#830 - Von der Gambe bis Grönemeyer

Geschrieben von eRe am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Musikausstellung auf Haus Kemnade

Auf Haus Kemnade ist viel los. Im Moment lockt eine Ausstellung über die Geschichte der Musik in Bochum mit dem Titel „Von der Gambe bis Grönemeyer“. Alle Arbeit hinter dem ehrgeizigen Projekt ist ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement, denn eine gelungene Ausstellung braucht nicht das Ruhr-2010-Siegel und viel Geld der Stadt, um einen Besuch wert zu sein.

Foto: eReBochum hat eine lange Geschichte, ebenso das Haus Kemnade und die Musikinstrumentensammlung Grumbt. Da ist eine Ausstellung zum Thema Musik und ihrer Geschichte in Bochum eine naheliegende Idee. Jetzt kann man im historischen Gebäude des Hauses Kemnade einen Blick in die Geschichte der Musik werfen. Die Ausstellung beinhaltet Teile der größten Sammlung historischer Musikinstrumente in NRW.

Alt und Neu

Eines der Kernstücke der aktuellen Ausstellung ist eine der wenigen im Original erhaltenen, von Michel Colichon 1689 gefertigte, siebensaitigen Tenor/Bassgamben, die der Ausstellung auch ihren Namen gab. Diese Gamben zählen aufgrund ihrer gekonnten handwerklichen Gestaltung, der Holzverarbeitung, der Lackierung, aber auch wegen ihres Klanges zu den größten Meisterwerken der Instrumentenbaukunst.
Auch die geistliche Musik des Mittelalters wird in der Ausstellung thematisiert. Zu sehen ist unter anderem das Antiphonale der Bochumer Propsteikirche St. Peter und Paul aus dem 14. Jahrhundert. Es enthält die Stundengebete der römisch-katholischen Kirche. Aber auch wirklich neue Bochumer Musikgeschichte ist Thema der Ausstellung. Eines der Ausstellungsstücke ist ein Plakat von Grönemeyer aus seiner Zeit im Schauspielhaus. Darauf ist er in dem Kostüm zu sehen, das er in einem Stück über die Beatles trug. Außerdem kann man Grönemeyers ersten Plattenvertrag im Original bewundern.

Musik statt Wurst

Die Kollektion, aus der die Ausstellung einige der schönsten Stücke präsentiert, wurde begonnen von den Sammlern Grumbt und van Kalker. Heute wird sie verwaltet vom „Förderverein Haus Kemnade und Musikinstrumentensammlung Grumbt e.V.“, der auch die aktuelle Ausstellung auf die Beine gestellt hat. Der lange Name des Vereins ergibt sich aus der Gründungsgeschichte: Das Haus Kemnade befindet sich auf Hattinger Stadtgebiet, gehört aber der Stadt Bochum. 1999 sollte sich das ändern und der ehemalige Adelssitz an einen namhaften, in Bochum ansässigen Wurstfabrikanten verkauft werden. Eine aktive Bürgerschaft wusste dies mit 30.000 gesammelten Unterschriften zu verhindern. Aus den aktiven Bürgerinnen und Bürgern, die sich dort zusammenfanden, wurde ein Verein zur Unterstützung von Haus Kemnade. Dieser tat sich 2004 mit dem „Verein zum Erhalt der Musikinstrumentensammlung Grumbt“ zusammen.

Grumbt und van Kalker

Der Musiker Hans Grumbt (1898-1989) und seine Ehefrau Hede (1896-1995) sammelten ihr ganzes Leben Musikinstrumente, Musikfachliteratur und Musikalien aus der ganzen Welt und aus allen Epochen. So entstand eine der größten privaten Sammlungen Nordrhein-Westfalens, die das Ehepaar bereits zu Lebzeiten der Stadt Bochum schenkte. Heute gehören zu dieser umfassenden Sammlung auch die über 55 Klarinetten aus der Zeit von 1800 bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, die 1995 Johan van Kalker der Sammlung hinzufügte. Der 2004 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, sowohl Haus Kemnade als auch die auf Kemnade beheimateten Sammlungen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie sind in ihrem Ansinnen erfolgreich: Das Haus Kemnade, die Gastronomie im Hof des Herrenhauses nicht mitgerechnet, hat fast so viele Gäste im Jahr wie das Kunstmuseum in Bochum. Dabei ist alle Arbeit der Vereinsmitglieder rein ehrenamtlich. Somit ist auch die Ausstellung „Von der Gambe bis Grönemeyer“ eine Ausstellung von BürgerInnen für BürgerInnen. Wer sich von der guten Arbeit des Vereins selbst überzeugen möchte, hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr Gelegenheit dazu. Der Eintritt ist frei. Kostenlose Führungen gibt es immer sonntags um 12 Uhr.

Mehr unter: http://fv-hauskemnade.de

Foto: eRe