#729- Die Würfel sind noch nicht gefallen

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Das Gymnasium am Ostring soll wegen sinkender Schülerzahlen mit dem Albert-Einstein-Gymnasium zusammengelegt werden. Schülerinnen und Schüler, prominente Absolventen und Politiker liefern sich seit Wochen einen Schlagabtausch zur Schließung des Gymnasium am Ostring.

 In den nächsten Jahren wird sich in Bochum einiges ändern: Weil das Justizgebäude am Husemannplatz mit dem giftigen Stoff PCB belastet ist, werden die Mitarbeitenden umziehen. Für alle Justizabteilungen, die jetzt in der ganzen Stadt verteilt sind, wird ein gemeinsames Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Brauerei Fiege am Nordbahnhof gebaut. Was diesen Umzug angeht, sind sich auch alle relativ einig. Auf dem jetzigen Justizgelände soll ein neues Einkaufszentrum gebaut werden, in das Geschäfte einziehen sollen, die es bisher "gar nicht oder nicht genügend gibt." Und da fangen die Probleme an. Denn einige Politikerinnen und Politiker des Bochumer Stadtrats wollen, dass auch das Gelände des Gymnasiums am Ostring für das Einkaufszentrum genutzt wird. Das Gymnasium soll mit dem Albert-Einstein-Gymnasium zusammen gelegt werden. Dafür gibt es laut dem Leiter des Schulverwaltungsamts, Ulrich Wicking, und Stadtbaurat Ernst Kratzsch auch noch andere Gründe. "Ab 2010 entwickeln sich die Schülerzahlen - wenn auch zunächst nur leicht - nach unten." Weil das Abitur ab dem Jahr 2013 nach zwölf Jahren abgelegt wird, "verlieren die Gymnasien in den nächsten sechs Jahren deutlich mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler." Deshalb sollen zwei von elf Bochumer Gymnasien vereinigt werden. Die Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Ehemaligen wehren sich gegen diese Zusammenlegung, weil sie um die Identität der althumanistischen Schule fürchten. Drei prominente Absolventinnen und Absolventen des Gymnasiums haben sich öffentlich gegen die Schließung ausgesprochen. "Das Gymnasium am Ostring ist nicht nur das älteste Bochumer Gymnasium, sondern es bietet als einzige Bochumer Schule ein spezielles Ausbildungsprogramm zusammen mit altsprachlichen Fächern an, die einen bevorzugten Standort in der Innentstadt nicht nur verdienen, sondern geradezu brauchen.", erklärten
CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Professor Dietrich Grönemeyer und der Bochumer Autor Frank Goosen. Die "Promi-Argumente überzeugen nicht", meinen dagegen die Grünen, die mit neun Sitzen im Stadtrat vertreten sind. Sie sind für die Vereinigung der Schulen am neuen Standort Wiemelhausen. "Wieso sollte man denn in Wiemelhausen kein Latein oder Altgriechisch unterrichten können? Die Schule selbst bestimmt ihr Profil.", sagen sie. Auch das Argument, der Schulweg für die Schülerinnen und Schüler würde zu lang werden, finden sie falsch: "Die U35 fährt morgens alle fünf Minuten vom Hauptbahnhof zum Waldring. Die Strecke von der Haltestelle zum Schulzentrum ist gerade einmal 150 Meter länger als der Weg vom Hauptbahnhof zum Gymnasium am Ostring. Der Schulweg wird also höchstens fünf bis zehn Minuten länger." Uwe Vorberg, der für DIE LINKE. im Rat sitzt, wünscht sich "das in den nächsten Wochen eine sachliche Diskussion stattfindet, an deren Ende für alle ein positives Ergebnis steht. Dazu gehört für uns unabdingbar der Erhalt des breiten Bildungsangebots in Bochum." Auch die Schülerinnen und Schüler sind unterschiedlicher Meinung. "Gemeinsam schaffen wir es", glauben Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums, die nicht umziehen müssen und für die Zusammenlegung demonstriert haben. Am selben Tag haben die Schüler des Gymnasiums am Ostring eine Demontration gegen die Fusion organisiert - sie befürchten, dass die Zusammenlegung beider Gymnasien faktisch doch die Schließung ihrer Schule bedeutet.
sjn

