Israel-Tag 2008 in Köln

Geschrieben von jk am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

60 Jahre Israel

Am 14. Mai feierte der Staat Israel seinen 60. Geburtstag. Bereits sechs Tage früher wurde in fast 60 Städten in ganz Deutschland dieses besondere Jubiläum zelebriert. Wir waren für Euch beim Israel-Tag in Köln dabei und haben Stimmungen eingefangen, mit Gästen und den VeranstalterInnen gesprochen und einfach einen wunderschönen Tag verbracht!

#745- Der Mythos Tibet gastiert in Bochum und fast alle inszenieren mit

Geschrieben von Rolf van Raden am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Der Mythos Tibet gastiert in Bochum und fast alle inszenieren mit
Seine Pop-Heiligkeit im tiefen Westen
Der 14. Dalai Lama war in Bochum – und verursachte einen Presserummel, wie ihn die Stadt selten erlebt. Zu seinem ersten Auslandsbesuch nach den Unruhen in Tibet wollten sich 1.000 JournalistInnen akkreditieren. Viel Aufmerksamkeit für das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, das sich so gut als Projektionsfläche für westliche Sehnsüchte eignet. Die bsz hat hinter die Kulissen der Inszenierung geschaut.

#736- Revolution von oben?

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Revolution von oben?

 

Am 12.11.2007 fand im Kultur-Café der RUB ein politischer Vortrag der besonderen Art statt. Die Redaktion der Zeitschrift "Gegenstandpunkt" hatte zu einem Vortrag zum Thema "Venezuela – Aufstand im Hinterhof der USA" geladen. Die Veranstaltung war mit circa 150 Zuhörerinnen und Zuhörern sehr gut besucht.

 

