Schwules Blut

am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

2-2-web-flickr-by-philippe-leroyer-CC-BY-NC-ND-2„Sei ein Held“ mit Hindernissen

 

In der vergangenen Woche hat die Fachschaft Medizin der RUB in Kooperation mit der Deutschen Knochenmarkspende-Datei (DKMS) den Aktionstag „Dein Typ ist gefragt – Sei ein Held“ veranstaltet. Bereits zum zweiten Mal sollten so an der RUB neue SpenderInnen gewonnen werden, die Leukämie-PatientInnen mit ihrer Spende im Kampf gegen den Blutkrebs unterstützen. Weiterhin pauschal von der Spende ausgeschlossen sind laut Richtlinien der Bundesärztekammer „Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)“.

Bei der vergangenen Typisierung vor zwei Jahren konnten an der RUB 1.200 neue SpenderInnen in der Knochenmarkspende-Datei registriert werden. In diesem Jahr verzeichnete der Aktionstag einen Zulauf von 700 neuen Typisierungen. Eine erfolgreiche Bilanz für die Fachschaft Medizin. Viele Studierende halfen ehrenamtlich, um diesen Tag auf die Beine zu stellen. Eine gute Aktion, die vielen Menschen hilft, die jedoch auch den Richtlinien der Bundesärztekammer unterworfen ist und potenzielle Spender, die mit Männern Sex haben,  ausschließt. In den Richtlinien von 2010 werden neben Männern, die mit Männern Sex haben, auch „heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z.B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern“ geführt, ein Passus, der in dieser Deutlichkeit in den vorherigen Richtlinien nicht aufgeführt wurde. „Der Fokus der vorliegenden Änderung richtet sich darauf, den diskriminierenden Anschein der Formulierung zum Ausschluss von MSM von der Blutspende zu entkräften“, schreibt die Bundesärztekammer. Die Kammer stützt sich bei der Bestimmung der Risikogruppen auf Statistiken: „Aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) lässt sich ableiten, dass HIV-Neuinfektionen bei MSM im Vergleich zu heterosexuellen Männern ca. 100fach häufiger sind“.

Schwule unter Generalverdacht

Durch den kategorischen Ausschluss werden schwule potenzielle Spender unter einen Generalverdacht einer HIV-Infektion gestellt, den KritikerInnen als diskriminierend bezeichnen. So etwa in einer Diskussion auf dem E-Mail-Verteiler der Fachschaftenvertretung FSVK. In einer Stellungnahme macht die Fachschaft Medizin deutlich, dass die Richtlinien der Bundesärztekammer und der DKMS „nicht in der Entscheidungsgewalt unserer Fachschaft“ lägen. „Vielmehr wollen wir Menschen, die aus welchem Grund auch immer von der DKMS nicht als potentielle/r Spender/in akzeptiert werden, ebenfalls die Möglichkeit geben, sich zu engagieren“, so die Fachschaft Medizin weiter. Für die Fachschaft ist dieser Ausschluss von „Oben“ eine schmale Gratwanderung zwischen den vorgeschriebenen Richtlinien zur Typisierung und einer diskriminierungsfreien Umsetzung des Aktionstages.

Blut ist Blut

In anderen europäischen Ländern wie Spanien und Italien sind homosexuelle Männer hingegen zur Blutspende zugelassen. Dass ein kategorischer Ausschluss europaweit nicht unumstritten ist, dessen ist sich auch die Bundesärztekammer bewusst. Sie sieht jedoch noch keinen akuten Handlungsbedarf: „Unabhängig von der vorliegenden kurzfristig notwendigen Richtlinienanpassung wird bei der weiteren Überarbeitung der Richtlinien die Thematik ‚Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSN)’ vom Arbeitskreis unter Berücksichtigung europäischer und internationaler Daten erneut bewertet werden“.

Diskriminierung überwinden

„Was in Spanien schon seit 2001 möglich ist, sollte auch in Deutschland möglich sein. Homosexuelle Männer dürfen nicht länger von der Blut- und Knochenmarkspende ausgeschlossen werden“, fordert Deniz Bulan vom Autonomen Schwulenreferat des AStA der Ruhr-Uni. Vielleicht erwächst aus der RUB-intern geführten Diskussion eine weitere Aktion, die neben der Wichtigkeit und Durchführung der Typisierung darauf aufmerksam macht, dass noch immer potenzielle Spender alleine aufgrund ihrer sexuellen Präferenzen von der Spende ausgeschlossen werden. Im Netz ruft dazu zum Beispiel die Initiative „Schwules Blut“ auf. Mit Protestbriefen an die Bundesärztekammer, das Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut wollen die OrganisatorInnen gegen den Ausschluss vorgehen. „Schwules Blut“ stellt noch weiteres Infomaterial und einen Ausblick zur Blutspende-Lage in Europa zur Verfügung.


Weitere Infos: www.schwulesblut.de