#729- 0:0 gegen Irland bedeutet die Welt

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0:0 gegen Irland bedeutet die Welt


Erst sind wir Papst, dann zum zweiten Mal Weltmeisterin und jetzt werden wir auch noch Österreich und die Schweiz überrollen. Mit einem Lederball zumindest. Glaubt man den Lobeshymnen über die deutsche Nationalmannschaft, dann bedeutet ein 0:0 gegen Irland inzwischen die Welt - ganz bestimmt aber den EM-Titel. Eine Tirade wider die schwarz-weiß(-malend)en Jubelorgien.

Theo Zwanziger ist "stolz auf diese Nationalmannschaft". Oliver Bierhoff weiß nicht, "wann wir zuletzt so souverän waren". Harald Schmidt weiß tatsächlich "nicht, was ich sagen soll". Und hätte man Eva Hermann gefragt, der Grundstein für den deutschen Durchmarsch wäre garantiert - aber lassen wir das. Fußball-Deutschland darf mal wieder patriotisch aufflammen. Schön das. Die Weltmeisterin entdeckt ihre Männer zurück. Denn, auch ein Beckenbauer-Zitat darf nicht fehlen, "wir fahren mit einem Riesen-Vorsprung zur EM".
Dabei bleibt allerdings nicht nur die Frage offen, ob jemand dem Kaiser erklärt, dass es leider keine Boni für die vorzeitige Qualifikation bei Nationenturnieren gibt. Auch wenn Kritiker im Freudentaumel sich meist der Gefahr hingeben, als Zwangsindividualist zu gelten, darf hoffentlich der objektive Versuch einer kleinen Analyse geprobt werden. Was war eigentlich los da in Dublin? Was verursachte diesen kollektiven Endorphinrausch im Blätterwald? Bösartig, wer unterstellte, die sonst so bärbeißige Kommentatorenschar hätte erst vier Pints geleert, um danach Kreide zu fressen - aber was sonst steckt hinter der Hochkonjunktur für rosarote Brillen?!
Fangen wir von hinten an. Da war‘s nämlich toll. Torwartprobleme kennt Deutschlands Fußball wahrlich nicht - obwohl "wir" (immer wieder ein wohliger Schauer, dieses pathetischen Personalpronomina für "meine" Elf) uns das im Vorfeld fast von Arsene Wenger oder FC Valencia-Fans haben einreden lassen. Aber "unser" Keeper Jense hat‘s allen gezeigt. Doof war nur - heute kein Lob ohne Einschränkung - die gelbe Karte am Ende. "Wenn ich den Schiri gebeten hätte, sie wegzulassen, hätte er‘s sich überlegt", bellte Lehmann am Ende ins Mikrofon. Es grenzte schon fast an Kahn‘sche Blöd... äh Sturheit, dies auszuschlagen und sich stattdessen ins Schicksal "Sperre" zu ergeben. Vor ihm gab‘s auch wenig Tadel - Mertesacker und Metzelder sind eine Bank. Die Null stand gegen angriffslahme Iren. Was aber stellen Holland, Italien oder die starken Schweden mit Werders Vorstopper und Reals Edelreservisten an? Soviel Skepsis sei erlaubt - Irlands Sturm-Opa Robbie Keane ist dafür einfach kein Gradmesser.
Defensivblock aus Mitläufern
Dagegen sollte deren Defensivblock aus Premier-League-Mitläufern durchaus selbiger für die deutschen Angriffsbemühungen sein. Ja, klar - "wir" brauchten nur ‚nen Punkt, logisch. Aber ‚ne "Schmach von Cordoba" war das doch wohl auch nicht, oder? Also. Unverblümt hingeschaut kam absolut kein Offensivdrang über die Außen, schon Friedrich und Jansen hätten dafür aus der Abwehr heraus Zeit genug gehabt, waren sie doch gnadenlos unterbeschäftigt. Dieses Defizit, bei Europas Topteams wie Chelsea oder Real Grundpfeiler schneller Tempo-Gegenstöße, zieht sich seit Jahrzehnten als Schwachpunkt durch das deutsche Spiel. Fritz und Trochowski - da muss ich meinem ewig revisionierenden Großvater Recht geben - wären in den 70ern wohl kaum Nationalspieler geworden - am Samstag zeigten sie, warum. Mein Trainer sagte immer, ich soll dem Ball entgegen gehen, wenn mir jemand einen Pass zuspielt - warum eigentlich, diese Auswahlspieler tun‘s doch auch nicht. Zuletzt Kuranyi und vor allem Gomez: So handzahme Spitzen hatte die deutsche Nationalmannschaft selten - gottseidank natürlich auch nicht in der sonstigen Qualifikation, das sei zugestanden.
Von wegen souveräner Vorsprung... Schweden und Kroatien haben zumindest eine ähnlich souveräne Quali gespielt - keiner zählt die aber zum Favoritenkreis. Und wer jetzt wagt, mich "Netzer" zu schimpfen, dem zeig‘ ich meine linke Klebe.
bp

