#733- Keine Angst vor großen Tieren: Bullen die bellen, beißen nicht

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

 Keine Angst vor großen Tieren: Bullen die bellen, beißen nicht

Wie schön es doch ist, in einem demokratischen Land leben zu dürfen, in dem es keine hoheitlich exekutive Gewalt gibt, die uns dazu zwingen kann, ihr blind gehorchen zu müssen. Oder gibt es sie etwa doch? Die allumfassende Macht im Staat, die sich dann erst zeigt, wenn unsere Herren und Damen Polizisten auf Streife sind oder uns Vorladungen schicken. Wie weit gehen eigentlich die Befugnisse der deutschen Polizeibeamten? Muss man den Anordnungen unserer Kriminalbeamten Folge leisten, oder hat man als Bürger vielleicht sogar das Recht unseren Schutzmännern und –frauen zu widersprechen? Ist man gezwungen auszusagen, wenn die Polizei einen als Zeugen vorlädt? Und was erst, wenn sogar eine polizeiliche Vorladung gegen einen selbst im Briefkasten liegt? Wird man etwa verhaftet oder mit einer Geldbuße belegt, wenn man die Vorladung nicht befolgt?
Von entmachteten Mächten
Erst einmal sollte man sich bewusst werden, dass die Polizeibeamten an sich gar nicht so viel Macht haben, wie wir oft annehmen. Bei einer polizeilichen Vorladung verhält es sich demnach wie folgt: leistet man ihr nicht Folge, hat man weder als Beschuldigter noch als Zeuge negative Konsequenzen zu erwarten. Es besteht nämlich keinerlei Pflicht auf der Wache zur Aussage oder gar zur Vernehmung zu erscheinen. Eine solche Pflicht besteht nur gegenüber der Staatsanwaltschaft und natürlich dem Gericht. Erscheint man auf eine Vorladung dieser beiden Institutionen nicht, so kann das ziemlich teuer und unangenehm werden. Also: lieber vor Gericht und/oder bei der Staatsanwaltschaft erscheinen!

"Reden ist Silber, schweigen ist Gold"

Die Aussage bei der Polizei soll lediglich dazu dienen, die Arbeit der Beamten zu erleichtern. Teilweise kann eine Aussage bei der Polizei dazu beitragen, dass es gar nicht erst zu einem Gerichtsverfahren kommen muss. Sinnvoll ist eine Aussage bei der Polizei vor allem aber dann, wenn man erreichen will, dass erst aufgrund der Aussage ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird. Insofern ist eine Aussage vor der Polizei zwar keine Pflicht, manchmal aber durchaus sinnvoll. Man sollte sich also gut überlegen, ob man der polizeilichen Vorladung nachgehen möchte oder ob man sie als eher schädlich einstuft, da man sich eventuell um "Kopf und Kragen" reden könnte.
Interessant zu wissen ist es in diesem Zusammenhang für manch einen partysüchtigen Kommilitonen bestimmt auch, dass man nicht gezwungen ist, der Aufforderung eines Verkehrspolizisten nachzukommen, "ins Röhrchen zu pusten”, um den Mundalkoholspiegel feststellen zu können. Durch das "Pusten” müsste man sich nämlich selber belasten und dazu ist in Deutschland niemand gezwungen. Dieser Widerstand lohnt sich aber nicht wirklich, da man anschließend mit zur Polizeiwache muss, wo einem Blut zur Messung des Blutalkoholspiegels abgenommen wird. Dieser Eingriff gilt nicht als Selbstbelastung, weil man nicht selber tätig werden muss, so dass man ihn über sich ergehen lassen muss. Dieser kleine Trick könnte allerdings hilfreich sein, wenn man die Grenze von 0,5 Prozent nur knapp überschritten hat, da bis zur Blutabnahme auf der Wache einige Zeit vergeht und der Promillestand immer zugunsten des Beschuldigten ausgelegt werden muss.
Angesichts dieser Tatsachen ist es doch immer wieder faszinierend, wie viel Ehrfurcht oder sogar Angst manch einer von uns (noch immer) vor der Polizei hat. Dabei ist sie grade einmal der vollstreckende Arm unseres Staates, der nicht so lang ist, wie viele von uns glauben.             jr
Â

#732- "Pass auf deine Daten auf!"

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Studis im Visier: Die Datenfresser von Google und Microsoft kooperieren mit "Facebook", den großen US-Bruder des deutschen studi-VZ. Während damit Millionen persönlicher Daten im Internet immer offener zugänglich werden, schießen von "EforS” bis "StuGate” immer neue Studierendenportale ins Kraut.

