#723- Städtetrip Madrid Hauptsache Italien

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Wer Lärm, Enge, stickige Luft und Trubel nicht mag, sollte nicht nach Madrid fahren. Die spanische Metropole ist geschäftiger Regierungssitz, ehrwürdige Kulturhauptstadt, junger Bildungsschwerpunkt, kosmopolitisches Einwanderungsziel, hektisches Handelszentrum des Landes. Die bsz ist schon da gewesen und hat Madrid auf Studierendentauglichkeit getestet.

Am Anfang eines jeden Städtetrips steht die Anreise, die aufgrund der Zentralität der Hauptstadt und der Billigflieger leicht zu bewältigen ist. Jedoch will der Zeitpunkt aus Kosten- und Klimagründen wohl gewählt sein: Je langfristiger geplant, desto geringer werden die Kosten. Die Sommermonate sind durch hohe Gradzahlen von 30 bis 40 Grad Celsius für Städtetouren nicht zu emp-fehlen. Am Ende der Semesterferien sind jedoch Ticketpreise und Temperaturen niedrig. Hin- und Rückflug inklusive Gebühr liegen meist um die 80 Euro, mehr als 60 Euro pro Ticket sollte nicht berappt werden. Es kann sich lohnen, neben Germanwings ab Köln auch LTU ab Düsseldorf zu überprüfen, die oft ebenso günstige Preise bieten. Einige Airlines offerieren bei der Internetbuchung in Kooperation mit der Deutschen Bahn Angebote für die An- und Abreise zum Flughafen für 19,90 Euro. Das Kalkulieren lohnt sich jedoch, mit Anschlussticket und Studiausweis liegen die Preise eventuell niedriger.

Schlafen
In Madrid angekommen, gibt es eine direkte U-Bahnverbindung in die City, für etwa 15 Euro ein touristisches Ticket, welches unbegrenzte Mobilität in der Innenstadt garantiert. Ärgerlich ist die Ein- und Austrittsgebühr für den Flughafen von einem Euro. Die Kosten für Reise und Mobilität für fünf Tage in Madrid belaufen sich also auf ungefähr 115 Euro. Um müde Beine nach Stadtrundgängen hochzulegen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten in Hostels zu übernachten. Wer ein paar Nächte auf Privatsphäre verzichten kann, günstig schlafen und vielleicht sogar nette Leute kennen lernen will, ist in gemischten Mehrbettzimmern richtig. Das Internet (www.hostels.com) und der Backpackerguide "Lonely Planet" bieten zahlreiche Bewertungen, gründliche Recherche und Vergleiche sind von Vorteil. Zwar sind viele Jugendherbergen mittlerweile sauber, bieten Frühstück inklusive Handtücher, doch schwarze Schafe gibt es ebenso. Reservierungen sind online möglich und dringend notwendig. Im Herbst zahlt Studi im gemischten Mehrbettzimmer etwa 19 bis 25 Euro pro Nacht, teilweise inklusive Frühstück. Zwei Personen übernachten vier Mal im Schlafsaal für 38 Euro pro Nacht, also insgesamt 152 Euro