#729- Kaffeeservice und Bügelbrett

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Kaffeeservice und Bügelbrett

Anders als die Männer sind die Frauen Fußballweltmeisterinnen geworden. Vom Fußball leben können die meisten von ihnen trotzdem nicht.

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft ist die erste, die ihren Weltmeistertitel verteidigen konnte. Nachdem sie im Jahr 2003 die WM in den USA gewonnen hatte, hat sie die diesjährige Weltmeisterschaft in China sogar ohne Gegentore bestritten. Abgesehen davon, dass der Rummel um die diesjährige WM der Frauen nicht annähernd so groß war die jener um die WM im letzten Jahr – was manch einer sicher ganz angenehm fand – können die Sportlerinnen trotz hervorragender Leistungen nicht vom Fußball leben. Auch in der Bundesliga ist der Kontrast zwischen den Gehältern von Männern und Frauen deutlich: Während etwa Luca Toni jährlich 11 Millionen Euro von seinem Verein FC Bayern München bekommt und sein Teamkollege Frank Ribery 10 Millionen, verdienen die meisten Spielerinnen ein dreistelliges Monatsgehalt. Finanziell hat sich der Weltmeistertitel mit 50.000 Euro Siegprämie für jede auch für die Frauennationalelf gelohnt. Beim letzten WM-Sieg waren es nur 15.000 Euro. Hätten die Männer im letzten Jahr gewonnen, wäre allerdings jeder Spieler um 300.000 Euro reicher geworden. "Das Gehalt einer Bundesligaspielerin und zusätzliche Einnahmen durch Sponsoren oder Geld von der Sportförderung langt gerade so zum Leben. Zum Sparen und Vorsorgetreffen bleibt da aber nichts übrig.", erklärte Nadine Bieneck, Pressesprecherin des Frauen-Bundesligateams Turbine Potsdam. Die Spielerinnen des HSV Hamburg verdienen monatlich zwischen 150 und 1500 Euro und trainieren viermal pro Woche, dazu kommen die Turniere am Wochenende. Drei der Fußballerinnen sind nebenher berufstätig, die anderen studieren oder gehen zur Schule – damit es für sie noch irgendwie zum Leben reicht, vermittelt der HSV-Sponsor Randstadt ihnen Mini-Jobs. Bei den Spielerinnen der Nationalmannschaft sieht es ähnlich aus.
Sandra Smisek ist ausgebildete Bürokauffrau und arbeitet mittlerweile bei der Polizei, Ariane Hingst ist gelernte Bankkauffrau und hat eine Umschulung zur Physiotherapeutin gemacht, Birgit Prinz studiert Psychologie, Annike Krahn studiert Sport an der Ruhr-Universität und Kerstin Garefrekes hat bis vor Kurzem in der Stadtverwaltung gearbeitet, bis sie nach Frankfurt wechselte und dort jetzt Public Management studiert.
Prekärer als die finanzielle Lage der deutschen Spielerinnen ist allerdings die der Brasilianerinnen, die im WM-Endspiel unterlagen. "Brasilien, wir brauchen Unterstützung", hatten sie auf ein Plakat geschrieben, dass sie mit zur Siegerinnenehrung brachten. Aline, die Kapitänin des Teams, verdient nur 100 Euro monatlich und hat aber kaum Zeit, neben dem Sport zu arbeiten.

