Die GEMA plant eine existenzgefährdende Preiserhöhung für Clubs

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Droht 2013 das Club-Aus?

1-1-Bahnhof-LangendreerDeutschlands ClubbetreiberInnen bangen um ihre Existenz. Der Grund dafür ist eine „Vereinfachung“ des Tarifsystems der GEMA. Die Verwertungsgesellschaft vertritt die Urheberrechte von mehr als 64.000 MusikverlegerInnen, TextautorInnen und KomponistInnen in Deutschland. Nach eigenen Angaben will sie mit der Reform rund zehn Prozent mehr Gewinn für UrheberInnen erzielen. Dieser Mehrbetrag soll durch eine Erhöhung der Eintrittspreise entrichtet werden. KritikerInnen weisen auf diverse Sondererhöhungen hin, die vor allem kleine und mittlere Veranstaltungsorte gefährdeten. Betroffene haben nun eine Petition vorgelegt.
„Für uns ist es völlig inakzeptabel, wie die GEMA ihre faktische Monopolstellung ausnutzt, um Tarife und Preiserhöhungen durchzusetzen, die eine lebendige kulturelle Szene existenziell gefährdet“, teilt der Bahnhof Langendreer auf seiner Website mit. Auch hier ging am vergangenen Samstag um kurz vor Mitternacht für fünf Minuten die Musik aus. Die BetreiberInnen protestierten mit der Aktion „5 vor 12“ gegen die Neuerungen. Wie viele andere Clubs in Deutschland bangt der Bahnhof Langendreer um seine Existenz. Die GEMA hat eine Reihe von Veränderungen geplant, die VeranstalterInnen ab Anfang 2013 teuer zu stehen kommen könnten. Bisher werden Gebühren in elf Tarifstufen erhoben, diese sollen auf zwei Stufen gestrafft werden. Dies ist dann nur noch die Unterscheidung zwischen Tonträgern und Live-Musik. Auch soll sich der Tarif nach Überschreitung einer Veranstaltungsdauer von fünf Stunden um 50 Prozent erhöhen, anschließend kommen im Drei-Stunden-Takt jeweils weitere 50 Prozent hinzu. Bei Nutzung eines Laptops sind dann nochmal 30 Prozent des Gesamtbetrags fällig. Auch die Größe des Veranstaltungsortes spielt eine Rolle. Da diese aber in 100qm-Einheiten erfasst werden, fühlen sich gerade kleinere Clubs benachteiligt.

Lebendige Kultur-Szene bedroht

„Tritt diese Tarif-Reform in Kraft, bedeutet das für den Bahnhof Langendreer eine Steigerung der GEMA Kosten um 277 Prozent“, rechnet die Bochumer Kultlocation vor. Dort sei man durch die geplante Maßnahme „existenziell betroffen“. Als erstes würden der Erhöhung der Abgaben kleinere Veranstaltungen zum Opfer fallen, die sich über Eintrittsgelder nicht finanzieren lassen. Dies seien in erster Linie „Amateur- und semiprofessionelle Bands, Jazz, interkulturelle/ Weltmusikkonzerte.“ „Völlig inakzeptabel“ sei, dass die GEMA ihre „faktische Monopolstellung“ ausnutze, um die Preise zu erhöhen.  Auch seien im Gastronomiebereich 60 Prozent der Arbeitsplätze bedroht.

Petition: Erfolg in Sicht

Der Bahnhof Langendreer ruft daher dazu auf, eine jüngst gestartete Petition an den Bundestag gegen die Tarifreform zu unterschreiben. Der Text spricht von einer „noch nie dagewesenen Vorgehensweise und Arroganz“ der GEMA. In einer beigefügten Beispielrechnung heißt es­: „Bei durchschnittlich zehn Veranstaltungen pro Monat in einer mittelgroßen Discothek mit 2 Dancefloors von z.B. 410 und 310 qm bei einem Eintrittsgeld von 8 Euro erhöhen sich die GEMA-Gebühren (inkl. aller Zuschläge) von 21.553 Euro netto/Jahr auf 147.916 Euro netto/Jahr (+ 686 %).“ Die UnterzeichnerInnen fordern den Bundestag auf, „den ausufernden Forderungen der Verwertungsgesellschaften endlich ein Riegel“ vorzuschieben. Der Verfasser der Petition, Matthias Rauh von giga event ist zuversichtlich: Die benötigten 100.000 Unterschriften seien „schon in Reichweite“. Dies zeige „deutlich wieviel Interesse in Deutschland besteht, die Kulturlandschaft zu erhalten.“


Die Front gegen die GEMA-Neuregelung wird auch von den großen Locations mitgetragen. Die 2009 zum „Besten Technoclub der Welt“ gekürte Edeldisco Berghain in Berlin will Ende des Jahres schließen, sollten die Preise 2013 erhöht werden. In der Hauptstadt gab es zudem in der vergangenen Woche eine Demonstration von Clubbetreiber­Innen, KünstlerInnen und Konsument­Innen. An Letztere appelliert auch der Bahnhof Langendreer: „Du kannst uns unterstützen mit deiner Stimme, damit wir auch noch ab 2013 die Nächte mit Dir durchfeieren dürfen“.