Essen
Ein guter Start in einen Tag in Madrid ist wichtig und auf Essen wird der obligatorische Hauptstadtzuschlag aufgerechnet. Es ist also von Vorteil, sich bereits in der Herberge gestärkt zu haben. Dennoch sollte das madrilenische Frühstück nicht verpasst werden. In einer der zahlreichen Cafébars (nein, nicht bei den Sternenkäfern) schmeckt ein Café con leche, ein kleiner, starker Café mit einem, am Tisch hinzugefügten, Schuss Milch, besonders gut, dazu eine Backware, als zweites Frühstück nach den ersten Besichtigungstouren wärmstens zu empfehlen, vielleicht im Jamaica Coffee Shop am Plaza d`España. In vielen Bars gibt es die beliebten Churros con Chocolate, ein frittiertes Spritzgebäck, welches in flüssige Schokolade getaucht wird. Speziell nach einer durchzechten Nacht essen Hochzeitsgäste, FlamencotänzerInnen, DiscogängerInnen, Kneipentouristen zusammen Churros, bedient von elegant gekleideten, grimmig schauenden Obern, die zehn gestapelte Tassen heiße Schokolade über die Köpfe balancieren. Für den Snack in der Siesta, in Madrid kommt zwischen zwei und fünf das gesamte öffentliche Leben zum erliegen, sind kleine belegte Baguettes ideal. Es gibt sie in verschiedensten Variationen, die es in modernen Ketten, aber auch in traditionellen Bars gibt. Gezahlt wird je nach Belag und Stückzahl etwa 1-3 Euro pro Stück, drei bis vier entsprechen einem kleinen Mittagessen. Die Hauptmahlzeit der Madrilenen ist das Abendessen, welches nicht vor neun Uhr eingenommen wird. Auswärts eingenommen empfehlen sich Tapas, die berühmten kleinen Speisen der Spanier, die von Allen am Tisch geteilt werden. Zum Probieren empfohlen sind Oktopus, ebenso scharfe Kartoffelecken, gebratene kleine Paprikas und eine hervorragende gemischte Nachspeisenplatte. Für einen durchschnittlichen Tag mit Snack zwischendurch, kleinem Mittagessen, großem Abendessen sollten etwa 25 Euro kalkuliert werden, je nach Alkoholkonsum mehr.
Die Sehenswürdigkeiten Madrids sind offensichtlich in jedem Reiseführer groß und breit erklärt, sie sind sehenswert, besonders für Menschen mit Liebe für Architektur. Wer nach Stadtrundgängen immer noch keine platten Füße hat, der kann die Shoppingmöglichkeiten der Stadt erkunden. In den Gässchen abseits der Gran Via gibt es zahlreiche Boutiquen mit hohen und weniger hohen Preisen. Faulenzer legen sich in die stark frequentierten Parks und sehen den Pärchen beim Knutschen zu oder an Samstagen die zahlreichen Fototermine der Brautpaare oder suchen sich selber wen zum schmusen. Auch das riesige Naherholungsgebiet direkt hinter dem Königspalast lohnt einen Besuch, vielleicht mit der Gondel, die ab dem ebenso sehenswerten Rosengarten abfährt.

m jkae

#723- Wie man eine Woche Irland überlebt?: So

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Man kennt Irland als die frische, grüne Insel mit den rothaarigen Menschen, auf welcher Kobolde einen Haufen Gold versteckt halten; in Reisekatalogen sieht man riesige Felder voller Schafe, bunte Hütten, kleine Pubs und viel Guinness. Natürlich scheint auch immer die Sonne und die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und offen.

Bis dahin die Theorie. In der Praxis fehlen in der Tat nur die Kobolde. Das dazugehörige Gold leider auch.
Ansonsten ist (West-)Irland ein Reiseziel, welches man mindestens einmal im Leben besucht haben sollte. Wenn es geht, am Besten bevor die altersschwachen Knochen gelegentliche Bergwanderungen nicht mehr mitmachen und die Leber an einem einfachen Cidre versagt.
Denn den Burren in Co. Clare sollte man auf jeden Fall besteigen. Nicht unbedingt in einer typischen "Wir-ziehen-Khakifarbene-Hosen-und-dazugehörige-geschmacklose-Hemden-und-Hüte-sowie-weiße-
Tennissocken-in-braunen-Sandalen-an"-Touristengruppe, sondern zu zweit oder zu dritt. Dazu ein feines Picknick und der Wandertag ist schon perfekt. Mehr braucht es nicht – die Natur ist überwältigend genug.