"Einige unserer Nationalspielerinnen sind fast Arbeitslose, die nicht einmal Gehalt, sondern eine Kostenhilfe bekommen."

Die brasilianischen Fußballerinnen haben jetzt Angst, dass ihre Leistung schnell vergessen wird, weil sie die WM nicht gewonnen haben – und sie weiterhin nicht gefördert werden. Insgesamt haben sich die Frauen im Fußball aber schon viel erkämpft. Bis zum Jahr 1982 war Frauenfußball in Brasilien noch verboten. In Deutschland hob der DFB das Verbot 1970 wieder auf. Und als die Frauen 1989 die Europameisterschaft gewannen, bekamen sie als Siegprämie ein Kaffeeservice und ein Bügelbrett. Das machte die Diskriminierung doppelt klar. Obwohl die Erhöhung der Siegprämie zwischen 2003 und 2007 zeigt, dass die Frauen gegenüber den Männern aufholen, je erfolgreicher sie sind und je beliebter Frauenfußball wird – also auch, je mehr Geld damit zu verdienen ist – zeigt das Beispiel Sport nur auf, wie Frauen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Denn nicht nur die Spielerinnen der Nationalmannschaft verdienen bei gleicher Leistung wesentlich weniger als ihre männlichen Kollegen, sondern durchschnittlich alle anderen berufstätigen Frauen in Deutschland.


sjn

#728- Der Iran und sein Atomprogramm

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Der Iran und sein Atomprogramm
Hypocrisy and HEU
Über das iranische Atom-Programm haben wir in den letzten Monaten und Jahren ja schon so einiges gehört. Das meiste davon natürlich negativ, ganz im Sinne der Angst vor der "islamischen Bombe". Die interessante Frage, inwieweit sich eine "islamische" von einer "demokratischen" Bombe unterscheidet, auf die bekanntlich auch die Bundesregierung nicht verzichten will, wird dabei im Allgemeinen nicht gestellt. Glücklicherweise gibt es für solche Situationen ja die bsz, wir liefern nicht nur die Frage, sondern gleich auch die Antwort: gar nicht.

Aber, wie es sich gehört, der Reihe nach. Eine direkte Verbindung zwischen dem iranischen Atomprogramm, also dem Bestreben des Iran, Kernenergie neben Öl und Gas zur Energieversorgung des Landes zu Nutzen, und dem Wunsch des Iran, Atomwaffen zu besitzen gibt es nicht. Das wird nur gerne behauptet; die iranische Regierung, inklusive geistlicher Führung, weist dies immer weit von sich. Passend dazu liegt der Beginn der iranischen Ambitionen auch Jahrzehnte vor der Islamischen Revolution von 1979. Bereits unter dem Schah in den 50er Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, das die Öl- und Gasvorräte zum Einen nicht ewig halten werden, und es zum Anderen besser wäre, den Krams zu verkaufen oder zu Chemikalien weiterzuverarbeiten, als es zur Energiegewinnung zu verbrennen. Dazu noch die Tatsache, dass der Iran auch eigene Uran-Vorkommen sein Eigen nennt, gepaart mit dem Wunsch, dem nationalen Ego zu schmeicheln und auf der internationalen Bühne als moderne Industrienation zu erscheinen, führt dann ganz schnell zu einer Bestellung bei der deutschen Kraftwerk Union.