Matthias Falke hat die Fragen nach seiner Internet-Identität satt. "Inzwischen muss man sich ja schon rechtfertigen, kein Profil bei studiVZ zu haben”, findet der Dortmunder, der an der Bochumer Ruhr-Uni Geographie studiert. Für Falke war der Entschluss, sich den netzwerkenden Kommilitonen online zu entziehen, ganz bewusst gewählt. "Da sind sensible persönliche Daten ganz offen lesbar”, kritisiert er. "Keiner darf sich wundern, wenn er nun plötzlich mit allzu verlockender Werbung zugemüllt wird - die passt ja dann schließlich genau zum Profil.”
Der muntere Datenaustausch gehört zum Prinzip. Plattformen wie studiVz, dessen großer US-Bruder Facebook oder das von mehr als einer Million Jugendlichen bevölkerte "schülerVZ” sind darauf ausgelegt, möglichst viele Menschen schnell und unkompliziert miteinander in Kontakt treten zu lassen. So weiß zum Beispiel jeder Pädagogik-Student an der RUB mit einem Klick, wer neben ihm noch das Einführungsseminar X bei Professor Y belegt. "Ob für Hausaufgaben, Übungsgruppen oder auch, um spontane Parties abzusprechen, nutze ich studiVZ”, sagt Maren Seiffert. Sie surft beinahe täglich dort und aktualisiert regelmäßig ihr persönliches Profil.
In Zukunft wird sie dafür womöglich mit dem schleichenden Kontrollverlust über ihre Daten leben müssen. Facebook etwa ist in den USA bereits mit der unstillbar hungrigen Datenmaschine Google verschmolzen. Eine unscheinbare Nachricht im Profil kündigte dort den radikalen Wechsel an - wer künftig eine Person bei Google eingibt, erhält direkten Zugriff auf dessen Facebook-Profil.
Facebook und die deutsche Adaption studiVZ sind beileibe nicht die einzigen Netzwerke, die sich auf Studierende spezialisiert haben. Die "Elite von morgen” ist begehrte auch bei "StudiLounge” oder dem neu aufgelegten "Europe for Students” begehrte Klientel. Auch das zu Semesterbeginn gestartete, viersprachige Onlineportal, das unter dem Kürzel EforS firmiert, sucht bereits die Nähe zu Google. "Bei uns werden alle Hochschulstädte mit einem Kurzportrait vorgestellt und mit Hilfe von Google Maps visualisiert”, wirbt EforS-Sprecher Thomas Brömme.
Das Projekt "Stugate”, das ebenfalls in diesen Tagen startete, ist (noch) kleiner angelegt. Der Bielefelder Ex-Studi Benedict Schmid hat es ersonnen. "Nach einer Woche haben wir bereits 100 Mitglieder. Für StudiVz sind das natürlich Peanuts, aber es bestätigt unser Konzept.” Wie im studi-VZ kann man bei Stugate ein Profil anlegen, Gruppen bilden, Fotos hochladen. Dem Problem des unkontrollierten Datenflusses will Schmid allerdings entgegenwirken. "Zunächst bleibt jeder bei uns anonym”, sagt Schmid. Die Option, keine Daten öffentlich zu zeigen, ist im Stugate voreingestellt – bei allen anderen gängigen Netzwerken ist es umgekehrt (s. Infokasten).
Jeder habe so die Möglichkeit, anderen den Zugriff auf das eigene Profil zu verweigern. Ohne aktives Zutun wüsste niemand von niemandem. Schmid weiß allerdings auch, dass Versteck spielen in einem öffentlichen Netzwerk auf Dauer wenig Sinn macht: "Es ist doch das Prinzip eines Netzwerks, Informationen auszutauschen, oder?”
bp

Wer auf studi-VZ und Co. ein Profil anlegt, dem kann der Datenschutz als ein Relikt vergangener Zeiten erscheinen.
Die Grundeinstellungen sind bei allen Portalen stets auf totale Offenheit getrimmt.
Wer seinen Bekanntheitsgrad einschränken will, muss die Einstellungen aktiv ändern.
Experten raten gerade bei radikalen Äußerungen oder eingestellten Fotos zur Vorsicht. Schließlich informierten sich auch potenzielle Arbeitgeber gern im Internet über Bewerber.