Die unendlichen
Weiten des Meeres
Für diejenigen, die nicht so sehr auf Wanderstock und Steine stehen, sei empfohlen, sich einfach nur ans Meer zu setzen. Hintern in den Sand (ja, Irland hat wunderschöne Strände) oder auf eine Klippe, Kippe in den Mundwinkel und gucken. Sonst nichts. Die Ruhe (weil menschenleer) und das Meerrauschen lassen auch das härteste "Ich-kann-mein-Hirn-nie-abschalten"-Gemüt entspannen. Eine kleine Warnung vorweg: Wenn man einen Bus irgendwohin zurücknehmen möchte, sollte man sich einen Wecker stellen. Man kann auf diesem Fleckchen vor dem Wasser nämlich Stunden verbringen lassen, ohne, dass man merkt, dass die Sonne schon untergegangen ist.
Zusätzlich sollte noch gesagt sein, dass man am Besten nicht einfach so über irgendwelche Felder laufen sollte. Auch trotz der Gastfreundlichkeit findet man des Öfteren den ein oder anderen Bauern, der sein Land gerne mit der geladenen Schrotflinte gegen Störenfriede schützen möchte. Aber sonst sind die Iren vollkommen friedfertig. Außer sie haben fünf Pint Guinness getrunken. Oder man macht ihre Freundin/ Frau an. Oder pinkelt ihnen in die Einfahrt (zu meiner Verteidigung: manch eine Einfahrt ist nicht als solche zu erkennen, da die dazugehörigen Häuser hinter tausend Büschen versteckt sind).

Die Lebensfreude
und das Bier
Eine Stadt, die man unbedingt gesehen haben sollte, ist Galway, auch als die Künstlerstadt bekannt (Für alle, die kein Geld mehr haben und sich Studiengebühren eh nicht leisten können: In Irland muss man als Künstler keine Steuern zahlen). Dort reihen sich rote an blaue Häuser, Café an Kneipe, Goldschmied an Antiquitätenhändler, Blumenladen an Second-Hand-Boutiquen, Restaurant an Galerie und leider mittlerweile auch Einkaufszentrum an Einkaufszentrum. Letzteres ist nicht so schön, wer aber ein Auge zudrücken kann, der/ die wird hier seine helle Freude haben.
Die Preise in Restaurants sind zwar nicht gerade besucherfreundlich, dafür bekommt man auf dem sams-täglichen Markt alles, was das Herz begehrt zu erschwinglichen Preisen. Einfach für eine Woche Essen einkaufen und im B&B oder Youth Hostel bunkern. Dann kann (fast) nichts mehr schief gehen (außer man hat Mäuse im Zimmer – aber die sind handzahm).
Ist dies getan, kann man die Tage damit füllen von Schaufenster zu Schaufenster zu schlendern und sich die Nase platt zu drücken, am Fluss entlang spazieren, alte Häuserruinen photographieren, auf der Wies sitzen und dem Gitarrenspieler zuhören (es findet sich eigentlich immer jemand, der/ die eine Gitarre dabei hat, schließlich sind die Iren ein Musikervolk und nicht scheu, dies auch zu zeigen), sich bunte Zöpfe flechten lassen, literweise original heiße Schokolade trinken (in Galway gibt es ein Café, welches aus "echter" Schokolade, sprich Tafelschokolade, Trinkschokolade zu bereitet – Vorsicht: Suchgefahr) und zu guter Letzt, sich in der Sonne rekeln.

Aller Abschied ist schwer
Natürlich gibt es noch berühmte Orte, die JedeR auch noch sehen möchte: die Cliffs of Moher, den Dolmen, die zig Heiligenstätte, Boyle Abbey, das Donegal Castle, verschiedenste Friedhöfe (tolle Grabsteine!), den Knock Shrine, usw. Aber dafür eignet sich ein Irland-Reiseführer dann doch mehr. Es gibt so viele Sehenswürdigkeiten, die man sich anschauen sollte, dass man sie hier gar nicht mehr aufführen könnte. Und wer alles Schöne in Irland entdecken möchte, dem sei ans Herz gelegt, sich seine Semesterferien dafür auszusuchen. Eine Woche oder zwei reichen definitiv nicht aus. Zumal, wenn man ganz Irland und nicht nur das hier erwähnte Westirland sehen will. Vom Norden sei jedoch auf jeden Fall abgeraten. Im Gegensatz zu den Iren und ihren Streitigkeiten im Norden ist der Bauer mit der Schrotflinte nämlich geradezu reizend.