Pünktlich um 19.30 Uhr begann der Vortrag, dem auch drei AStA-Referenten beiwohnten, die sich für die politische Situation in Lateinamerika und Venezuela im Speziellen interessieren.
Ein Hoffnungsträger
Positiv fiel uns zunächst auf, dass zum Vortrag auch ein Thesenpapier ausgeteilt wurde, das einige Kernthesen enthielt. Durch den Neokolonialismus befinde sich Venezuela in der bitteren Situation, dass trotz Ölvorkommen 80 Prozent der Bevölkerung in Armut lebe und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klaffe. Dies wurde auf den Ausverkauf des Landes an internationale Investoren zurückgeführt, die sich in Zusammenarbeit mit den venezolanischen Eliten auf Kosten der verarmten Venezolaner bereicherten. In dieser Situation sei Hugo Chávez ein Hoffnungsträger für ein Venezuela, das gegen den Druck des Weltmarktes den nationalen Reichtum gerechter verteilen würde. Kritisch wurde in diesem Zusammenhang auch die deutsche Presse betrachtet, die Chávez einseitig als Diktator darstelle und seine sozialpolitischen Innovationen klein rede.
Von oben
nach unten
Diese Umverteilung von oben nach unten schaffe natürlich auch Feinde. Nach innen habe Chávez etwa im Rahmen der Verstaatlichung der Schlüsselindustrien (zum Beispiel Öl) gegen inländische Eliten zu kämpfen, die unter dem Deckmantel von Demokratie und Bürgerrechten gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung mobil machten. Neu sei, so die These, dass hier einmal die Staatsmacht auf Seiten des Volkes gegen die Machteliten stehe und nicht – wie fast überall sonst auf der Welt – umgekehrt.Â
Mit seinem Programm zur "nationalen Erneuerung im Dienste des Volkes" mache sich Chávez zudem außenpolitisch unbeliebt bei den "Hütern des Weltmarktes”, also den USA und ihren europäischen Rivalen. Dies führe zu internationaler Isolation, die Venezuela durch Bündnisse unter anderem in Lateinamerika und durch punktuelle Wirtschaftshilfe für die Industrienationen zu durchbrechen versuche. Beispielhaft sei nur die Kooperation der staatlichen Ölwirtschaft Venezuelas mit den Verkehrsbetrieben der City of London genannt. Chávez vereinbarte mit Londons Bürgermeister Ken Livingston Öl-Lieferungen, um die Beförderungskosten auf einem erträglichen Niveau zu halten und natürlich auch Werbung für ein anderes Wirtschaftssystem zu machen. Abschließend sprach der Referent über die Hoffnung, dass Venezuela ein Vorreiter für eine mögliche bessere Welt werden könnte.
Kritiklose Kritik
Während die meisten Zuhörerenden dem rhetorisch etwas gewöhnungsbedürftigen Vortrag (Rüdiger Hoffmanns "westfälische Pause" war das dominierende Stilmittel) sehr konzentriert folgten, brach sich unter einigen Anwesenden im Verlauf des Vortrages leichter Unmut Bahn. Die Darstellung erschien zumindest den Vertretern des AStA etwas einseitig. Als die Diskussion eröffnet wurde, staunten wir nicht schlecht: "So, das war unsere Kritik. Wer sich unserer Kritik anschließen möchte, kann das jetzt gerne tun." – Na klar: Objekte der Kritik waren Sozialabbau, Neokolonialismus, die Weltwirtschaft und