#732- Von lockeren Schrauben

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Von lockeren Schrauben
und gestohlenen Gänsen
Am Tag der Thesenanbringung durch Martin Luther (31.10. = Halloween), nur eben einige hundert Jahre später, fand in der Dortmunder Reinoldikirche ein Konzert statt. Grund genug, diesen Ort aufzusuchen und zu schauen, was die Kirche, so lange Zeit nach Martin Luther, so alles zu bieten hat.

Zum einen trafen wir einen Gestörten und zum anderen eine anthroposophische Dame im Moralgewand. Das Moralgewand hatte dabei naturgemäß eine anthroposophische Farbe, sowie eine anthroposophische Form, orange und schlabberig hing es an der anthroposophisch Angehauchten herunter. Sie ist also eigentlich nicht bloß als anthroposophisch angehaucht zu bezeichnen, sondern vielmehr als anthroposophisch umhüllt. Und ebenso wie sie sich selbst anthroposophisch umhüllt, so umhüllte sie ihre Zuhörer mit ihren anthroposophischen Lehrfabeln und Geschichtchen, die so offensichtlich zum Nachdenken anregen sollten, dass man eigentlich nur noch darüber nachdenken konnte, wie jemand auf den Gedanken verfallen kann, ausgerechnet solche offensichtlich zum Nachdenken anregen sollenden Lehrgeschichtchen vorzutragen.
Klatsch und Tratsch
Und so saß man und dachte: Warum trauen sich alle anderen Menschen in der Kirche nur zu flüstern (auch: zu tuscheln?), während die anthroposophische Dame sogar lauter als nötig redet und auch noch ein Mikrofon benutzt, um ihre Stimme und mit ihr auch jene Lehrgeschichten mittels Lautsprecher über den gesamten Raum zu verteilen? Es wäre nun ganz überflüssig, wollte man hier diese Geschichten im Einzelnen nacherzählen und sich alle Details erneut vorhalten. Nur so viel sei angedeutet: Die lehrreichen Geschichtchen waren alle auf eine ganz ähnliche Weise aufgebaut, wie die nun folgende kurz angerissene Geschichte von der kleinen Schraube, die beschließt sich zu lockern und nicht mehr ihren Dienst tun will, bei der Fixierung eines tragenden Schiffsteils einfach nicht mehr mitmachen will, ihre Pflicht und so weiter nicht mehr erfüllen will und alle anderen Teile fangen dann auch davon zu spinnen an, dass sie ihre Pflicht nicht mehr erfüllen wollen, ihre Freiheit haben wollen und so Sachen, bis dann schließlich die Lage eskaliert und die Schraube zur Räson gebracht werden muss, damit das ganze Schiff überhaupt noch als Schiff funktionsfähig bleibt. Und naturgemäß wird die kleine rebellische Schraube von den anderen Teilen des Schiffs (Dampfkessel, Spanten, Seemannsgarn usf.) so lange unter Druck gesetzt, bis sie schließlich klein bei gibt und das ganze Schiff wieder Kurs auf das rettende Ufer und also zum Land hin nehmen kann. Nicht sehr lehrreich für all diejenigen, die sich schon mal gefragt haben, was für Planken, Nägel und andere Schiffsteile so erstrebenswert daran sein soll, wieder an Land zu kommen. Ähnlich packende Geschichten wurden zu den Themen "Individuum und Entscheidung" (merke: Lass dich nicht von dem beeindrucken, was die anderen sagen! Male dein Fahrrad lieber direkt in der Farbe Grün an.), aber auch "Leben und Leben lassen" erzählt (Die Maus, die dem Löwen über die Tatze huscht und diesen mittels ausgefeilter Argumentation dazu bringt, sie nicht zu fressen und ihn dafür als Gegenleistung zu einem späteren Zeitpunkt aus einer misslichen Situation [Gefangennahme mittels Netz] herausnagt). Soviel zum anthroposophisch umhüllten Teil der Sache. Nun zum gestörten Part.
Der gestörte Part wurde primär von einem Herrn übernommen, der insofern irritierte, als dass er sich vom nahegelegenen Mittelaltermarkt eine baldige Beruhigung seiner selbst (also des Mittelaltermarkts an sich) herbeisehnte, obwohl von diesem nur noch ganz leises Gemurmel aus letzten Trinkhornverkaufsgesprächen in die heiligen Mauern der Kirche drang. Der Gestörte betonte mehrfach seine Hoffnung auf baldige Ruhe, die aber für alle anderen schon bereits hörbar, weil nicht hörbar, eingetreten war. Sodann verkündete er das Programm: Musik und erbaulich-anthroposophische Brocken, und forderte das Publikum zum Sichtreibenlassen auf. Und darauf erklang das erste Bachpräludium von der mächtigen Kirchenorgel her.
Mukke
Danach immer wieder im Wechsel Musikalisches (teils vom Gestörten und seiner saxophonierenden Begleiterin, andernteils von der Orgel vorgetragen) und anthroposophische Lehrstücke, vorgetragen stets von der fülligen Dame im orangen Kaftan (wohl bemerkt: ob ein Bernsteinbrocken an einem Lederriemen um ihren Hals baumelte, blieb unter den Zuschauern der letzten Reihe bis zum Schluss ein umstrittener Punkt). Besonders entzückend im musikalischen Part: Improvisationen auf "Fuchs, du hast die Gans gestohlen", vom Gestörten sehr gefühlvoll auf dem Konzertflügel dargebracht.
Sinn
Wem dieser Text bis hierher zu "sinnlos" war, sei noch auf folgenden Umstand aufmerksam gemacht, über den er/sie dann ja noch nachdenken kann: Die Sockel der Säulen in der Kirche waren noch mit dünnen Resten von Goldfarbe bedeckt. Wie man weiß, waren die Kirchen zu früheren Zeiten ja auf das bunteste angepinselt gewesen. Heute dagegen sind die Kirche von ihrer Innengestaltung her ja nur noch als Ruinen zu bezeichnen. Der gelangweilte Leser oder die gelangweilte Leserin mag also gerne versuchen, im ruinierten Zustand der Kirchengebäude eine Allegorie auf den Zustand der Kirche als Organisation zu finden. In Hinsicht auf mögliche Kirchenbesuche in der Zukunft noch ein Wort zu den angebotenen Sitzkissen: Man nehme ihrer drei.