Für alle Neugierigen:
www.discoverireland.com/

m aw

#723- Urlaubsgefühlsverlängerungsmaßnahmen Nach dem Urlaub

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Die schönste Zeit des Jahres ist für viele die Spargelzeit oder der Karneval oder die Zeit, die nicht die Sommerpause in der Bundesliga ist. Gemeinhin wird aber angenommen, dass es sich bei der Urlaubszeit um die schönste Zeit des Jahres handele. Um diese Zeit möglichst lange genießen zu können, greifen viele Urlauber zu Hilfsmitteln, die ihnen dieses Urlaubsgefühl verlängern sollen.

So kann man die ledergesichtigen Spanienurlauber in der Nachsaison "beim Spanier" oder auch "bei Manolo" (dies: Spanienurlauberjargon; gemeint ist: spanisches Restaurant um die Ecke und der Wirt ebenjenes Gastronomiebetriebs) erleben. Munter bestellen sie eine Runde Tapas nach der anderen und stoßen fröhlich und laut klirrend mit ihren Gläsern randvoll mit Rioja-Weinen an. Es geht hoch her, und der Wirt dieses Lokals hat schon lange erkannt, dass er gut daran tut, den fröhlichen Südländer zu geben, der auch schon Mal mit der Flasche Ossborne Veterano an den Tisch eines beliebigen Kegelklubs kommt um eine Runde auszugeben. Diese südländische Mentalität des sogenannten Fünfe-gerade-sein-lassen-Könnens gepaart mit einer "unglaublichen Gastfreundschaft" wird von den Besuchern solcher Lokalitäten erwartet und man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, dass es eben diese Mentalität ist, die den Laden "des Spaniers" Abend für Abend mit Leuten füllt, die ihre Hemden zu weit aufknöpfen. Das gleiche kann auch für "den Griechen" oder "bei Niko" (dies: Griechenlandurlauberjargon; gemeint ist: griechisches Restaurant um die Ecke und Wirt besagten Gastronomiebetriebs) gelten, nur dass der mit einer Flasche Ouzo an den Tisch des beliebigen Kegelvereins herantritt, anstatt mit Ossborne Veterano. Wichtige Ausnahme: Das Restaurant Mykonos. Hier weist ein kleiner bunter Aufkleber in Fahnenform an der Eingangstür auf die Besonderheiten der Lokalität hin. Hier kann es dem/der überraschten, weil unvorbereiteten, Griechenlandurlauberin passieren, dass sie anstatt des üblichen volksmusikalischen Syrtaki-Genudels mit den Hits der Village People oder ähnlicher polonaisetauglicher Rhythmen konfrontiert werden. Da heißt es dann die Contenance wahren und verduften oder schnell ein paar Ouzo oder Raki bechern, lächeln und nicken, wenn man allzu freundliche Schläge auf seine Schultern durch den Wirt besagter Taverne zu gewärtigen hat.