Allah ist groß,
Allah ist mächtig…
Das Ende der Terrorherrschaft des vom Westen eingesetzten und unterstützen Schahs von Persien, in dessen Nachfolge es zur Terrorherrschaft des vom Westen verhassten und bekämpften Mullah-Regimes kam, setzte den iranischen Ambitionen erst einmal ein vorzeitiges Ende. Als die neue iranische Führung es einige Jahre später, völlig legal und in Übereinstimmung mit ihren internationalen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag, wieder aufnehmen wollte, verhinderte amerikanischer Druck die angeforderte internationale Unterstützung. Seitdem versucht die iranische Atombehörde mit Entwicklungen im eigenen Land und Einkäufen im befreundeten Ausland technisch zu den anderen Atommächten aufzuholen.
Es ist diese Entwicklung, die den Iran langsam aber sicher an eine Stelle bringt (einheimische Industrie, inkl. Brennstoffkreislauf), an der ein ziviles Atomprogramm fast zwangsläufig die Möglichkeit eines militärischen Programms mit sich bringt.
Anders als zum Beispiel beim bundesdeutschen Programm, begonnen unter Adenauer und seinem Atomminister Strauß, war die militärische Option allerdings anscheinend nicht von Anfang an mitgedacht. Die internationale Atomenergiebehörde IAEO kann heute auch nicht ausschließen, dass der Iran ein militärisches Programm verfolgt oder verfolgen könnte, eine Einschätzung, die so auch für Dutzende andere Länder gilt (z.B. Japan, Brasilien, Südafrika, etc.).

Irak, Iran und Nordkorea
Es ist die politische Situation im Iran und die geopolitische Situation im Nahen Osten und Zentralasien, die militärischen, religiösen und sonstigen Hardlinern im Iran eine eigene Bombe unter Umständen so attraktiv erscheinen lässt. Dass Nordkorea dank seiner nuklearen Fähigkeiten anders behandelt wird als zum Beispiel Irak oder Iran ist dabei nur der eine Punkt. Zu großen Teilen einfach aufgrund seiner aggressiven Außenpolitik hat der Iran nun mal Feinde im In- und Ausland, an erster Stelle natürlich die nuklear bewaffneten Verbündeten USA und Israel. Amerikanische Flotten kreuzen im Süden des Iran im Persischen Golf, im Westen liegt Israel, im Norden finden sich russische und im Osten pakistanische Atomwaffen.
All dies ist offensichtlich für interessierte Kreise innerhalb des Iran Begründung genug, eine eigene Bombe anzustreben, eine Politik, für die es bis zum heutigen Tage allerdings allerhöchstens Anzeichen gibt, keinerlei Beweise.
Dem Iran die friedliche Nutzung der Atomkraft zu verweigern, im Gegensatz zu anderen Ländern, denen es, auf derselben Rechtsgrundlage (Atomwaffensperrvertrag) erlaubt und ermöglicht wird, muss dann auch auf weniger festen Boden ausweichen: Wir mögen den Iran halt nicht.
Als Fazit lässt sich also festhalten, dass die Islamische Republik Iran dasselbe Recht auf die Nutzung der Atomkraft hat, wie jedes andere Land auch. Gar keins.



m dek

#728- Jubiläen

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Jubiläen
Folge eins: 1125 Jahre Querenburg
Für die Liebhaber unberührter Landschaften und vorzeigbarer Architektur gibt es beiderseits gute Nachrichten: Es gab eine Zeit, da war das Gebiet, auf dem heute die Ruhr-Uni steht, noch nicht bebaut, sondern eine unberührte Auenlandschaft. Dieser Zeitpunkt liegt naturgemäß ein ganzes Stück in der Vergangenheit. Vor 1125 Jahren war Querenburg noch ein natürliches Idyll. Außer kopulierendem Wild und kreischenden Vögeln gab es nichts, das die Ruhe eines Wanderers gestört hätte. Anders heute: Horden von angehenden Bacheloretten und Bacheloren trampeln über lose Waschbetonplatten und erschrecken sich selbst und ihre Mitmenschen mit solchem Lärm. Wie konnte es dazu kommen?

