Studieren bei McDonalds und Co.

am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

McD_PM_100115_MitarbeiterkampagneBildung zum Mitnehmen?

Seit Mitte Januar wirbt McDonalds in TV-Spots für sein Studium. McBachelor nennt der US-Fastfood-Konzern sein Studienmodell. Der Konzern bietet Interessierten einen dualen Bachelor of Arts and Science in Betriebswirtschaftslehre an. Die Kosten werden übernommen, sofern man sich vertraglich verpflichtet, nach dem Studium drei Jahre im Betrieb zu bleiben.

Aktuell studieren etwa 250 Studierende an verschiedenen Akademien und werden dafür bezahlt. 20 Stunden pro Woche studieren und 20 Stunden in einer Filiale arbeiten. Im Westen liege die Ausbildungsvergütung bei 803 Euro – für insgesamt 80 Stunden Arbeit im Monat. Die Studiengebühren, die bis zu 550 Euro im Monat betragen, übernimmt das Unternehmen, wenn man McDonalds nach dem Abschluss die Treue hält. Bisher hätten sich alle Studierenden dazu verpflichtet. Das Studium findet an Internationalen Berufsakademien (iba) statt. Auch in Bochum gibt es eine solche Akademie der F+U Unternehmensgruppe, die sich als gemeinnütziges Bildungsinstitut versteht.

McBachelor

Der Studienplan ist dicht. Neben Modulen in BWL, VWL, Informatik, Wirtschaftsmathematik, Internationalem Hotel- und Gastronomiemanagment und Recht müssen die Studierenden auch Englisch und Spanisch büffeln. „Das System ist schon sehr verschult“, gibt McDonalds zu. Tatsächlich übernehme das Unternehmen auch bis zu einem Semester über die Regelstudienzeit von sechs Semestern hinaus die Gebühren, falls die Studierenden mal eine Prüfung nicht bestehen. Das hört sich zunächst gut an. Selten ist ein Bafög-Amt so kulant. McDonalds fördert und forder – das verschweigt nicht mal der Spot. Stressig sei das Studium schon, sagen Studierende, die sich für das duale Studium entschieden haben. Bezahltes Studium und ein sicherer Job. Das kann sonst keine Hochschule versprechen.

Ausverkauf

McDonalds ist nicht das einzige Unternehmen, welches das Studium finanziell unterstützt und dafür verlangt, dass die Alumni dem Unternehmen treu bleiben. In Sachsen bietet die gesetzliche Krankenkasse AOK Medizinstudierenden Studienbeihilfe, wenn sich die Studierenden ab dem dritten Semester dazu verpflichten, nach dem Studium für vier Jahre als AllgemeinmedizinerIn in den abgelegenen und unterversorgten Regionen Sachsens zu arbeiten. „Das Programm soll dazu beitragen, die ambulante ärztliche Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten zu stabilisieren.“ 300 bis 600 Euro bekommen die Studierenden, wenn sie sich auf das Angebot einlassen, das im Grunde einem guten Zweck dient. Aber heiligt der Zweck die Mittel? Kommt das nicht einem Ausverkauf der Lehre und der freien Wissenschaft gleich?

Alternative

Das Studium bei der Fastfoodkette scheint eine gute Alternative zu einem Studium an einer Universität zu sein, welches meist selbst finanziert werden muss. Dieter, im TV-Spot der Idealtypus des Arbeiterkind-Studenten bringt es auf den Punkt: Die Chancen, sein Studium nur über Bafög zu finanzieren und in Regelstudienzeit durchzukommen, sind gering. Meist gilt es, sich mit Nebenjobs durchzuschlagen und somit eine verlängerte Studienzeit in Kauf zu nehmen. Dann haben viele Studierende, trotz positiver Arbeitsmarktprognosen für AkademikerInnen, Angst, keine gut bezahlte Stelle zu finden, die ihrer Qualifikation entspricht. Da verkaufen viele lieber ihre Freiheit und die Entscheidungsmöglichkeiten, wo sie arbeiten wollen. Die Politik begrüßt solche Angebote von Unternehmen: Das Engagement von McDonalds als Ausbildungsunternehmen und Arbeitgeber sei  beispielhaft, lässt Miriam Gruß, familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion zum Anlass der Werbekampagne verlauten. Man dürfe kein Talent verschwenden und müsse „die Basis eines freiheitlichen Daseins“ gewährleisten, wozu die Chance auf Arbeit und Bildung gehöre. Dass die Bildung im Grunde nicht mehr frei ist, wenn die Unternehmen vor allem ihre eigenen Vorstellungen und Erwartungen von MitarbeiterInnen in die Studieninhalte einbringen, stört nicht. Je mehr Unternehmen sich, wie nun auch mit dem Deutschlandstipendium, an der Bildung beteiligen, desto weniger kostet die Bildung den Staat. Unternehmen klagen über schlecht ausgebildete Bachelor-Studierende, viele hätten keine Ahnung, wie ihr Wissen in der Praxis anzuwenden sei. Olaf Scholz, ehemaliger Bundesarbeitsminister der SPD, sagte anlässlich des McDonalds-Studiums, dass viele Unternehmen in den nächsten Jahren vor der Herausforderung stünden, gute und geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen. Das läge an der demographischen Lage. Davon, dass die Ausbildung an den Hochschulen in vielen Punkten, wie etwa der praktischen Anwendung, defizitär ist, kein Wort. Nett, dass die Wirtschaft genug Geld hat, ihre zukünftigen KapitalerwirtschafterInnen selbst auszubilden. Das Ideal freier Bildung jedoch bleibt bei unternehmensgesteuerter Bildungsfinanzierung zunehmend auf der Strecke.