DSW prämiert studentischen Einsatz

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2-1-web-Studentenwerkspreis-by-DSWWie die „Helden der Hochschule“ ihre Arbeitskraft vernachlässigen

Was tun Studierende eigentlich für Studierende – außer Notizen tauschen und im Aufzug zusammenrücken? Derzeit schreibt das Deutsche Studentenwerk (DSW) den 5. Studentenwerkspreis für besonderes soziales Engagement aus. Nominieren lassen können sich Studierende noch bis zum 13. Januar. Gehört ehrenamtliches Engagement an der Hochschule hierzulande schon zum guten Ton, wie beispielsweise in den USA?

Mit dem 5. Wettbewerb möchte der Dachverband aller 58 deutschen Studentenwerke „ehrenamtlich engagierten Studierenden und ihren sozialen Projekten ein Gesicht geben und diese öffentlich anerkennen.“ Darüber hinaus soll es „Studierende anregen, sich aktiv für ihre Kommilitonen einzusetzen und fragen, ob das zunehmend knappere Zeitbudget von Studierenden Einfluss auf das soziale Engagement hat und welche Art der Anerkennung sich ehrenamtlich Engagierte wünschen.“ Dabei vergibt das DSW ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 13.000 Euro. Einzelpersonen können mit 1.000 Euro belohnt werden, studentische Teams, die aus mehr als zwei Personen bestehen, immerhin mit 2.500 Euro. Die Jury tagt im Spätsommer dieses Jahres. Im Herbst folgt dann die Preisverleihung.

Wenige bewerben sich als „Helden der Hochschule“

Im vergangenen Jahr wurden fast 200 Studierende und studentische Initiativen durch Hochschulen, Dozentinnen und Dozenten, durch KommilitonInnen oder MitarbeiterInnen der Studentenwerke nominiert. Für einen bundesweiten Wettbewerb ist das jedoch ein eher magerer Schnitt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass allein an der Ruhr-Uni über 30.000 Studierende eingeschrieben sind. Die Jury indes suchte weiter nach den „Helden der Hochschule“ und entschied sich schließlich für zwei Studierende sowie fünf studentische Teams bzw. Initiativen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan trat als Schirmherrin des Projekts auf. Damals betonte DSW-Präsident Rolf Dobischat, das Bachelor- und Mastersystem sei nicht der Tod studentischen Engagements. Er sagte, Studierende würden sich trotz Studienbelastung Zeit nehmen für ihre MitstudentInnen. Einen Beleg dafür liefere auch der Wettbewerb des DSW.
Gleichzeitig forderten alle Preisträger­Innen, dass ehrenamtliches Engagement stärker von den Hochschulen unterstützt werden solle. Dies müsse vor allem bei der Vergabe von Stipendien stärker berücksichtigt werden. Dobischat schlug vor, die Hochschulen sollten solche studentischen Leistungen und den enormen zeitlichen Aufwand mit Creditpoints vergüten. Annette Schavan warnte jedoch: „Bürgerschaftliches Engagement muss wirklich innerlich gewollt sein. Wenn wir das instrumentalisieren für Studienleistungen, dann schaffen wir eine neue Zweiklassengesellschaft. Denn natürlich gibt es auch diejenigen, die aufgrund ihrer Situation ein solches Engagement nicht leisten können.“

Die Tücken der Arbeitskraft

In den USA spielt ehrenamtliches bürgerliches Engagement bei ArbeitgeberInnen und Universitäten eine entscheidende Rolle bei der Auswahl von BewerberInnen. Wer es schafft, anderen neben seinen sonstigen universitären, familiären oder finanziellen Verpflichtungen freiwillig Zeit zu schenken, kann damit sogar seine Studiengebühren senken. Hierzulande engagiert sich jede/r dritte ehrenamtlich. Knapp 23 Millionen Menschen über 14 Jahren sind in Vereinen, Initiativen, Verbänden und Kirchen aktiv. In einem Artikel der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2007 heißt es jedoch, bei der Stellensuche, im Lebenslauf und in Bewerbungsgesprächen sei die Ausübung eines Ehrenamts bisher gerne gesehen gewesen, weil es BewerberInnen eine soziale Kompetenz zuspreche. Bei vielen ArbeitgeberInnen sei es inzwischen allerdings unerwünscht, weil es nicht mehr in die moderne Personalpolitik passe: BewerberInnen könnten ihre Arbeitszeit und -kraft vernachlässigen. Aus Angst um ihren Arbeitsplatz würden deswegen viele Beschäftigte ihre freiwilligen Tätigkeiten verschweigen. Das ist eine These, an der wohl auch Karl Marx seine Freunde gehabt hätte. Immerhin diene die Freizeit ihm zufolge einzig dazu, die Arbeitskraft zu regenerieren. Und wie vernachlässigt ihr eure Arbeitskraft?

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