Der Platz des Europäischen Versprechens war eine nette Idee

Geschrieben von fik am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Ohne Versprechen

1-2-PeV2010 sollte er präsentiert werden, der Platz des Europäischen Versprechens (PeV), passend zum Kultuhauptstadtjahr. Doch er ist immer noch nicht fertiggestellt und das wird er wahrscheinlich auch nie. Aber warum tut sich die Bochumer Politik mit dem PeV so schwer? Wie konnte es zu diesem unvollendeten Platz kommen?

„Man sieht einem öffentlichen Raum an, ob er gewollt ist oder nicht“, sagt Thomas Wessel, Pfarrer der Christuskirche, die sich direkt am PeV befindet. Auf dem Platz des Europäischen Versprechens sollten Namen verewigt werden, von Menschen, die ihr Versprechen an Europa abgeben wollen. Ursprünglich war dies eine Idee des Künstlers Jochen Gerz für das Kulturhauptstadtjahr 2010. Bereits 2006 fasste die Stadt den Beschluss, den PeV zu errichten. Für insgesamt 362.500 Euro. Zügig schnellten die Kosten in die Höhe, erst waren es 560.000 Euro, dann 1,3 Millionen und schließlich sollte das gesamte Projekt über drei Millionen Euro kosten. Mittlerweile war die Stadt Bochum jedoch im Nothaushalt und hatte kaum mehr Geld für Aufgaben, die nicht gesetzlich vorgeschrieben waren, wozu auch die Kunst gehört. Außerdem kam inhaltliche Kritik an dem Konzept von Jochen Gerz auf.Da alle Namensgeber*innen ihr Versprechen geheim abgeben, könnte der Platz auch Raum für rassistische, sexistische oder antisemitische Äußerungen bieten.

Der größte Kritikpunkt blieb jedoch die Höhe der Kosten. Gerz wollte immer mehr Geld für den Platz. Er selbst verdiente auch gut mit dem Konzept. Insgesamt bekam er für die Jahre 2007 bis 2010 jeweils 141.100 Euro Honorar, also insgesamt 564.400 Euro. Insbesondere die Kosten für die Namensplatten stiegen stark an. Die Stadtverwaltung schob die Schuld dafür auf Gerz ab, er wiederum auf die falschen Planungen der Verwaltung. Aus Sicht von Jochen Gerz waren die geplanten Kosten für sein Konzept noch sehr gering. Die Platten hätten auch schnell 12,5 Millionen Euro kosten können, sagte er der Presse.

Die Begeisterung innerhalb der Bevölkerung für den Platz war trotzdem ungebrochen. 2007 hatten schon über 1.000 Bürger*innen unterschrieben, 2009 waren es mehr als 9.000 und bis heute haben etwa 13.000 Menschen ihr Versprechen für Europa abgegeben. Gerade im Zuge der Euro-Krise ein positives Symbol. Leider ist und bleibt dieses Zeichen zu teuer, für eine hoch verschuldete Stadt wie Bochum. Bisher wurden für den PeV 1,76 Millionen Euro ausgegeben, das Land NRW hat davon 590.000 Euro übernommen. Die Bauarbeiten am Platz selbst sind zwar vollendet, eine Namensplatte liegt in der Christuskirche, aber mehr ist wohl auch nicht mehr zu erwarten. Pfarrer Thomas Wessel kämpft jedoch weiter für sein Herzensprojekt und übt öffentliche Kritik an der Stadt: „So wie er (der PeV, Anm. d. Red.) derzeit ist, ist er sinnlos.“ Es fehlen noch 23 Namensplatten, eine weitere ist bereits finanziert, aber noch nicht verlegt. Insgesamt werden dafür noch etwa 1,7 Millionen Euro benötigt, so Wessel. Außerdem beklagt er „eine tendenzielle Verwahrlosung dieser Ecke.“

Eine kleine Hoffnung bleibt

Ein wenig Hoffnung machte die Stadtverwaltung auf etwas mehr Geld. Jedoch durchkreuzte die Bochumer Politik diesen Plan schnell. „Das Land haben wir überzeugt, nochmals eine weitere Million in das Projekt zu stecken“, sagt Wessel. Geld, dass die Stadt aus Vermietungen ehemaliger Flächen des Bochumer Vereins im Westpark einnimmt und das aufgrund von Förderrichtlinien eigentlich an das Land überwiesen werden müsste. „Wir hatten die Idee, dieses Geld in die Fertigstellung des Platzes zu investieren“, sagt Stadtbaurat Ernst Kratzsch. Das Landesministerium signalisierte Zustimmung. Jedoch wollte die Politik in Bochum das nicht. Das Geld wird für dringend notwendige Investitionen benötigt. Resigniert wünscht sich Wessel sogar die alten Parkplätze zurück, die vorher auf dem Platz waren. Vielleicht wäre allen Beteiligten so viel Ärger erspart geblieben.

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