Benz

#732- Bachelor of Bier and Bratwurst

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Bachelor of Bier and Bratwurst

Im Rahmen der Erstsemesterbegrüßung wurden zum Semesterbeginn im Audimax von Stefan Kuntz, seines Zeichens Sportdirektor beim VfL Bochum und ehemaliger Fußballprofi, Freikarten für das Heimspiel des Vereins für Leibesübungen gegen den Bundesligakonkurrenten aus Wolfsburg verteilt. Die Schlachtenbummler der bsz haben sich natürlich auch im Block des Erstipöbels eingefunden und eifrig über deren Wohlbefinden beim Stadionbesuch recherchiert.
Marinus (21),
Maschinenbau:
"Ich hab schon immer in Bochum gewohnt und interessiere mich eigentlich gar nicht sonderlich für Fußball. Mit Freunden war ich schon mal im Westfalenstadion, aber wenn es Freikarten gibt, schaut man sich natürlich gerne mal ein Spiel an. Meine Familie sympathisiert fußballerisch mit Schalke. Wenn’s mir heute großen Spaß macht, komme ich vielleicht öfter mal her und riskiere dafür, von meinen Eltern enterbt zu werden. Als Einheimischer hoffe ich natürlich schon, dass Bochum gewinnt."
Gregor (25),
Jura:
"Pssst, ich bin gar nicht im ersten Semester, hab aber trotzdem ganz dreist eine Karte abgegriffen. Ich war schon ein paar mal hier im Stadion, bin ja auch seit Kindestagen VfL-Fan und freu mich da natürlich mit meinen Jungs riesig über Freikarten. Das gesparte Geld haben wir schon lange vor Anpfiff in Bier und Bratwurst investiert. Ich hoffe mal, dass wir endlich wieder ein Spiel gewinnen, sonst hängen wir richtig unten drin im Tabellenkeller. Ich tippe aber mal ganz pessimistisch auf ein Unentschieden."
Carolin (20), Germanistik/Geschichte:
"Auch wenn man’s nicht glaubt, aber ich bin eigentlich jedes Wochenende hier. Mein Bruder, mein Vati und ich haben Dauerkarten für die Haupttribüne. Dadurch, dass ich jetzt aber eine Freikarte habe, kann meine Mutter mit meiner Dauerkarte endlich mal Stadionluft schnuppern. Alleine sitz ich natürlich nicht hier im Block, meine Kommilitonen kommen hoffentlich bald wieder vom Getränkestand, ich hab Durst! Hier auf der Westtribüne zu sitzen ist für mich quasi eine ganz neue Erfahrung. Irgendwie scheint man hier viel näher am Spielgeschehen zu sitzen. Bochum gewinnt heute natürlich haushoch, mindestens 3-0. Nächste Woche fahren wir sogar nach Duisburg zum Auswärtsspiel."
Torben (21),
Elektrotechnik:
"Ich bin mit Kollegen aus dem Studium hier und musste fast weinen. Seit 13 Jahren bin ich regelmäßig im Ruhrstadion, und heute zum ersten Mal nicht in meiner geliebten Ostkurve. Ich hab meine Leute noch versucht zu überzeugen, unsere Freikarten zu verschenken und uns stattdessen, wie immer, in den Fanblock gegenüber zu stellen, aber da war nix zu machen und alleine wollte ich dann auch nicht rüber. Also werd ich mir heute erstmalig Profifußball im sitzen anschauen. Hoffentlich wird’s nicht allzu langweilig. Ich merk ja jetzt schon, dass hier so gut wie gar keine Stimmung ist, es ist eben nicht die Fankurve. Wünschen wir uns trotzdem mal ein schönes Spiel und endlich wieder einen Heimsieg, ich hab nämlich keine Lust, nächstes Jahr wieder Fans von Carl-Zeiss Jena oder Erzgebirge Aue zu beschimpfen."
Das Spiel ging übrigens 5-3 für Bochum aus. Eine sensationelle und jetzt schon legendäre Leistung in Halbzeit Eins sorgte für einen 4-0 Pausenstand und ausgelassene Stimmung – auch in unserem Block, wie Torben später zugeben musste!
pxb

