#829 - Von Lyrik bis Sprachspiel

am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

 

Phänomen Sprache

Am Anfang war das Wort. Johannes Heinrichs, freier Schriftsteller und ehemaliger Professor für Sozialökologie an der Humboldt Universität zu Berlin hat sich nun in fünf Bänden dem Phänomen der Sprache gewidmet. Er legt damit eine umfangreiche Systematik vor, in der er sprachliche Phänomene einer detaillierten Untersuchung unterzieht. Wie dekonstruiere ich Gedanken bis zu einer abstrakten sprachlichen Form und wie bringe ich sie in einen logischen Zusammenhang mit den sprachlichen Parametern des Stils oder des Satzbaus?

Johannes Heinrichs ist studierter Philosoph und Theologe, bereitete seine Dissertation zu Hegels Logik der Phänomenologie des Geistes am Hegel-Archiv in Bochum vor und ist unter anderem für seine Veröffentlichungen zur Handlungs- und Sprachtheorie bekannt. Außerdem verfasste er einige Aufsätze zur Mystik- und Kunsttheorie.

Ob philosophische Semiotik, Satzbau, Stilistik, Bedeutungs-, Handlungs- oder Zeichendimension von Sprache – Berücksichtigung finden die unterschiedlichen Teilgebiete rund um Sprache vorrangig auf einer ausdifferenzierten Metaebene. Erschienen sind die ersten drei Bände bereits im Jahr 2008 im Steno Verlag, 2009 legte Johannes Heinrichs die letzten zwei Bände nach. Im letzten Band zur Stilistik etwa ordnet er Stilphänomene mithilfe „sprachlogischer Differenzierung des empirisch vorliegenden Sprachstil-Materials“ und verortet sie „in einem sprachtheoretischen Ganzen“. Er erläutert den Facettenreichtum formaler und inhaltlicher Kniffe, den uns das weite Feld des sprachlichen Stils möglich macht. Es geht Heinrichs dabei jedoch weniger darum, vorzuschreiben, was etwa richtiger und guter Stil ist, sondern zu einer allgemeinen Stilbewusstheit und zu sprachlicher Reflexion anzuregen.

Sprachliche Spurensuche

Heinrichs Reflexionslogik kann in diversen thematischen Gebieten fruchtbar gemacht werden. Der Autor möchte „den unheilvoll gewordenen Graben zwischen den heillos zersplitterten Sprachwissenschaften und Philosophie mit wohl begründeten Einsichten überbrücken“. Diese Werke eröffnen sicher nicht nur Schreib- und Sprachbegeisterten sondern auch LiteraturfreundInnen eine neue Sicht menschlicher Sprachwelten. Wer sich bereits im Rahmen seines Studiums mit Sprache und ihren zahlreichen Formen beschäftigt, findet in den Büchern Heinrichs ein durchaus hilfreiches System, um seine Kenntnisse zu erweitern und fachspezifische Erkenntnisse und Methoden gewinnbringend zu verknüpfen. Während des Lesens sollte man jedoch darauf achten, dass man sich nicht in der grenzenlosen Bewunderung für die phantastischen Spiele der Sprache verliert.

Johannes Heinrichs „Sprache in fünf Bänden“ Erschienen im Steno Verlag, 2008 und 2009

Band 1: Die Zeichendimension

Band 2: Die Bedeutungsdimension

Band 3: Die Handlungsdimension

Band 4: Die Satzbauformel

Band 5: Stilistik