Gläserne Decke

am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

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Neue Internetplattform für Wissenschaftlerinnen


Seit vergangener Woche gibt es eine neue Plattform für Wissenschaftlerinnen. AcademiaNet soll zur Erhöhung des Frauenanteils in wissenschaftlichen Führungspositionen und Gremien beitragen. Die Datenbank ist ein Projekt der Robert Bosch Stiftung, die nun mithilfe verschiedener Partnerinnen und Partner die Frauen der Wissenschaft über die üblichen Strukturen hinaus bekannt machen will.


Dr. Angela Merkel war angereist, um die Plattform freizuschalten. In ihrer Rede lobte sie die Fortschritte der vergangenen Jahre, dass nun auch mehr Frauen in verschiedenen Ämtern der Bundesregierung sitzen – sie ist ja nicht zuletzt das Beispiel einer erfolgreichen Frau schlechthin.  Die Karriere einer Frau sei nicht so strategisch planbar sei wie die eines Mannes  – auch wegen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das zeige eben die Notwendigkeit einer solchen Plattform. Gut, dass es jetzt AcademiaNet gibt, das „Profile von herausragenden Wissenschaftlerinnen aufgenommen und gezielt in den Wissenschaftsbetrieb eingebracht werden, etwa für Gremienarbeiten, Berufungskommissionen, Tagungen und verschiedenste wissenschaftliche Veranstaltungen. Ich denke, dadurch wird die wissenschaftliche Szene bereichert“, so die Kanzlerin in ihrer Rede.

Frauen im Aquarium

Der Begriff der Gläsernen Decke – der auf ein Experiment mit Fischen, die nach vergeblichen Versuchen das Futter, das auf einem Glas auf ihrem Aquarium liegt, zu erreichen aufgeben und hungern – ist zum Synonym für das Verharren der Frauen in unteren oder mittleren Positionen und Beschäftigungsverhältnissen geworden. Der biologistische Vergleich der Gläsernen Decke wird oft so gedeutet, als seien es die Frauen selbst, die aufgeben und sich nicht weiter um den Aufstieg in Führungspositionen bemühen. Zwölf  Prozent der höchstdotierten Professuren in Deutschland sind mit Frauen besetzt, aber liegt das daran, dass Frauen nicht wollen? Laut amerikanischer Studien liegt es eher an den besseren Netzwerken, welche die männlichen Wissenschaftler unterhalten. Da soll AcademiaNet nun Abhilfe schaffen.

500 Frauen

Das Netzwerk, auf dem momentan 500 Profile von „exzellenten Wissenschaftlerinnen“ aus der Bundesrepublik abrufbar sind, will wachsen und in den nächsten fünf bis sieben Jahren dafür sorgen, dass sich der Anteil der Frauen im Wissenschaftsbetrieb auf mindestens 24 Prozent erhöht. Frau Merkel prophezeit, dass in zwanzig Jahren „an dieser Stelle ein Mann wird stehen müssen und überlegen, wie man das Ganze wieder ins rechte Lot bringt“. Schon heute sind etwas mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen weiblich. Dieses Potential darf nicht ungenutzt bleiben, so hört und liest man immer wieder. Auch die Robert Bosch Stiftung will mit dem Datenportal seinen Teil dazu beitragen, dass das Potential, dass eben vor allem aufgrund der Unsichtbarkeit der Frauen nicht genutzt wird, ausgeschöpft wird. Um überhaupt ein Profil auf der Seite unterhalten zu können muss man von einem der Partner der Plattform, etwa der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Wissenschaftsrat benannt werden. Weitere Kriterien sind die Publikationstätigkeit, Preise, erfolgreich eingeworbene Drittmittel und auch die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sind ein Signifikant der Aufnahmebedingungen.

Alte Hüte

Frauen sind gar nicht so schlecht vernetzt wie die amerikanische Studie, die die Robert Bosch Stiftung zur Grundlage ihrer Argumentation heranzieht suggeriert. Die Seite femconsult.de etwa, macht schon seit Jahren das, was AcademiaNet nun als Novum auszeichnen soll. Seit 1994 gibt es die Wissenschaftlerinnen-Datenbank und es ist nicht die einzige, wie ein Blick auf die Seite des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS) zeigt. Das Problem der Unsichtbarkeit liegt wohl eher darin, dass Wissenschaftlerinnen übersehen werden, weil Männer, die auf der Suche nach Frauen für Gremien, Preisjurys, Tagungen und Spitzenpositionen sind, eben ihre eigenen Netzwerke durchforsten. Eine bessere Eingliederung der vorhandenen Frauen-Netzwerke in die Informationsstrukturen scheint eine bessere Lösung des Problems zu sein, denn wem nützt eine Datenbank die keiner kennt?

Infos: www.academia-net.de