Ist der Offene Ganztag in Bochumer Grundschulen gefährdet?

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Schule bis in den Nachmittag

 

1-2-web-flickr-by-jbrownell-CC-BY-NC-ND-2In den nächsten Jahren sollen insgesamt zwölf Grundschulstandorte geschlossen werden. Mittlerweile haben alle (bis auf eine) Grundschulen ein offenes Ganztagsangebot. Wie kann der Offene Ganztag in Zukunft organisiert werden, wenn einige Schulen geschlossen werden?

Der Offene Ganztag ist in den vergangenen Jahren an Grundschulen zur Normalität geworden. Flächendeckend wird diesesr erst seit 2003 angeboten. In Bochum findet derzeit an 47 Standorten eine Betreuung im Offenen Ganztag statt. Insgesamt besuchen mehr als 4.700 Schüler*innen den Offenen Ganztag, das sind mehr als 40 Prozent aller Grundschulkinder. Nun fürchten Politiker*innen jeglicher Coleur, dass auch das Ganztagsangebot darunter leidet, wenn zwölf Grundschulstandorte geschlossen werden. „Wenn nun aufgrund des erheblichen Schülerrückgangs seit nunmehr über 15 Jahren ­– im Primarbereich hat sich die Schüleranzahl um mehr als ein Viertel verringert – Grundschulstandorte aufgegeben werden müssen, um die Lehrerversorgung und damit die Unterrichtsqualität zu sichern, darf dies auf keinen Fall zu Lasten des Ganztags gehen“, sagt der Schulverwaltungsamtsleiter Ulrich Wicking. Der schulpolitische Sprecher der Linken im Rat der Stadt Bochum, Ralf Feldmann, wirft dem Schulverwaltungsamt hingegen vor: „Die Sicherung und der weitere Ausbau der Angebote im Offenen Ganztag sind ein Knackpunkt im Streit um Grundschulschließungen. Die bisherigen Vorschläge der Verwaltung enthalten für die künftige Bedarfsdeckung im Offenen Ganztag weder einen Nachweis noch ein schlüssiges Konzept.“

Angebot und Nachfrage

Die Nachfrage nach Plätzen in Offenen Ganztagsschulen (OGS) wird immer größer. Insgesamt scheinen derzeit die Plätze auszureichen, jedoch nicht immer in der Schule des eigenen Kindes. „Der allgemeine Hinweis, es seien in Bochum noch 190 OGS-Plätze verfügbar, geht am Problem vorbei. Mütter und Väter brauchen die Plätze wohnortnah. Wer in Wiemelhausen wohnt, dem nützt ein OGS-Platz in Wattenscheid gar nichts“, sagt Ralf Feldmann. „Erfreulich ist, dass zusammen mit den Verbänden des Offenen Ganztags und den schulischen Fördervereinen bislang kein Kind unversorgt bleiben musste. Durch intelligente Systeme und Inanspruchnahme zusätzlicher Räume, die im Vormittagsbereich unterrichtlich genutzt werden, sind die Gruppenzahlen im Interesse der Eltern deutlich ausgeweitet worden. Trotzdem gelingt es nicht immer, einen OGS-Platz an der ‚Wunschschule‘ zu bekommen – doch an anderen Stellen gab es stets noch die Möglichkeit zu helfen“, entgegnet Ulrich Wicking.

Ein Systemwechsel muss her

In ihrer Konsequenz sind sich hingegen Politik und Verwaltung einig: „Über den Offenen Ganztag hinaus muss die künftige Schulentwicklungsplanung Modell-Angebote von Grundschulen mit verpflichtendem Ganztagsangebot vorsehen“, sagt Ralf Feldmann. Ulrich Wicking ergänzt dazu: „Wir brauchen in unserer Stadt zukünftig gebundene Ganztagsschulen im Grundschulbereich, anders lässt sich die Nachfrage auf Dauer nicht mehr befriedigen.“ Laut dem Schulverwaltungsamt ist der Offene Ganztag in Bochum gut aufgestellt, die Plätze werden weiter zunehmen und die Schüler*innenzahlen weiter abnehmen. Deswegen sieht Ulrich Wicking das größere Problem auch in der Art des Ganztages: „Viel wichtiger ist es schließlich, einen Bochumer Weg zur Einrichtung und zum Ausbau echter Ganztagsgrundschulen aufzuzeigen, wie dies die Verwaltung in ersten Vorschlägen bereits für die Standorte Rastenburger Straße in der Stadtmitte und Schulstraße in Wattenscheid aufgezeigt hat - aber auch für die anderen Stadtbezirke zeichnen sich hierfür mögliche Lösungen ab.“