#732- Der Irrtum mit dem Eltern-Kind-Verhältnis:

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Der Irrtum mit dem Eltern-Kind-Verhältnis:
Kinder haften für ihre Eltern

"Eltern haften für ihre Kinder". Wer kennt diesen altbekannten Spruch nicht, der auf hübsch auffälligen, gelb leuchtenden Warnschildern zahlreiche Baustellen in Deutschland ziert? Den Spruch hat wohl jede und jeder von uns schon das ein oder andere Mal gehört oder gelesen.

 

Das einprägsame Schild soll Kinder davon abhalten, Baustellen als Spielplätze zu erobern und gleichzeitig den Eltern noch einmal einschärfen, ihren Nachwuchs vom Klettern in dem Baugebiet abzuhalten. Warnt es die Eltern doch mit dem liebevollen Hinweis, dass sie für das Verhalten ihrer Kinder voll und ganz einstehen müssen. Nicht nur das! Laut der Aussage des Schildes sollen sie sogar für durch ihre Kinder verursachte Schäden haften müssen. Aber müssen sie das wirklich?
Vor allem auf einer Baustelle, die als "Abenteuerspielplatz" zum Spielen geradezu einlädt, kann es allzu leicht passieren, dass die Kleinen dort etwas beschädigen oder sogar selbst verletzt werden. Den Verbotsschildern nach soll die Haftung für die entstandenen Schäden in solchen Fällen bei den Eltern liegen. Eine generelle Haftung für den eigenen Nachwuchs würde jedoch auf "Sippenhaft" hinauslaufen, und die wurde in Deutschland zum Glück abgeschafft. Zumindest weitestgehend. Nach deutschem Recht haftet also zunächst erstmal jede und jeder für sich selbst. Wenigstens im Regelfall.
Dementsprechend haften zunächst einmal nicht die Eltern, sondern die Kinder selbst. Der Verschuldensmaßstab bestimmt sich bei Kindern nach Alter und Einsichtsfähigkeit. Grundsätzlich gilt die Siebenjahresgrenze. Wenn man dem Gesetzeswortlaut folgt, besteht folgender Grundsatz: Wer nicht das siebente Lebensjahr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich (§ 828 I BGB). Kinder unter sieben haften demzufolge schon mal gar nicht. Zwischen 7 und 18 Jahren richtet sich die Schuldfähigkeit nach der Einsichtsfähigkeit des Kindes oder des Jugendlichen (§ 828 III BGB). Für den Straßenverkehr macht das Gesetz sogar noch eine Ausnahme, indem es die Schuldunfähigkeit des Minderjährigen auf das zehnte Lebensjahr anhebt. Als Grund dafür wird angeführt, dass Kinder unter zehn Jahren noch nicht die besonderen Gefahren des fließenden Verkehrs einschätzen können. Wie auch, wenn es noch nicht einmal die meisten Erwachsenen können?
Wer sich jetzt fragt, wie das sein kann und wann die Eltern dann bitteschön für die Erziehung oder eben Nichterziehung ihrer Sprösslinge herangezogen werden können, erhält hier die Antwort: eine Haftung der Eltern entsteht dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht gemäß Â§ 832 BGB verletzen. Als Sorgeberechtigte sind sie demnach verpflichtet, ihr Kind zu beaufsichtigen und müssen für den Schaden eintreten, den der Minderjährige einem Dritten widerrechtlich zugefügt hat. Das aber auch nur, wenn der Schaden nicht auch bei "gehöriger Aufsichtsführung" entstanden wäre. Allerdings liegt auch hierin keine Durchbrechung des obigen Grundsatzes vor, da die Eltern nicht für die Fehler ihrer Kinder, sondern für ihre eigenen haftbar gemacht werden.
Richtig müsste der weise Warnspruch auf den Schildern also eigentlich lauten: "Kinder haften für ihre Eltern". Denn im Zeitalter erhöhter Pflegekosten, stellt sich die Frage, ob nicht eher die Kinder für ihre Eltern aufkommen müssen, wenn diese nicht für die Kosten für ihre Heimunterbringung aufkommen können oder wenn sie für ihre "Kleinen" irgendwelche Fesselverträge abgeschlossen haben. Aber das ist wohl eher ein Thema, dem wir uns ein anderes Mal widmen…