nicht zuletzt die USA. Soweit, so gut. Aber was ist dabei alles unter den Tisch gefallen? Nachdem sich die ersten Redebeiträge kritiklos der "Kritik" anschlossen, entschieden wir uns, eine Frage zu stellen, um zu erfahren, ob es sich um eine analytische oder eine bewusste Auslassung handelte. Warum, wollten wir wissen, ist der Schulterschluss zwischen Venezuela und dem Iran nicht thematisiert worden? Schließlich sei das erklärte Ziel des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, Israel notfalls auch mittels einer Atombombe zu vernichten, und das könne ja in einer Gruppe, der es um eine "bessere Welt” gehe, nicht gleichgültig sein. Das sei nicht Thema des Vortrages gewesen, außerdem sei ja deutlich geworden, dass Hugo Chávez eben nicht zimperlich sein könne in der Auswahl seiner Verbündeten. Warum dieses Thema uns überhaupt wichtig sei und so weiter. Auf den Einwand eines weiteren AStA-Mitglieds, mit Auslassungen lasse sich eben auch Politik machen und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung ziele nun mal immer darauf ab, ein möglichst umfassendes und objektives Bild eines Gegenstandes zu zeichnen, wurde ebenfalls mit Unverständnis reagiert. Das sei eben der Fehler der Wissenschaft, die alles durch Objektivität verwässern würde.
Sektenhafte Predigt
Nach der "Diskussion"Â fragten wir den Referenten des "Gegenstandpunkt", ob wir seinen Namen erfahren dürften. Seine Antwort stürzte uns denn vollends in Verwirrung: "Ich möchte anonym bleiben. Kritische Geister leben gefährlich in Deutschland", orakelte er nur.
Eine kurze Recherche zum Thema "Gegenstandpunkt" ergab, dass die Zeitschrift offenbar aus der 1991 aufgelösten "Marxistischen Gruppe" (MG) hervorgegangen ist, die eine "Revolution von oben" im Sinne Lenins beabsichtigte. Sowohl der Stil der "Kritik" (wie die "Diskussion" vom anonymen Redner selbst genannt wurde) als auch die kritiklose "Kritik" an der Politik Chávez´ bestätigen diesen Eindruck der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb). Die Veranstaltung glich eher einer sektenhaften Predigt als einer erkenntnisorientierten Diskussion. Sollten solche Veranstaltungen wieder an der RUB angeboten werden, empfehlen wir die "kritische" Teilnahme, warnen aber ausdrücklich davor, sich durch den Diskussionsstil vereinnahmen zu lassen. Die Argumente zum Thema Welthandel und Neokolonialismus findet man auch in weniger "elitären Zirkeln" – nur wird dort diskutiert und nicht die "Kritik" einer Redaktion nachgebetet.Â

Die in diesem Artikel genannten AStA-Referenten möchten an dieser Stelle ihre Identität ebenfalls nicht preisgeben, denn wir haben vom "Gegenstandpunkt" gelernt: "Kritische Geister leben auch an der RUB gefährlich."

AStA Bochum

#735- "Wer nicht weiter weiß, schlägt halt drauf!"

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

"Wer nicht weiter weiß, schlägt halt drauf!"

Gewalt zwischen Jugendlichen ist ein Dauerthema. Ob Mobbing oder Handgreiflichkeiten – Politiker, Sozialarbeiter und Lehrer diskutieren seit Jahren über Präventionsmöglichkeiten.