Einhundert Prozent
Bruchteile
Neben dem Aufsuchen solcher nach Landesthemen gestalteter Kneipen und Restaurants hilft auch das bunkern von sogenannten lokalen Spezialitäten bei der Konservierung/Auffrischung des Urlaubsgefühls (vulgo: Urlaubsfeeling). Besonders beliebt sind Schnäpse, aber auch süße
Leckereien tun ihren Dienst am Fernweh. Dass diese lokalen Spezialitäten zu Hause niemals so gut schmecken wie im Urlaub, kann als bekannter Gemeinplatz vorausgesetzt werden und verdient aufgrunddessen keine weitere Beachtung.
Eine bisher nicht verstandene Bewegung in der deutschen Urlaubergemeinde versucht sich des Urlaubsgefühl mittels Aufklebern auf den Hecks ihrer Automobile zu versichern. Der Klassiker schlechthin auf diesem Gebiet ist ganz sicher der Syltaufkleber. Geschätzte einhundert Prozent der Deutschen haben eine ziemlich korrekte Vorstellung von den Umrissen der Nordseeinseln Sylt, auch wenn nur ein Bruchteil dieser Menge in der Lage wäre, eine allgemeinverständliche Beschreibung dieser Silhouette anzufertigen (auch dies nur: schätzungsweise).
Doch die Syltaufkleberfraktion wird immer brüchiger. In Düsseldorf sind schon die ersten Arztfrauen dabei beobachtet worden, wie sie die Syltaufkleber vom Kofferraumdeckel ihres 1er BMWs wieder abknibbelten.
Weitere Varianten dieser nichtzuverstehenden Aufkleberbewegung sind der Ossborne-Stier des schon erwähnten Spanienurlaubers und das glitzernde Stadtwappen von Bad Münstereifel, wie man es vorzugsweise auf mit holländischen Kennzeichen versehenen Wohnwagen vorfindet. Auch die Landesflaggen verschiedener skandinavischer Länder sind als Aufkleber auf selbstausgebauten Wohnmobilen, wie sie von Spiegellesern gefahren werden, äußerst beliebt. Der durchschnittliche Floridaurlauber wird demgegenüber ein Blechnummernschild ("Florida-the sunshine state") auf der Hutablage als Brandzeichen bevorzugen.
Ob und wie das ganze dabei hilft, das Urlaubsgefühl in den sogenannten (meist auch noch: grauen) Alltag hineinzutragen, ist nicht bekannt. Dass solche Versuche unternommen werden, sei hiermit bewiesen.
Wer näheres zu diesem Thema zu erfahren wünscht, schreibe folgendes gut recherchierte Buch: "Urlaub als System–parapsychologische Untersuchungen im pauschaltouristischen Tohuwabohu".


m Benz

#722- Militanzdebatte zum G8-Gipfel Angst vor neuer RAF

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi


In weniger als zwei Wochen ist es soweit und die StaatschefInnen der acht mächtigsten Wirtschaftsnationen treffen sich in Heiligendamm zum G8-Gipfel. Auch tausende GegnerInnen des Gipfels bereiten sich auf den Gipfel vor. In Rostock haben sie für den 2. Juni eine Massendemonstration organisiert, um den G8 deutlich zu zeigen, dass ihr Treffen illegitim ist. Für die darauf folgende Woche ist ein Gegengipfel mit zahlreichen Konzerten, Workshops und Veranstaltungen geplant.

Die AktivistInnen der Kampagne "Block G8" organisieren außerdem Massenblockaden. "Wir werden die Zufahrtsstraßen zum abgelegenen Tagungsort besetzen und blockieren, die der Tross von DiplomatInnen, ÜbersetzerInnen und Versorgungsfahrzeugen passieren muss, um nach Heiligendamm zu gelangen.", erklären sie. Dieser Akt zivilen Ungehorsams ist völlig harmlos - besonders, da die negativen Folgen der auf den Gipfeltreffen diskutierten Pläne Millionen Menschen in soziale oder existenzielle Not zwingen.
Exekutionen und Knieschüsse

