Studierende sind nicht nur negativ

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1-2-rubSenat der RUB: Uta Wilkens vor dem Aus als Prorektorin für Lehre?

Die erste Senatssitzung des neuen Semesters lief für das Rektorat alles andere als rund: Prorektorin Uta Wilkens wurde vom Senat nur knapp im Amt bestätigt – ihre Zukunft ist nun ungewiss. Wilkens musste überdies einräumen, dass die hohe Zahl der neuen Erstsemester auf organisatorische Fehler der Uni zurückgeht. RUB-Rektor Elmar Weiler stand ebenfalls in der Kritik: Er hat im Zuge der Debatte um das neue Gebäude GD gelogen.  

Zu Beginn des öffentlichen Teils der Senatssitzung wurde das Ergebnis der Wahlen der drei Prorektor_innen bekanntgegeben, die zuvor vom externen Hochschulrat durchgeführt wurde. Der Senat bestätigte alle drei Kandidat_innen. Die Prorektorin für Lehre, Prof. Dr. Uta Wilkens, bekam allerdings nur 17 Ja-Stimmen. Zwei Senator_innen enthielten sich, fünf verweigerten ihr sogar die Stimme. Da nach Statusgruppen getrennt abgestimmt wurde, war überdies klar, dass alle Studierenden gegen Wilkens votiert hatten. Am Rande der Sitzung wurden Gerüchte laut, dass noch weitere Professor_innen am liebsten gegen die umstrittene Prorektorin gestimmt hätten. „Das haben sich die betreffenden Mitglieder dann aber doch nicht getraut“, berichtet Karsten Finke, Öffentlichkeitsreferent im AStA. Wilkens teilte zwei studentischen Vertreter_innen nach ihrer Wahl mit, dass sie angesichts der Vorbehalte der Studierenden gegen sie ihre Wahl nicht annehmen würde. Ob Uta Wilkens weiter Prorektorin für Lehre bleibt, ist also fraglich.

Studierendenzahlen zu hoch?

Auch in der Debatte um die hohen Erstsemesterzahlen stand Wilkens im Mittelpunkt. Einige Professor_innen äußerten große Bedenken bezüglich der vielen neuen Studierenden: Die Betreuung der Erstsemesterflut droht Probleme aufzuwerfen. Tatsächlich herrscht – anders als in den offiziellen Verlautbarungen der RUB – nicht nur Begeisterung über die Einschreibungswelle. Vielmehr begründeten die Univerwaltung und Prorektorin Wilkens die hohen Zahlen mit organisatorischen Fehlern bei den Zulassungen. Obwohl sich die Ruhr-Uni seit Wochen für die vielen neuen Erstsemester feiert, sind diese also offenbar gar nicht gewollt. Die Prorektorin beendete die Diskussion letztlich mit den Worten: „So viele Studierende sind nicht nur negativ.“ Die praktischen Folgen der Einschreibungswelle werden in den nächsten Wochen zutage treten.

Campussanierung wie geplant?

Auf der letzten Senatssitzung wurde Rektor Elmar Weiler gefragt, warum er auf einer Bürger_innenversammlung behauptet hatte, eine Befragung unter Studierenden der G-Gebäude durchgeführt zu haben. Diese Umfrage soll ergeben haben, dass sich die Studis für den GD-Neubau im Wald neben GC aussprechen. Weiler ruderte bereits zurück: Er habe nur einzelne Studierende befragt. Das Protokoll der Sitzung beweist nun jedoch, dass Herr Weiler die Befragung komplett erfunden hat. Der AStA-Vorsitzende Jan Keitsch erhebt daher schwere Vorwürfe gegen den Rektor: „Es existiert ein Tonbandmitschnitt der Versammlung. Es ist eine Frechheit, dass der Rektor die Studierenden und den Senat bewusst belügt.“

Diskutiert wurde zudem, dass der Bebauungsplan für das neue GD-Gebäude in der  Bezirksvertretung Bochum-Süd einstimmig von allen Parteien abgelehnt wurde. Die Senator_innen reagierten auf diese Information mit Tumult – hieß es doch bisher, dass die Campussanierung „ganz normal“ verlaufe. Wenn das Gebäude nicht bis zur Ankunft der doppelten Abiturjahrgänge im Jahr 2013 fertig wird, drohe Chaos, befürchten nicht nur die Professor_innen. Alternativen zum geplanten Standort im Wald hinter GB wurden erfragt – ohne Ergebnis. Die Uni-Leitung weigert sich weiterhin, mögliche Alternativstandorte zu prüfen. In der turbulenten Diskussion wurden sogar Parallelen zur Stuttgart21-Misere gezogen: Immerhin haben Umweltschutzverbände bereits angekündigt, gegen einen Bau des GD im Landschaftsschutzgebiet westlich des Campus protestieren zu wollen. Ein Professor schlug dagegen vor, für den Bau im Wald zu demonstrieren. Ihm droht nach Lage der Dinge allerdings ein eher einsamer Protest.