Vor 1125 Jahren war es Bruder Eusebius vom Orden der Karmeliter, der auf der Suche nach geeigneten Plätzen für ein neu zu gründendes Kloster die Länder durchstreifte. Wie er ausgerechnet auf die Idee kommen konnte, die Querenburger Höhe sei ein geeigneter Ort für dieses Unterfangen, ist nicht bekannt. Der Überlieferung zufolge handelte es sich beim Ankunftsjahr aber um ein besonders heißes Jahr, da Eusebius beschloss, die mitgebrachten Weinrebensetzlinge in die Uferböschung der Ruhr zu pflanzen. Die Hoffnung auf taugliche Trauben wurde naturgemäß bitter enttäuscht. Auch heute zählt das südliche Ruhrgebiet weiß Gott nicht zu den Spitzenweinanbaugebieten dieser Erde, und von Steilhanglagen ist auch weit und breit keine Spur zu finden. Aber zum Glück kam schon 21 Jahre später ein lustiger Franziskanermönch des Weges, der praktischerweise auch ein Rezept für Bier unter seiner Tonsur mit sich führte. Das nach alter Tradition gebraute "Querenburger Klosterbier" kann auch heute noch in der Klosterschänke genossen werden.
Aber nicht nur der mittelalterliche Klerus fand Gefallen an den malerischen Auenlandschaften im Ruhrtal. Graf Fridolin von Böhnemeier, von seinen Zeitgenossen allgemein als ruchloser Raufbold verschrieen, zeigte in Querenburg seine romantische Ader und errichtete ein schmuckes Wasserschlösschen für sich und seine Frau Brunhilde. Das Schloss wurde leider im dreißigjährigen Krieg von schwedischen Landsknechten geplündert und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Als es dann von Alfred Krupp wieder aufgebaut wurde, hatte dieser nicht lange Freude an seiner Immobilie: Amerikanische Tiefflieger zerbombten das böhnemeiersche Schlösschen in mehreren Angriffswellen. Seitdem ist auch kein neuer Versuch gemacht worden, das Schloss wieder herzurichten.
Allerdings gibt es einen Wiederaufbaufond, der sich unermüdlich für den Wiederaufbau des Querenburger Wasserschlösschens einsetzt. Und so wird es auf dem großen Querenburger Stadtteilfest auch wieder eine Tombola geben, deren Erlöse der Restauration des böhnemeierschen Gemäuers zugute kommen sollen. Gerüchten zufolge soll sich sogar Rektor Elmar Weiler dazu bereit erklärt haben, einen Preis für die Tombola beizusteuern: Tolle T-shirts mit dem Aufdruck Elite-Student. Was allerdings beispielsweise ein Frührentner oder eines der zahlreichen Querenburger Kinder sozial unterprivilegierter Familien mit einem solchen Preis anfangen sollte, ist bisher nicht bekannt.
Das Querenburger Stadtteilfest ist aber auch sonst ein großer Spaß für Jung und Alt: Für Stimmung wird die Bonnie Tyler-Coverband mit dem klangvollen Namen "Willi und seine Henker" sorgen. Der Leadsänger der Band, Willi Kowalski, machte schon mal klar, was den Gast erwartet: "Wir spielen ja nicht nur Bonnie Tyler, sondern auch die alten Sachen von Scorpions oder Peter Maffay, als die noch richtig gerockt haben."
Aber nicht nur musikalisch, auch kulinarisch, wird das Querenburger Stadtteiljubiläum neue Maßstäbe setzen. Aus Bochums Partnerstadt Oviedo wird eine Gruppe von Paellaköchen erwartet. Diese kommen aus einem Dorf im Umland von Oviedo namens Villariba. Im Gepäck werden sie eine Riesenpaellapfanne mit einem Durchmesser von 4,5 Metern mitbringen. José Echeverrià , zuständig für den Reis und die Erbsen in der Pfanne, erklärte: "Wir mussten die Pfanne in zwei Teile schneiden und hier wieder zusammenschweißen, weil wir auf den französischen Autobahnen sonst nicht durch die Mautstationen gekommen wären."
Begleitet wurden José Echeverrià und Konsorten bei ihrer Tour von einem Kamerateam von SPIEGEL TV. Wer José beim Schweißen zuschauen will, sollte am 23. Oktober RTL schauen, dann wird die Odyssee der Paellaköche übertragen. Bis dahin kann man sich die Zeit mit einer Portion Paella aus der Riesenpfanne auf dem Stadtteilfest in Querenburg vertreiben oder auf sein Glück bei der Tombola hoffen.



 m Benz

#728 - bsz geht Schwimmen

am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

bsz geht Schwimmen
Neulich im Freibad
In den letzten Tagen hat uns der Klimawandel ein völlig neues Wetterphänomen beschert. Experten nennen es vorsichtig "Sommer" und weisen darauf hin, dass von dem gelben runden Kreis am Himmel, welcher mit "Sonne" benannt wird, keine Lebensgefahr, sondern höchstens leicht gerötete Haut zu erwarten wäre.

