Mut zum Konflikt

am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

1_1_Jan_im_AstaDer AStA der RUB begrüßt die Erstsemester

Rund 5.000 AbiturientInnen beginnen in diesem Semester ein Studium an der Ruhr-Uni. Im Gespräch mit der bsz stellt AStA-Vorsitzender Jan Keitsch sich und den AStA den künftigen bsz-LeserInnen vor und sagt, was für den AStA zählt.

Dass Jan Keitsch, der auch in seiner Vergangenheit als Öffentlichkeitsreferent keinen Konflikt mit dem Rektorat oder der Verwaltung scheute, in seiner Rede nicht davor zurückschrecken würde, Missstände an der RUB, wie etwa die immer noch in hoher Anzahl stattfindenden Tierversuche anzuprangern, wundert in Kreisen des AStA keinen. Rektor Elmar Weiler hingegen sei irritiert und „sauer“ gewesen, obwohl er den AStA-Vorstand schon länger kennt und weiß, dass die Studierendenvertretung der RUB bei unbequemen Themen nicht still bleibt – auch nicht bei der Begrüßungsfeier.

Belastete Beziehung

In der Presseerklärung der RUB werden die kritischen Töne des AStA nicht erwähnt – es findet sich lediglich ein Hinweis, dass sich Studierende in der Hochschulpolitik engagieren können. Jan Keitsch berichtet, dass dem Rektor nach der Feier ein Flyer des AStA überreicht wurde und Weiler daraufhin sagte, dass es schön wäre, wenn das Verhältnis zwischen Rektorat und AStA wieder besser würde. Der Streit um Studiengebühren oder um mehr Mitbestimmung an Prozessen der Hochschule haben das Verhältnis in den vergangenen Semestern beeinflusst.

Was zählt

Für den AStA ist es wichtig, dass die Studierenden und besonders die Neuen wissen, dass der AStA für sie da ist. So bietet der AStA Beratung in verschieden Bereichen wie Soziales, Kultur oder auch Beratung für Homosexuelle, ausländische Studierende und für diejenigen, die sich aktiv an der Gestaltung ihrer Uni beteiligen wollen: „Wir helfen Studierenden auch in sozialen Notlagen und übernehmen bei finanzieller Schieflage den Sozialbeitrag. Außerdem sind wir der größte Förderer der Campuskultur. Wir wollen die Mittel, die wir haben, auch gezielt einsetzen“, so Keitsch. Probleme und Baustellen der Gegenwart und Zukunft sind etwa die Campussanierung. Hier möchte der AStA aktiv in die Planung mit eingebunden werden. Der Studierendenvertretung ist eine ökologische und energieeffiziente Sanierung der Gebäude besonders wichtig. Bisher seien nicht alle Bedürfnisse verschiedener Gruppen an der RUB berücksichtigt worden, weshalb sich der AStA besonders für mehr studentische Beteiligung in Gremien der Uni einsetzt. „Bisher tut sich das Rektorat schwer, die Studierenden in ihre Planungen mit einzubinden: Wir sind nur einmal zu einem Treffen bezüglich der Campussanierung eingeladen worden.“

Demokratie und Tiere

Ein weiteres Vorhaben, das der AStA voranbringen will, ist die Uni demokratischer zu machen. Der AStA sieht an der Uni ein massives Demokratiedefizit, das vor allem bei der diesjährigen Wiederwahl des Rektors offenbar wurde, da kein Gegenkandidat zu Weiler aufgestellt und auch nicht gesucht wurde. Eine weitere Blockade der Demokratie an der Uni bestehe darin, dass Studierenden die Semester, in denen sie ein Amt innehaben, nicht mehr positiv auf ihre Semesterzahl angerechnet werden: „Das bringt natürlich Nachteile etwa in der Förderung durch BaföG mit sich“, erzählt Keitsch. Die ProfessorInnen aber, die im Senat sitzen, müssen während ihrer Amtszeit weniger Vorlesungen halten, bekommen aber dasselbe Gehalt.

Ein großes Thema sind die Tierversuche, die bis heute an der RUB stattfinden. Durch vermehrtes Engagement der „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ auf dem Campus sei dieses Thema endlich wieder mehr im Fokus: „Die Leute, die neu an die Uni kommen, können das nun kritischer sehen. Die Aufmerksamkeit ist wieder da und so wird auch bald wieder mehr passieren.“

Am 17. November wird die Wissenschaftsministerin Svenja Schulze von der SPD, ehemalige Vorsitzende des RUB-AStA, die Uni besuchen und ein Gespräch mit Rektor und AStA führen. Jan Keitsch ist auf die künftige Zusammenarbeit zwischen der neuen Ministerin und dem Rektor gespannt. Weiler hat engen Kontakt mit dem ehemaligen Minister Pinkwart von der FDP gepflegt und muss sich nun auf neue Farben in der NRW-Politik einstellen.

Engagement ohne Liste

Wenn Studierende sich keiner der Listen an der Uni anschließen oder im Fachschaftsrat mitarbeiten wollen, können sie sich trotzdem politisch, sozial oder kulturell engagieren. „Es gibt verschiedene Kommissionen, wie etwa die für Lehre, die sich über interessierten Nachwuchs freut; man kann aber auch selbst Initiativen oder Arbeitskreise gründen, die vom AStA finanziell, etwa beim Druck von Flugzetteln oder Veranstaltungen unterstützt werden. Wichtig ist vor allem, dass man konfliktbereit bleibt, sich von Abhängigkeitsverhältnissen zu den Dozierenden nicht einschüchtern lässt und immer offen seine Meinung sagt. Wenn dadurch mal ein Nachteil entstehen sollte, ist der AStA erste Anlaufstelle.“