Auch wenn es nicht immer "Rütli” ist – Unterdrückungsformen kennen fast alle Jugendlichen. Die bsz lud vier von ihnen zu einer etwas anderen Diskussionsrunde ein. Die Ex-Hauptschüler Thomas Lücking (19) und Dennis Kemper (24) sowie Carolin Höher und Dustin Creefeld (beide 19), beide Gymnasiasten, hatten viel zu erzählen.
Opfer- und
Täterverhalten
"Zum Thema Gewalt an Schulen kann ich eine Menge beitragen, sowohl aus der Opfer- als auch aus der Täterperspektive." Dennis Kemper geht gleich in der Vorstellungsrunde unserer Diskussion in die Vollen. Kein Wunder, denn es ist "sein" Thema. Der 24-Jährige hat insgesamt fünf Hauptschulen in verschiedenen Bundesländern besucht. Mehrmals wurde er nach diversen Vergehen von der Schule verwiesen. "Ich war kurz Opfer und dann ganz lange Täter”, so Kemper. "So sieht der Weg in die Gewaltspirale meistens aus." Dennis will seine Erfahrungen weitergeben: Nachdem er sich über den zweiten Bildungsweg qualifizierte, studiert er seit zwei Semestern "Soziale Arbeit" an der FH in Dortmund.
Für Dustin Crefeld ging der Schulweg ähnlich steil – aber schulisch meist nach oben. Der "Streitschlichter der ersten Generation" (Dustin über Dustin) und Sprecher der Jahrgangsstufe 13 am Schwerter Ruhrtal-Gymnasium hat dennoch in seinen Schulfunktionen viele Facetten von Gewalt erlebt. "Ingesamt überwiegt am Gymnasium die psychische Gewalt, auch wenn in letzter Zeit ein kleiner Wandel zu Schlägereien zu verzeichnen ist." Das sieht auch Carolin Höher so. Die 19-Jährige besucht das Schwerter Friedrich-Bährens-Gymnasium (FBG). "In der siebten und achten Klasse wurde extrem viel gemobbt – vor allem unter den Mädchen." Das "zarte Geschlecht" sei Urheber ganzer Hetzkampagnen gewesen: "Die Jungs haben dann natürlich mitgemacht, weil sie cool sein wollten für die Mädchen". Heftiger noch ging es in ihrer Grundschule zu. "Ich ging in einer eher unterprivilegierten Gegend auf eine Grundschule, wo ungefähr die Hälfte der Leute auf der Hauptschule gelandet sind." Dort seien diese auch nicht lange geblieben – nach diversen Schlägereien. "Alle, die etwas schlauer waren, wurden sowieso immer verprügelt – dazu gehörte dann auch ich."
Gewalt in
jeder Pause
 Solche Szenen waren für Thomas Lücking alltägliches Bild – bis vor einem Jahr besuchte er noch eine Bochumer Hauptschule. "Gewalt sah man in jeder Pause”, erzählt er. "Die Größeren schlagen eben die Kleineren.” Crefeld hakt ein: "Vor allem die Schlaueren werden verhöhnt”. Dennis macht ihm keine Hoffnung: "Das wird auch später an der Uni nicht besser.”
"Die Ursachen sind schwer erkennbar", findet Dustin. Er sieht am ehesten in der für Teenager typischen Grüppchenbildung Gründe. "Wenn jemand in bestehende Gruppen hineinkommt, wird er meist sofort ausgegrenzt." Wer das nicht akzeptiere, werde eben dazu gezwungen. Ähnliches hat auch Dennis erlebt: "Erstmal will jeder selbst zeigen, dass er der Stärkste ist – und dann will die Gruppe auch noch nach außen hin klarstellen, dass sie die Größten sind." Thomas fasst zusammen: "Wenn manche halt nicht weiter wissen, schlagen sie halt drauf." Problem erkannt, Problem gebannt? Die vier haben einige Verbesserungsvorschläge. "Ich würde versuchen, die Hauptschule nicht mehr als Sammelbecken für den ,sozialen Abschaum‘ zu betrachten", sagt Carolin.
Lösungen?
Hier müssten Lehrer mehr auch als Sozialarbeiter ausgebildet werden. "Auch die ,unterste‘ Schule sollte schließlich Bildungsanstalt sein, auch wenn nicht jeder danach studieren geht." Dafür bräuchte es Menschen, die es verstünden, auch frustrierte Jugendliche zu motivieren.
Dennis plädiert aus eigener Erfahrung dafür, dass dreigleisige Schulsystem komplett abzuschaffen. "Es kann nicht sein, dass alle Leute, die tendenziell eher gewaltbereit sind, auf einen Haufen zusammen geworfen werden." Es falle auf, dass in allen gemeinschaftlichen Schulsystemen in der Regel weniger Gewalt herrsche. "In Gesamtschulen etwa ist die Gewalt in der Regel weit unter‘m Schnitt."
Thomas wäre "im Nachhinein viel lieber zur Realschule gegangen." Dort höre man schließlich viel weniger von körperlicher Gewalt. "Mobbing hin- oder her – wer Angst vor Schlägereien haben muss, könnte das eher ertragen." Er betont: "Die Gewalt war an meiner Schule immer da – die kriegt man auch durch gut gemeinte Aktionen nicht ganz raus."
Die Mittel eines Streitschlichters gehen da nicht weit genug, betont Dustin. Im Endeffekt werde auch hier viel Flickschusterei betrieben. "Das Schulsystem müsste komplett umgekrempelt werden." Sonst werde auch das Ruhrgebiet schnell von Zuständen á la Rütli eingeholt. "Im Vergleich zu solchen Verhältnissen sind wir schließlich noch eine heilige Kuh."


