RUB.2031

am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

1-1-web-Audimax-IWann werden wir unseren Campus nicht mehr wiedererkennen?

Im kommenden Wintersemester fallen endlich die Studiengebühren. Neben der Abschaffung der Wehrpflicht dürfte das sicherlich schon 2011 mehr Abiturient_innen zur Aufnahme eines Studiums motivieren. Und auch das Jahr 2013 ist nicht mehr allzu fern, wenn der doppelte Abiturjahrgang auf den Campus strömen wird. Eine Projektgruppe namens „RUB.2013“ soll nun rasch Wege finden, um die Kapazitätsprobleme zu lösen.

 

Die Hochschulleitung der Ruhr-Universität beschwört 2013 als das Jahr der Herausforderung. Dann könnte die RUB endgültig aus allen Nähten platzen. Daher soll bis zum Wintersemester 2013/14 das geplante GD-Gebäude aus dem Boden gestampft werden. Außerdem sollen nach Vorstellungen des Rektorats 3.000 neue Studienplätze entstehen – vor allem für Ein- und Zwei-Fach-Bachelor-Studiengänge. Zudem wurde Ende vergangenen Jahres die Projektgruppe „RUB.2013“ gegründet, um nach Lösungen für die Aufnahme von etwa 2.600 erwarteten zusätzlichen Neueinschreibungen im Zuge des doppelten Abiturjahrgangs zu suchen.

Völlig unrealistisch

Jan Keitsch, AStA-Referent für Öffentlichkeitsarbeit, hält diese hochfliegenden Pläne für wenig realistisch: „Die Weichen für 2013 hätten bereits vor zwei Jahren gestellt werden müssen. Jetzt kann es nur noch um Schadensbegrenzung gehen – echte Lösungen wird es nicht mehr geben. Gerade die rechtzeitige Fertigstellung des GD ist eine Illusion.“ Auch die Debatte um den endgültigen Standort des neuen Gebäudes könnte noch einmal aufflammen. So soll der GD-Bau nun in leicht abgespeckter Form in den Wald jenseits von GC gesetzt werden. Der Kompromiss zwischen der Stadt Bochum und der Ruhr-Uni wurde nach monatelangen zähen Verhandlungen getroffen. Das Hauptargument war, dass der Bau so schnell wie möglich errichtet werden müsse: „Uns wurde zugesichert, dass das Gebäude nicht wie anfangs geplant ins Landschaftsschutzgebiet gebaut wird. Falls der Plan nun doch aufgrund des zeitlichen Verzugs wieder abgeändert wird, werden wir uns wieder einschalten“, so Jan Keitsch weiter. Nach der Erlaubnis des Baus durch die Stadt ist wiederum über Monate nichts Weiteres passiert. Vor diesem Hintergrund könnte eine rechtzeitige Fertigstellung des neuen Geisteswissenschaftsgebäudes bis 2013 in weite Ferne rücken.

Zudem ist der Raumbedarf nach Einschätzung vieler Fakultätsvertreter_innen viel größer als bislang angenommen: „Demnach bräuchten wir drei weitere Gebäude in der Größe des Audimax“, wurde RUB.2013-Leiterin Marina Hoffmann unlängst in den Ruhr Nachrichten zitiert. Daher soll nun nach Wegen gesucht werden, um Raumkapazitäten einzusparen. Dies würde nach Vorstellung des RUB-2013-Teams vor allem durch eine Optimierung des Ressourcenmanagements und eine stärkere Nutzung von Randzeiten bei Unterrichtsveranstaltungen geschehen. So will Holger Hansen, Stabstellenleiter E-Learning, das Studium weiter flexibilisieren – beispielsweise durch eine Reduktion von Präsenzzeiten auf dem Campus durch IT-basiertes „blended learning“. Wie das mit der weiterhin von einigen Fakultäten angewendeten Anwesenheitspflicht zusammenpasst, bleibt fraglich.

Der Weg zur Uni als Odyssee

Schon im nächsten Jahr wird die jetzt schon prekäre Situation in der U35 noch extremer werden – daran ändert auch der neue Namenszusatz Campus-Linie nichts. Die Bogestra hat angekündigt, die Taktzeiten der U35 auf das technisch Mögliche zu verkürzen. Das allein wird die Massen an zusätzlichen Studierenden aber nicht bewältigen können. Darüber hinaus möchte die Bogestra – auch auf Druck des AStA – für den doppelten Abiturjahrgang eine zusätzliche Buslinie zwischen dem Hauptbahnhof und dem Campus einrichten. Ob diese Maßnahmen überhaupt zu finanzieren sind, ist jedoch ungewiss. Zusätzlich wird sich die jetzt schon desolate Parkraumsituation bis 2013 noch verschärfen. Das Parkhaus West soll bis dahin zwar bereits saniert sein, weitere Autos kann die Ruhr-Uni aber auch dann nicht verkraften. Trotz möglicher Verbesserungen im ÖPNV wird der RUB wohl ein immer weiter eskalierendes Verkehrschaos erhalten bleiben.