Der Verfassungsschutz, die Polizei sowie viele PolitikerInnen und Medien halten die G8-GegnerInnen anscheinend für höchst gefährlich. Das bevorstehende Gipfeltreffen und auch die Debatte um die Begnadigung des RAF-Mitglieds Christian Klar haben eine breite Diskussion darüber entfacht, ob linke Kräfte gewaltbereiter werden und wie militantem Protest zu begegnen ist. Die Bild Zeitung schreibt: "Im Klartext: Der Verfassungsschutz schließt Anschläge auf Politiker und Manager nicht mehr aus! In der Szene würden bereits Aktionen gegen "Handlanger und Profiteure des Systems" diskutiert ("Knieschüsse", "Exekutionen")." Heinz Fromm, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz., erklärte allerdings wenig später, Spekulationen über einen neuen RAF-Terrorismus seien "völlig gegenstandslos". Vielmehr habe er "ein paar sehr zugespitzte Überschriften" in der Presse gelesen. Trotzdem hat die Bundesanwaltschaft angeordnet, einen Monat vor den Protesten gegen G8 die Wohnungen und Büros von Menschen durchsuchen zu lassen, die gegen den Gipfel demonstrieren wollen. Insgesamt 900 BeamtInnen waren während der Razzia im Einsatz. Die Bundesanwaltschaft wollte "offenbar die Daumenschrauben anziehen, um dem Gipfel ein ruhiges Hinterland zu bescheren", erklärten SprecherInnen der Linksfraktion. Nach der Razzia gab es in vielen Städten Protestaktionen gegen die Durchsuchungen, die vor allem dem Zweck dienten, DemonstrantInnen von Heiligendamm fernzuhalten.

Peilsender und Brandanschläge

Nach der Razzia fand ein Aktivist einen GPS-Peilsender an seinem Auto. Der Berliner ist im Autorenkollektiv "AG Grauwacke" aktiv und angeblich an der "Militanten Kampagne zum Weltwirtschaftsgipfel" beteiligt. Nachweisen konnte ihm die Polizei bisher nichts. "Ich sehe es als ein Zeichen leiser Verzweiflung der Verfolgungsbehörden an, wenn sie meinen, durch Satellitenpeilung der geheimen Verschwörung zum Schreiben eines Buches auf die Spur kommen zu müssen." Am 15. Mai haben drei Menschen einen Brandanschlag auf ein Berliner Gebäude des CDU-nahen Studentenverbands RCDS verübt. Obwohl von einem Bekennerschreiben nichts bekannt ist, in dem ein Zusammenhang zwischen der Tat und den Protesten gegen die G8 klar wird, stellt der RCDS diesen Zusammenhang her. "Die angeblich friedliche Protestbewegung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm wirft rußige Schatten voraus.", meint der Bundesvorsitzende des RCDS Matthias Kutsch. Die "linksradikale Szene instrumentalisiert das Großereignis in Heiligendamm für eine umfangreiche Neustrukturierung", behauptet er. Darunter fallen für ihn nicht nur Gruppen, die sich zu militanten Aktionsformen bekennen. Auch den jüngst gegründeten Linkspartei-nahen Studierendenverband Die Linke.SDS sowie den neuen Jugendverband Linksjugend [‘solid] hält er für gefährlich. "Die Programmschriften beider sind das Werk geistiger Brandstifter.", findet Kutsch. Kutsch stört sich anscheinend an dem Anspruch von jungen, linkspolitisch organisierten AktivistInnen, die Gesellschaft durch die Beteiligung an sozialen Bewegungen verändern zu wollen. Dass sowohl die beiden Verbände der neuen Linken als auch die große Überzahl der G8-GegnerInnen, unter denen sich etwa die Grüne Jugend, attac und viele linke Hochschullisten befinden, einfach nur friedlich ein Zeichen gegen die Illegitimität des Gipfeltreffens setzen wollen, stört ihn und andere Konservative wenig. Mindestens bis zum G8-Gipfel wird die Debatte also weitergehen.

Sarah Nagel
Bundessprecherin des
Jugendverbands Linksjugend [‘solid]

#722- Symbol der Unterdrückung? Das Kopftuch

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Auch wenn es niemand offen zugibt, vielen ging schon einmal dieser Gedanke durch den Kopf, als er/sie eine muslimische Frau mit Kopftuch gesehen hat: "Diese arme, unterdrückte Frau." Aber was steckt eigentlich wirklich dahinter?