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#735- Die ständige Begleiterin

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Die ständige Begleiterin

Für Männer existiert sie nur vor dem Sex, Frauen nennen Kopfschmerzen gerne mit ihrem Namen, Ärzte können selten helfen. Wovon hier die Rede ist? Eindeutig: Die Migräne.

"Die Migräne (von griech. ημικρανίον, hemikranion, hemikrania – halber Schädel) ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen anfallartigen, pulsierenden und halbseitigen Kopfschmerz gekennzeichnet ist, der oft von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) begleitet wird. Bei manchen Patienten geht einem Migräneanfall eine so genannte Aura voraus, während der häufig optische oder sensible Wahrnehmungsstörungen auftreten."
Diese knappe Formulierung findet sich bei Wikipedia. Auch hat eine Jede und ein Jeder schon von Migräne gehört, nur wissen die Wenigsten, die sie nicht haben, was es eigentlich bedeutet darunter zu leiden.
Von klein auf Schmerzen
Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland und weltweit zehn bis fünfzehn Prozent aller Erwachsenen leiden unter Migräne, und die Zahl steigt weiter. Früher als eine Art Frauenkrankheit, als Hysterie verschrien, leiden in der heutigen Gesellschaft immer mehr Menschen darunter. Schon im Kindesalter treten mittlerweile häufige Anzeichen von Migräne auf, doch werden die Symptome selten erkannt, so dass Therapien meistens zu spät beginnen. Wenn überhaupt.
Denn die Migräne ist eine von Betroffenen und Medizinern schwer zu erkennende Krankheit. Nicht immer müssen Kopfschmerzen auftreten. Zwar ist dies die häufigste Beschwerde, allerdings ist in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden, dass es die unterschiedlichsten Formen der Migräne gibt. Und nur eine davon äußert sich in den besagten Migräne-Kopfschmerzen.
Zuallererst muss man zwischen Migräne mit und ohne Aura unterscheiden. "Aura" bedeutet in diesem Fall nicht etwa die in der Esoterik berühmte Aura, sondern eine Art Vorzeichen eines Migräneanfalls. Nennen wir es eine Warnung. Diese äußert sich zum Besipiel in Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Wahrnehmungsstörungen oder Sehschwäche. Nicht alles muss auftreten, manchmal kommen die Symptome auch einzeln vor. Die Dauer der Aura ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kann von einer halben Stunde bis zu mehreren Tagen anhalten. Irgendwann setzen nun die Kopfschmerzen ein. Und dies sind keine gewöhnlichen Kopfschmerzen. Ein Patient beschreibt es so: "Der Schmerz trifft mich wie ein Faustschlag. Durchzuckt mich wie Blitz und Donner. Er ist ungeheuerlich. Ein Dröhnen wie von einem Presslufthammer. Kanonenkugeln prasseln aus meinem Inneren gegen den knöchernen Schädel. Er scheint zu explodieren. Taumeln, entsetzliche Übelkeit.... bloß kein Licht.".
Bei Migräne mit Aura ist es meist so, dass die Kopfschmerzen nur kurz, aber intensiv sind. Leidet ein Patient unter Migräne ohne Aura setzen die Schmerzen plötzlich ein und können dafür Stunden anhalten.
Der Unterschied macht’s
Jedoch sind dies nicht die einzigen Formen von Migräne. Man kann, muss aber nicht alle Symptome aufweisen, es gibt chronische und seltene Migräne, eine Kombination aus Migräne mit und ohne Aura, bei der man sowohl Aura als auch Migräne für Stunden ertragen muss, zusätzliches Augenflimmern, welches die schon getrübte Sicht zum reinen Horror werden lässt, genetisch bedingte Migräne, Migräne durch Umwelteinflüsse, anatomische Migräne, stressbedingte Migräne und so weiter.
Die "typische" Migräne beschränkt sich auf eine Gehirnhälfte, kann sich aber, dank der zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten, auf beide Hälften ausbreiten und bis in den Nacken hinunterreichen. Auch kommen Seitenwechsel während eines Anfalls vor. Oder das plötzliche Abklingen und erneute Anfangen des Schmerzes.
Wodurch Migräne entsteht, ist auf verschiedene Weise zu erklären versucht worden. Da Migräne familiär gehäuft auftritt, lautet die Vermutung, dass bei Migräne Gendefekte eine Rolle spielen können. Auch wird angenommen, dass Umweltfaktoren und Lebensstil eine wichtige Rolle spielen. Allerdings gibt es Patienten, bei denen die Ursache nie geklärt wurde.
Eine noch größere Vielfalt gibt es bei den Hypothesen, wie eine Migräne entsteht.
Die Blockade
im Leben
Auf Grund all dieser Unterschiede ist es nicht selten der Fall, dass zuerst nach anderen Krankheiten gesucht wird. Auch, wenn Ärztekammern und –foren meinen, dass die neueste Forschung die besten Therapiemöglichkeiten biete, so haben viele Patienten die Hoffnung aufgegeben. Allzu oft sind Stümper am Werk, die die Migräne sogar noch verschlimmern können.
Hinzu kommt, dass ein "normales" Leben mit dieser Krankheit beinahe unmöglich ist. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann es anfangen, es reißt einem mitten aus dem Alltag und zwingt zu Ruhe und Tabletten. Wer unter besonders starker und chronischer Migräne leidet, kann keine Woche so leben, wie vielleicht geplant.
Besonders bitter ist, neben den diversen Migräneleiden, die Tatsache, dass diese Krankheit nicht heilbar ist. Man kann nur versuchen die Symptome durch Stressabbau, gesunden Ernährung und leichten Ausdauersport (eventuell sogar Yoga) zu lindern. Doch die Begleiterin wird man nie los.



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#735- Lynchjustiz: Jetzt sind alle gefordert

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Lynchjustiz: Jetzt sind alle gefordert

Eins muss klar sein: Bahn fahren ist heutzutage (heutzutage!) kein Spaß mehr. Die bsz macht sich ab nächster Woche trotzdem für euch (für euch!) auf den steinigen Weg quer durch das wunderschöne NRW.

