Die Lust am Lesen

Geschrieben von clu am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

LeselernhelferInnen vom Mentor e.V. für mehr Chancengleichheit

Lesen öffnet Welten.Vor wenigen Tagen wurden die Ergebnisse des Bundesländervergleiches der Grundschulen veröffentlicht. Das Resümee: Bayerns GrundschülerInnen sind spitze, dicht gefolgt von SchülernInnen aus den neuen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die NRW-SchülerInnen landen nach Punkten im breiten Mittelfeld und die letzten Plätze belegen die SchülerInnen aus den Städten Hamburg, Berlin und Bremen. Der Vergleich zeigt jedoch auch, dass weiterhin die sozio-ökonomische Herkunft eine enorme Rolle in Bezug auf die Leistungen der SchülerInnen spielt, also dass Kinder aus ärmeren und Einwandererfamilien schlicht kaum Chancen haben, in der Schule gut zu sein.


Wer ist verantwortlich zu machen für diesen Missstand? Die Eltern, die lieber SuperRTL laufen lassen, anstatt vorzulesen, die LehrerInnen, die nicht engagiert genug sind, die MigrantInnen, die nicht schnell genug Deutsch lernen und die Sprache an ihre Kinder vermitteln, die PolitikerInnen, die lieber mit dem Euro als mit Chancengleichheit Staat machen? Die Diskussion wird zwar oft geführt, führt aber zu nichts.

Lesen lernen und Aufmerksamkeit bekommen

Ungleich erfolgreicher ist das Projekt Mentor e.V., dessen Initiator Otto Stender, Buchhändler aus Hannover, 2003 damit begann, etwas von seiner Liebe zum Lesen an SchülerInnen weiterzugeben, sich als „Leselernhelfer“ zu engagieren. Mittlerweile hat sich seine Idee zu einem bundesweiten Netz von Vereinen entwickelt, 2011 wurden in 40 Städten und Gemeinden rund 7500 SchülerInnen gefördert. Auch in Bochum existiert inzwischen ein Verein, der in allen Stadtteilen der Ruhrmetropole aktiv mit Grundschulen - neuerdings auch mit einigen Förderschulen – zusammenarbeitet. Hier rief Erika Walter, Schulleiterin im Ruhestand, 2007 den Verein ins Leben und holte bald die Buchhandlung Janssen mit ins Boot.
Das Konzept der LeselernhelferInnen ist einfach: EinE MentorIn trifft sich für eine Stunde in der Woche mit eineR SchülerIn zum Reden, Vorlesen und natürlich Lesen. Die Probleme der Kinder sind unterschiedlich, so dass manchmal zunächst der Wortschatz und die Sprache überhaupt und das Lesen einzelner Buchstaben und Wörter im Vordergrund stehen. Dabei wird kein strikter Lehrplan verfolgt, sondern auf die Wünsche und Interessen des jeweiligen Kindes eingegangen. Heidrun Abel, 2. Vorstandsvorsitzende und selbst Mentorin, erzählt, dass sie auch schon einmal die „sehr lange und komplizierte“ Anleitung von Fantasykarten mit einem Schüler las, da dieser sich partout nur damit beschäftigen wollte. Teilweise ist es für die Kinder die einzige Stunde in der Woche, die sich ein Erwachsener einzig ihnen widmet, ohne dass Mitschüler, Geschwister oder Verpflichtungen die Aufmerksamkeit schmälern – was dazu führt, dass sich die Kinder auf die Lesestunde freuen und sie nicht als lästig empfinden. Ziel ist es, den SchülerInnen durch eine regelmäßige gemeinsame Lesestunde Spaß am Lesen und an Büchern zu vermitteln und dadurch Fortschritte beim Lesen, Schreiben und im Sprachgebrauch zu ermöglichen.
Nach anfänglicher Skepsis der Schulen und LehrerInnen, die MentorenInnen könnten sich in Pädagogik und Lehrplan einmischen, seien diese nunmehr froh über die Unterstützung, die in dieser Intensität von LehrerInnen nicht geleistet werden kann. Grundsätzlich findet eine Förderung aber nur statt, wenn die Eltern des Kindes einverstanden sind. Meist, so Heidrun Abel, seien diese aber froh über das Angebot, auch weil andere Hilfen für die Familien oft finanziell unzumutbar seien. Trotzdem darf die Lesestunde nicht als Hausaufgabenbetreuung oder Nachhilfe verstanden werden.

Es fehlen junge Ehrenamtliche

Das Konzept von Mentor e.V. scheint aufzugehen, denn die SchülerInnen machen laut dem Verein fast immer große Fortschritte und gewinnen gleichzeitig an Selbstvertrauen. Doch obwohl bereits mehr als 240 Ehrenamtliche in Bochum beim Lesenlernen helfen, ist der Bedarf noch lange nicht gedeckt. Viele SchülerInnen warten noch auf eineN LeselernhelferIn. MentorIn werden kann jedeR, der/die Interesse an Kindern und am Lesen hat. In Bochum sind bisher vorwiegend Frauen aktiv, obwohl gerade Jungen sich sehr über männliche Leselernhelfer freuen würden und von ihnen profitieren könnten, da männliche Bezugspersonen heute oft im Leben der Kinder fehlen. Auch junge Menschen beteiligen sich bisher eher mäßig am Projekt, eine Tatsache, die besonders in einer Universitätsstadt zu Denken geben sollte. Man sollte meinen, dass gerade Studierende sich über den Wert des Lesen-Könnens bewusst sein sollten und durch Engagement ein Zeichen für mehr Chancengleichheit setzen würden!

Interessierte können sich jederzeit hier melden:
Mentor Bochum e.V,
Brüderstr. 3 (Buchhandlung Janssen), 0234/13001,
www.Bochum-Mentor.de,
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