jr

#732- Logbuch: Freibeuter

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Logbuch: Freibeuter

Das Bermudadreieck, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2007. Dies sind die Abenteuer des Trinkschiffes der bsz, das mit seiner 15 Mann (und Frau) starken Besatzung jedes Wochenende unterwegs ist, um neue Kneipen zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Uni entfernt, dringt die bsz in fremde Galaxien vor, die nie ein Erstsemester zuvor gesehen hat.
Unsere erste Reise bringt uns zum Freibeuter. Diese Lokalität befindet sich direkt am Kap des Bermudadreiecks auf der rechten Seite. Sein dunkelrotes Gewand ist unschwer zu erkennen und auch der eindeutige Schriftzug mit aussagekräftigem Seemannsstern weist einem den Weg.
Auf die Wagemutigen, die bereit sind dieses Piratenschiff zu betreten, wartet eine warme, entspannte Atmosphäre in gemütlichem Rot. Gleich beim Betreten bemerkt man auch die Aquarien zur Linken, die mit schönen Bänken und etwas blauem Licht zum Hinfläzen einladen.
Wer lieber klassisch sein Bier oder Whiskey schlürfen möchte, der kann an braunen Holztischen Platz nehmen. Ob zu viert oder zu zweit – für jede Mannschaftsgröße ist etwas dabei.
Und auch die Getränkekarte ist nicht zu verachten. So gibt es hier das berühmte Hamburger Bier "Astra", welches selten im Ruhrpott anzutreffen ist, jedoch in jede gute Hafenkneipe gehört. Des Weiteren findet man die üblichen Verdächtigen in den Kategorien Bier, Whiskey und Likör. Für die Nichtschwimmer gibt es natürlich auch non-alkoholische Wässerchen. Und allesamt zu erschwinglichen Preisen, die man mit BAföG allemal zahlen kann.
Wer hingegen für sein Geld arbeiten muss, der sollte vielleicht mal hier nachfragen. Die Crew ist äußerst nett, für die meisten Späße zu haben (zum Hafengeburtstag musste man sich gar verkleiden) und stellt Coyote Ugly getrost in den Schatten. Nur auf der Bar wird selten getanzt.
Als Gast hat man es leider auch sehr schwer mal das Tanzbein zu schwingen, was nicht etwa an der Musik liegt, sondern vielmehr daran, dass das Freibeuter meist sehr gut besucht und somit rappelvoll ist. Die Klänge, die hier zu hören sind, kann man aber auch im Sitzen genießen. Bei guter Rockmusik, die von Hardrock, über Rockabilly und Rock’n’Roll, bis hin zu den Sportfreunden Stiller, für jeden Matrosen etwas zu bieten hat, kann man wunderbar einfach mal das Ruder los und sich treiben lassen. Oder sich ordentlich besaufen.
Denn bis zum Bahnhof und den damit verbundenen Nacht-Expressen bzw. der U-Bahn dauert es keine fünf Minuten, wodurch jedes Schiffchen auch wieder in den eigenen Hafen findet.


aw