Biergartenbesitzer und Freibadbetreiber, die in den Wochen zuvor schon ihre Insolvenz vorbereitet hatten, müssen nun über akuten Platzmangel klagen und führen auf Grund dessen nun schon so genannte "Gesichtskontrollen" an den Eingängen ihrer Etablissements durch.
Viele Freibadbesitzer machen sich aber sogar ernsthafte Sorgen über die Besucher. Gerade die Kinder sind es nämlich die, durch die Veränderung ihrer Gewohnheiten, bei einem Freibadbesuch schnell ihr Leben riskieren.

Umbau wegen Fettleibigkeit
Das Freibad in Herdecke hat im Winter groß umgebaut. Denn da sich der Körper vieler Kinder, durch den vermehrten Verzehr von Fastfood und wenig Bewegung so dramatisch verändert hat, dass die Gefahr bestehen könnte, ein Kind könne in der Rutsche einfach stecken bleiben, mussten neue Geräte her. "Die alte Rutsche war zu gefährlich, denn sie war zu steil und gleichzeitig zu kurz", erklärte Schröder. "Dazu kommt, dass viele Kinder heutzutage weniger Körperbeherrschung haben. Sie sitzen immer länger vor dem PC und ernähren sich zunehmend von Fastfood." Wobei der Badeanstaltskiosk diesen Verfettungsprozess noch beflügelt: Kevin tippelt barfuss und mit 50 Cent in den Fingerchen nervös auf den heißen Waschbetonplatten herum, vor lauter Vorfreude auf die gemischte Tüte voller Colakracher, Leckmuscheln, Gummispaghettis und saurer Zungen. Er will mit seinen Freunden einen Wettbewerb veranstalten, wer die Spaghettis am weitesten in den Schlund einführen und hinterher wieder hervorziehen kann.

Wespentaille
Nebenan setzen zwei Medizinstudentinnen ihre blassen, prallen Popos der UV-Strahlung aus, während sie das Pathologieskript noch einmal durchgehen. Im Wasser sind die beiden selten zu finden, zu kalt. Kreischend springen die beiden auf, als Kevin glückselig mit der gemischten Tüte angerannt kommt und einige Tropfen Chlorwasser auf ihre Rücke spritzt. Aus war es mit dem Freibadspaß, denn schon lauert das nächste Grauen: Vom Spaghetti-Battle angelockt nähern sich einige Verspula Germanicae. Selbstverständlich gibt es eine Sonnenanbeterin, der es gelingt, darauf zu treten und sich einen Stich an der unpassenden Stelle an der Fußsohle einzuhandeln. Zum Glück für die nebenan liegenden Sportstudenten, und einen Tag später auch alle willigen Nutzer von youtube.com, lutscht ihre Freundin das Wespengift aus der Wunde.
Da sie gerade ihre Sportmedizinprüfung bestanden haben und ihnen die flotten Medizinergirls nicht unsympathisch sind, sind sie natürlich sofort zu fachlicher Hilfestellung bereit. Mike, Spezialfach Beachvolleyball, erkennt die Notlage sofort und sprintet in seinen roten Schwimmshorts über die Wiese. Er trägt die Medizinstudentin kurzerhand in den muskulösen, braungebrannten Armen zum Erste-Hilfe-Zelt. Dort wird sie vom freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes mit einem Biene Maja-Pflaster fachmännisch verarztet. Für den fleißigen Sanitäter, der in seiner rot-grauen Uniform in der Sonne schwitzt, ist dieser Einsatz das Highlight des Tages. Am Abend treffen sich der Sportstudent und die Medizinstudentin im Bermudadreieck und trinken einen Cocktail zusammen, für den kommenden Tag verabreden sie sich im Freibad.

m jst, jbö, jkae, benz