weiler jedoch die Bühne. Als der Rektor das Ergebnis bekannt gab, brach tosender Applaus aus. Er listete die Erfolge der beiden Gewinner, der Research School und der „Ruhr Explores Solvation“, auf. Er bedankte sich bei sehr vielen Personen, die daran mitgewirkt haben und sparte nicht mit Lob für Ruhr-Universität. Außerdem gab er bekannt, dass das Zukunftskonzept, welches nicht von der Exzellenzinitiative gefördert wird, trotzdem von der Uni umgesetzt werden soll. Woher dafür das Geld kommen wird, blieb jedoch unklar. Weiler sah die RUB als klare Gewinnerin, auch ohne offiziellen Titel. Es erinnerte ein wenig an die Elefantenrunden nach politischen Wahlen, gewonnen haben dann immer alle, Verlierer*innen gibt es nicht mehr. Für abweichende Meinungen war sowieso kein Platz: „Uns ist egal, ob die RUB jetzt exzellent wird oder nicht. Wir sind prinzipiell gegen die schleichende Privatisierung des Bildungswesens“, sagte Andreas Müller vom Protestplenum.

Die Regeln des Marktes

In weiteren Dankesreden wurde insbesondere Rektor Elmar Weiler mit Lob überschüttet, auch die Oberbürgermeisterin machte einen Kniefall vor Bochums größter Arbeitgeberin. Bemerkenswert war es auch, dass Studierende an diesem Nachmittag im Audimax-Foyer kaum Raum hatten oder haben wollten, denn um sie ging es überhaupt nicht. Unter den etwa 400 anwesenden Personen waren vielleicht ein Dutzend Studierende zu sehen, die meisten von ihnen Funktionär*innen. Für die Forschung in einzelnen Bereichen sind nun zusätzlich 52 Millionen da, in die Lehre fließt dawegen jedoch kein weiterer Cent. Es mussten sogar Mittel aus anderen Bereichen umgeschichtet werden, um Konzepte für die Exzellenz-Bewerbung zu finanzieren. „Und die RUB sitzt ja schon auf einem Schuldenberg. Es fehlen 16 Millionen Euro im diesjährigen Wirtschaftsplan. Die Fakultäten müssen daher auf Lehrpersonal verzichten, jedenfalls hat das das Rektorat mit seinem Spardiktat angeordnet“, sagte Andreas Müller. Die Exzellenz-Initiative verschlechtere die Situation sogar zusätzlich: „Die Angestellten der Universitätsverwaltung und das Lehrpersonal arbeiten seit Jahren hart für diesen Wettbewerb, das hat der Rektor selber gesagt“, so Müller weiter. „Hätte sich die Uni die Kosten für die Teilnahmen an diesem exzellenten Unsinn gespart, wären wir vielleicht nicht in dieser desolaten Haushaltssituation“, sagte eine Sprecherin des Protestplenunms. Offen bleibt, wie das Rektorat die Probleme in der Lehre an der Ruhr-Uni lösen will. Von diesen abgelenkt hat der Wirbel um die Exzellenzinitiative auf jeden Fall.