Oktoberfest im FZW?

am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

1-1_Cornelia_SuhanProtest gegen Privatisierung des Freizeitzentrums West in Dortmund


42 Jahre lang betrieb die Stadt Dortmund das Freizeitzentrum West (FZW). Die Stadt ist pleite und nun hat Dortmund die Betreiberschaft an ein privates Unternehmen übergeben. Nicht nur das Ende einer blühenden Jugend- und Popszene im neuen „Kreativquartier“ um das Dortmunder U steht bevor, auch die Weiterbeschäftigung der freien MitarbeiterInnen des FZW steht auf dem Spiel.

Dortmund hat per Gebot den Betrieb des Freizeitzentrums versteigert. Die panUrama GmbH hat am meisten geboten. 135.000 Euro Miete im ersten Jahr und 150.000 Euro für die folgenden. Das Jugendamt Dortmund, das in der Vergangenheit verantwortlich für den Betrieb des FZW war, kann sich nun für bis zu 40 Veranstaltungen im Jahr bei panUrama in den Räumlichkeiten des FZW einmieten.
Die Frage, wie Dortmund so mit dem neuen privaten Betreiber spart, stellen sich auch die MitarbeiterInnen in ihrem offenen Brief vergangene Woche: „Was ist das für ein Geschäft, wenn ein privatwirtschaftlicher Betreiber eine Veranstaltungsstätte durch verklausuliertes Gegenrechnen zum Nulltarif erhält, die Stadt diese aber weiterhin mitfinanziert und der Etat für Jugendkulturveranstaltungen im sechsstelligen Bereich gekürzt wird?“
Wichtiger als die Frage des Geldes ist, und das gerade im pompös gefeierten Kulturhauptstadtjahr, wo die Kultur dabei bleibt. Auch dazu äußern sich die MitarbeiterInnen: „Hochkultur von Theater, Schauspiel und Konzerthaus kann in Dortmund auch in finanzschwacher Zeit weiter bezuschusst werden – und zwar in Millionenhöhe! Pop- und Jugendkultur sowie Engagement für die freie Jugendszene werden dagegen weggespart.“

Alle mal lachen

Um dem FZW wieder mehr Leben, respektive Rendite einzuhauchen, planen die Betreiber Till Hoppe und Thomas Pieper das Programm, um die Sparte „Comedy“ zu erweitern. Lachen auf Oktoberfestniveau ist die Befürchtung: Einer der beiden panUrama-Geschäftsführer war Mitveranstalter des Oktoberfestes in Münster. Pauken statt Punk? Kämmerer der Stadt, Jörg Stüdemann, erleichtert über die Vergabe an panUrama und das nun scheinbare Ende der Verhandlungen, hofft, dass das Haus wieder positive Aufnahme in der Stadt und in der Region findet.
Die MitarbeiterInnen haben ihren Ärger über die Privatisierung des FZW und den drohenden Arbeitsplatzverlust in einem offenen Brief kundgetan. Bislang seien keine Gespräche mit den MitarbeiterInnen geführt worden. Das soll sich in dieser Woche ändern. Besonders erstaunt seien die MitarbeiterInnen darüber, dass nun von einer angeblichen Wirtschaftlichkeit des FZW gesprochen wurde: „Bis vor kurzem war nie davon die Rede, dass das FZW Gewinne erzielen solle. Die langjährige Praxis hat sich eher an anderen Zielen orientiert. Und wenn schon Wirtschaftlichkeit gefordert wird, so sollte es den Damen und Herren, die dies fordern, auch klar sein, dass dies eine tragfähige Unternehmensstruktur voraussetzt.“  Eine Unternehmensstruktur habe es, zumindest zur Neueröffnung nicht gegeben, so sei das neue FZW auf „Anordnung“ des ehemaligen Bürgermeisters Gerhard Langemeyer „ohne eine rechtlich abgesicherte Betreibergesellschaft“ eröffnet worden.

Kein Ende in Sicht

Die Stadt hat zunächst, was sie wollte. Doch dass nun ein neuer Betreiber gefunden wurde, heißt nicht, dass sich die Probleme um das FZW gelöst hätten. Dortmund droht nun eine Klage wegen  Verstoßes gegen EU-Richtlinen. Der Vorwurf lautet, die Stadt verstoße gegen das Verbot für staatliche Beihilfen, da die Miete, welche die Stadt nun für Veranstaltungen an die Betreiber zahlen müssen, höher liegt als in vergleichbaren Räumlichkeiten. Damit hätte panUrama seinen Pachtzins wieder raus. Auch die restlichen Bewerber wollen gegen die Vergabe klagen, da sie mangelnde Transparenz und Diskriminierung im Vergabeverfahren sehen. Das Konsortium aus der  Bietergemeinschaft SMG Deutschland/AWC Investment als Kläger sowie die DIAX Ltd. als Nebenkläger vermuten, dass die Stadt die Vergabe an panUrama vor allem aus finanziellen Gründen zugestimmt habe, da diese am meisten geboten habe – obwohl SMG, Betreiber der KöPi Arena in Oberhausen, als auch das der Kölner Beratungs- und Projektentwicklungsunternehmen AWC AG ebenfalls zugesagt hatten, den Betrieb zu bestehenden Konditionen und Verträgen mit dem Hauseigentümer und der Brauerei zu übernehmen. Also ist vorerst kein Ende des Streits in Sicht.