An der Ruhr-Uni studieren einige Frauen, die ein Kopftuch tragen und sich keinesfalls als unterdrückt ansehen. Bei einer Diskussion über dieses Thema äußerte sich eine dieser Frauen wiefolgt: "Mein Kopftuch ist Zeichen meines Glaubens und steht nicht für Unterdrückung."
Wir alle erinnern uns an den Prozess gegen die muslimische Lehrerin Fereshta Ludin im Jahr 2003, der dazu führte, dass sie im Unterricht kein Kopftuch mehr tragen durfte.
Da in Deutschland viele Kulturen aufeinander treffen, kommt es auch immer wieder zum Aufeinandertreffen verschiedener Weltanschauungen.
Das Beispiel des Kopftuches zeigt dies sehr deutlich: Während Muslime und somit auch viele muslimische Frauen das Kopftuch als Symbol ihrer Religion sehen, nehmen viele Deutsche, vor allem auch ChristInnen, es als Zeichen der Unterdrückung der Frau wahr.

Das Symbol der Unterdrückung

So sagte der bayrische Landbischof Johannes Friedrich im November 2004, dass er das Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und vor allem an Schulen begrüße, da es für die Unterdrückung der Frau stehe. Eine Lehrerin müsse, so sagt er, den Schülern vermitteln, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Dabei, meint er, sei das Tragen eines Kopftuches hinderlich. Weiter sagt er allerdings auch, dass er nicht für ein allgemeines Kopftuchverbot sei, da ein solches gegen die Religionsfreiheit verstieße.

Ein Neutralisierungsgesetz sollte nun zu der Gleichberechtigung der Religionen führen. Dieses besagt, dass im öffentlichen Dienst keine religiösen Symbole, wie zum Beispiel auch Kreuz oder Kippa, mehr getragen werden dürfen. Die Ausnahme hierbei bilden Berufsschulen, LehrerInnen im Religionsunterricht und freie Schulen. Dieses Neutralisierungsgesetz war und ist sehr umstritten, jedoch auf Grund der in den Menschenrechten festgelegten Religionsfreiheit und Gleichheit absolut legitim.

Gegen Diskriminierung

Islamische Organisationen in Deutschland stellten zu dem Verlauf des Kopftuchstreits eine gemeinsame Erklärung auf, in der vor allem darauf hingewiesen wird, dass der Staat sich zwar nicht für oder gegen eine Religion engagieren darf, andererseits aber das Tragen eines Kopftuches auch nicht darüber entscheidet, ob ein Mensch zum Islam gehört.
Allerdings sollte nach dieser Erklärung auch jeder Frau frei gestellt sein ein Kopftuch zu tragen, und keine Frau sollte wegen des Tragens aber auch wegen des Nicht-Tragens eines Kopftuches diskriminiert werden.
Zusammenfassen lässt sich dies damit, dass die islamischen Organisationen in Deutschland die Entscheidungen der Regierung nicht unterstützen, jedoch einräumen, dass es keine Bedingung ist, ein Kopftuch zu tragen, um sich dem Islam zugehörig fühlen zu dürfen.
Für die Frauen allerdings, die aus Überzeugung heraus ein Kopftuch tragen, ist nicht nur der Glaube wichtig. Sie sehen das Kopftuch als Möglichkeit, nicht nur nach ihrem Äußeren beurteilt zu werden. Somit, so sagen sie, schützt es sie vielmehr vor Unterdrückung, als dass es als Symbol für diese stehen könne.
Ob das Kopftuch nun für die Unterdrückung der Frau steht, oder lediglich ein Ausdruck des eigenen Glaubens ist, sollte allerdings nie generalisierend beantwortet werden, da es für beide Seiten Beispiele gibt.



jst

#721- Bildung für alle und die Gruppe der Acht (G8) Die Agenda der G8

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi


Die G8 bemühen sich immer wieder um das Image tatkräftiger Löser von Menschheitsproblemen wie dem Klimawandel oder der Unterentwicklung und Verschuldung der Länder der Dritten Welt. Entsprechende Initiativen und Ziele werden gerne vollmundig der Öffentlichkeit mitgeteilt. Im Rahmen der Gipfel-Treffens in Okinawa verpflichteten sich die G8 zur verstärkten Unterstützung der UNESCO-Initiative "Education for all" und auf das Ziel, bis 2015 möge jeder Mensch Zugang zu Grundbildung haben. Doch was ist von dieser Verpflichtung zu halten? Wollen die G8 Bildung für alle?

