Irgendwas mit Medien

am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

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SAE Institute am Springerplatz

Ein Bunker als Medientempel? Zumindest, wenn es nach der “School of Audio Engineering” geht, soll der Hochbunker am Springerplatz in Zukunft ein Treffpunkt für Medienbegeisterte werden. Tatsächlich bietet der internationale Bildungskonzern SAE Institute dort zukünftig akademische und nichtakademische Abschlüsse an. Stärkerer Praxisbezug als die staatlichen Universitäten, so lautet das Werbeversprechen. Aufgenommen wird, wer es sich leisten kann: Die Studiengebühren belaufen sich auf rund 15.000 Euro für ein Bachelor-Studium.


Es ist ein lukrativer Markt, auf dem das SAE tätig ist. Irgendwas mit Medien, das ist schließlich ein verbreiteter Berufswunsch. Die Anzahl der Bewerbungen am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Uni war für das aktuelle Wintersemester gigantisch hoch: Den 8.000 Bewerbungen standen gerade einmal 60 freie Studienplätze gegenüber. Wer am Numerus Clausus scheitert, aber reiche Eltern hat, kann nun in den Bunker gehen.

Bachelor aus Britannien

Dort kann man neben diversen Zertifikaten auch besagten Bachelor-Abschluss erwerben. Weil der SAE-Konzern jedoch keine staatlich anerkannte Hochschule ist, werden die Abschlüsse offiziell von der britischen Middlesex-University verliehen. Trotz ähnlich klingendem Abschlussgrad sind die Unterschiede zu den Studiengängen an der Ruhr-Uni aber groß. „Generell ist das Studium der Medienwissenschaft nicht auf ein Berufsbild festgelegt, sondern bietet eine breite Grundlage für den späteren Job“, so Indira Dubuis, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Medienwissenschaft an der RUB. Im Gegensatz hierzu ist das SAE Institute ein privates Aus- und Weiterbildungsunternehmen, bei der man auch ohne Abitur aufgenommen werden kann, so lange das Kleingeld stimmt.

Spezialisiertes Angebot

Auch kann man im Bunker am Springerplatz keinen Bachelor in Medienwissenschaft erwerben, sondern zum Beispiel in “Audio Engeneering”, “Digital Flim & Animation”, “Webdesign” oder “Game Design”. Diese spezialisierten britischen Bachelorabschlüsse haben damit eine gewisse Ähnlichkeit mit einem deutschen Gesellenbrief, den man am Ende einer Berufsausbildung erhält. Doch auch dieser Vergleich trifft nur zum Teil, bekommen Auszubildende in Deutschland gewöhnlich zumindest einen geringen Lohn, und müssen nicht für ihre Ausbildung zahlen.
Trotz dieser Unterschiede ist das privatwirtschaftliche Ausbildungsmodell des SAE Institute weltweit auf dem Vormarsch: Inzwischen gibt es 56 Filialen, acht davon in Deutschland. Damit konnte sich das Unternehmen auch hierzulande bereits Marktanteile erkämpfen. Bochums zentrale Lage soll Interessierte aus umliegenden Ruhrgebietsstädten wie Essen und Dortmund anlocken, ist von den Verantwortlichen zu hören.

„Gegenseitige Befruchtung“

Auch den VertreterInnen von Kommunalpolitik und Verwaltung passt die Umnutzung des Bunkers gut in den Kram. Nachdem mit der Entwicklung des großmundig angekündigten Kreativquartiers rund um die Viktoriastraße mehr schlecht als recht vorwärts geht, ist die Ansiedlung etwas weiter westlich ein Erfolg. Und auch an der Ruhr-Uni hat man keine Angst vor dem kommerziellen Mitbewerber. „Ich finde es gar nicht schlecht, dass Bochum als Medienstandort noch ausgebaut wird“, so Dubuis. Die Bochumer Medienwissenschaftlerin kommt selbst aus der Praxis und sieht eine Professionalisierung in der Entwicklung der Medienbranche. „Da das Studium sehr breit gefächert ist, kann das SAE Institute eine Möglichkeit bieten, ganz spezielle Bereiche zu vertiefen“, so Dubuis. Eine Konkurrenz stelle das SAE Institute daher nicht dar. „Es könnte gut sein, dass sowohl die Ruhr-Uni als auch das SAE Institute voneinander profitieren“, sagt Dubuis. StudierendenvertreterInnen emfehlen dagegen, dass sich Interessierte genau informieren sollen, ob die teure Ausbildung am SAE Institute im Einzelfall tatsächlich eine passende Wahl für die eigene Zukunft ist.