Lustig: Seit einigen Wochen wird der/die Bahnfahrerin auf der Linie U35 nicht mehr nur durch die Unterhaltung der Mitreisenden verstört (siehe: Bingo!), sondern auch durch die neuen, witzigen Ansagen des Varieté et cetera. Dieses möchte damit auf ein neues Showprogramm aufmerksam machen, welches wir hier selbstverständlich aufgrund eben dieser Witzigkeit nicht nennen und so der ausgefeilten Werbemaßnahme ein Schnippchen schlagen. Dabei wissen wir nicht, wie der Deal überhaupt zustande kam. Ist das Varieté mit dieser schamlosen Idee auf die Bogestra zugekommen, oder hat vielmehr die Bogestra derlei Kinkerlitzchen in Auftrag gegeben, um endlich ihr angestaubtes Image loszuwerden? Wie gesagt, wir wissen es nicht. Aber eins muss dennoch klar sein: Das Image der Bogestra hat angestaubt zu sein und nicht anders. Denn die lokalen öffentlichen Verkehrsbetriebe sollen uns von einem Ort zum anderen befördern, lustig sein dürfen nur Mario Barth, Kurt Beck und Lothar Matthäus. Das aber ist den Beförderungsunternehmen offenbar völlig aus dem Blickfeld geraten. Groben Unfug gibt es etwa auch in Düsseldorfer Verkehrsmitteln der Rheinbahn zu bestaunen, wo die Fahrgäste mittels Flachbildschirmen mit informativen Videonachrichten konfrontiert werden. Diese Idee hatten die Witzbolde der Berliner Verkehrsgesellschaft natürlich schon wesentlich früher. Der Trend zu akustischer Belästigung stammt aber, allen Erwartungen entgegen, nicht aus Berlin. Vielmehr hatten die Hamburger bei derlei Humbug die Nase vorn und lassen ihre Ansagen von kleinen Kindern sprechen. Und so gerät also nicht mehr das Fliegen zum größten Transportabenteuer, sondern die Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr. Nicht nur der behördliche Mumpitz, vermutlich von Betriebsräten auf Lustfahrten ins sonnige Italien ersonnen ("Wir müssen irgendwie frischer werden, Corporate Identity sag ich! Sag am Montag der Frau S., dass die sich da mal was Frech-Flottes ausdenken soll."), sondern auch die Teilnahme an allerlei Events, an denen man gar nicht teilnehmen will.
"Vergnügter Breisgauer" und "Fröhlicher Siegerländer"
Unversehens trifft der unbescholtene Fahrgast im Regionalexpress auf massenhaft Akteure der Loveparade, zweihundert trunkene Fussballfans, einen Pulk Chefsekretärinnen am 11. November (Hühner auf dem Kopf tragend und den Arsch voll Prosecco, den Beginn der fünften Jahreszeit begehend), und kann sich dem Geschehen auch mit Oropax, tragbaren Musikabspielgeräten und Lektüre nicht entziehen. Ganz arme Tröpfe steigen versehentlich in den Tanzzug "Vergnügter Breisgauer" oder "Fröhlicher Siegerländer". Natürlich kann es auch im Flugzeug passieren, dass der Fluggast sich neben randalierenden Bandmitgliedern, einer Fußballmannschaft der dritten Liga oder einer Horde Junggesellenabschiedsbegehender mit südlichem Flugziel wiederfindet. Und obwohl auch das Fliegen heutzutage (heutzutage!) keine exklusive Angelegenheit mehr ist, bei der sich höchstens zwei windige Entrepreneure in grauen Anzügen wissend und diskret zunicken, sondern auch andere gesellschaftliche Milieus Zugang zum nicht mehr so teuren Flugverkehr erlangen, ist der Unterschied doch groß: Fluggäste sind eher von Absturzängsten eingeschüchtert, die sie daran hindern, wahllos fremde Passagiere anzukommunizieren, und treten in weniger großen Horden auf. Zwar übernehmen die schamlosen Kapitalistinnen im Stewardessgewand die ungewollte Kommunikation, aber darauf ist der versierte Fluggast eingerichtet. Der Bahnfahrende ist es nicht.
Und so wird nicht nur das Fahren mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Abenteuer, auf das der Bildungsbürger (und auch: die Bildungsbürgerin) aufgrund der mangelnden Exklusivität des Flugverkehrs schon lange umgestiegen ist, sondern vor allem die Reise mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Und hier können wir endlich von unseren osteuropäischen Freunden (und auch: Freundinnen) lernen: Wieviel zauberhafter wäre es doch, stiege der ein oder andere Fahrgast an der Brenscheder Straße aus, um auf dem Bahnsteig ein von russischen Mütterchen feilgehaltenes halbes Schwein zu kaufen, dass während der Weiterfahrt im Feuer des Samowars geröstet wird, und böte den Mitfahrenden hin und wieder eine Schlückchen Wodka an. Des Weiteren hätten wir Ruhe vor Flachbildschirmen, witzigen Ansagen und anderem Unfug. Da die EU-Integration noch nicht so weit ist, müssen wir erst einmal selbst unser Schicksal in die Hand nehmen. Also auf ins nächste Waffengeschäft, rasch die Mikrouzi erstanden und beim nächsten "An der nächsten Haltestelle können Se schlau werden: Das ist die Ruhr- Unneversitett." einfach beherzt auf den Lautsprecher zielen, abdrücken und die anschließende Ruhe genießen.

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