Konkreter wurden die G8 , in der 1999 verabschiedeten Köln-Charta. Bildung wird in der Charta weniger als Erwerb der Befähigung zu Demokratie und Selbstbestimmung als Ausbildung für die "Wirtschaft" und Eingliederung in die Gesellschaft mit der bestehenden Ordnung gesehen. Diese Sichtweise ist für Regierungen gewiss nicht unüblich, sie darf jedoch nicht vergessen werden, wenn man die Versprechungen der G8 realistisch einschätzen will. Im Rahmen dieser Schwerpunktsetzung der Köln-Charta erhalten zum Beispiel auch verheißungsvolle Begriffe wie "lebenslanges Lernen", "Bildung für alle" und "kostenfreie Grundbildung" einen bitteren Beigeschmack, zumal sie mit Privatisierung, Humankapital, und "Bildungsmarkt" in einem Atemzug genannt werden.

Auf nach Heiligendamm!

Auch der Ruf der G8 nach kostenfreie Grundbildung ist keine Wohltätigkeit, sondern vorrangig Mittel zum Zweck: "Wirtschaftlicher und sozialer Wohlstand" im Sinne der Industriestaaten im 21.Jahrhundert hängen davon ab, dass diese möglichst alle Mitglieder ihrer Gesellschaften mit einer entsprechende Bildung auf eine Verwendung als geeignete Arbeitskräfte vorbereiten. Und da ist es vorteilhaft, wenn staatliche und betriebliche Ausbildungsstätten aus einem möglichst großen Pool von entsprechende vorgebildeten KandidatInnen schöpfen können. Dementsprechend wird Bildung zur hochrentablen Investition in die Zukunft der eigenen Zukunft degradiert. Eine Investition, deren Gewinnaussichten transparent sein müssen. Die G8-Forderung nach fortgesetzten Entwicklung und Vervollkommnung international anerkannter Tests zur vergleichenden Beurteilung von Lernergebnissen soll beitragen zur Umwandlung von Bildung in eine marktfähige "Ware".
Solche Beschlüsse bleiben nicht folgenlos. In den internationalen Organisationen geht nichts gegen den Willen der G8. Da ist es keine leere Drohung, wenn der WTO-Gründungsgeneraldirektor Peter Sutherland fordert, "die Verantwortung für die Ausbildung ein für allemal der Industrie unterstellt werden muss". Vielmehr wird klar, in welche Richtung der Dampfer steuert. Die öffentliche Hand soll sich auf die Vermittlung von Grundbildung für möglichst alle zurückziehen und in die höhere Bildung vorrangig durch "Anreize" eingreifen. Und sie ansonsten den Unternehmen zur Ausgestaltung und Vermarktung überlassen. Der globale Bildungsmarkt hat, einmal privatisiert, ein Volumen von 2.200.000.000.000 US-Dollar pro Jahr. Wer Bildung als Investition sieht, will folgerichtig, dass sie auch bezahlt werden muss Wer nicht zahlen will und Bildung nicht als Ware sieht, ist gut beraten, sich in die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm einzubringen. Bildung kann weder ge- noch verkauft werden, sie muss angeeignet werden, durch Lernen und Reflektion. Eine andere Welt ist möglich, Bildung als Ware ist unmöglich. Teilen wir´s den G8 massenhaft und lautstark mit.

Susanne Schäfer
attac campus bochum