#727- Sozial verbrämte Kabel 1-Soap

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Sozial verbrämte Kabel 1-Soap
Trashige Telenovela-Tiefen
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Jühnde, ein 1000-Seelen-Dorf bei Göttingen, ist die Frauen los. Kabel 1 lässt für seine neue Doku-Soap die "Männer allein daheim". Die BBC-Adaption bietet allerdings trotz lustiger Idee ziemlich flaue Unterhaltung.

"Ich habe das Gefühl, dass Hunde und Kinder beide gleich schlecht auf mich hören", sagt Rüdiger Taetz. Dem 40-jährigen Feinmechaniker aus dem niedersächsischen Jühnde wird es direkt zu Beginn der ersten Folge von "Männer allein daheim" mulmig zumute. Ehefrau Kerstin ist noch nicht mal abgereist: Niklas (7) und die Zwillinge Emily und Annika (5) wuseln trotzdem schon frei Schnauze um den Familienvater herum.
Taetz ist eins von neun Versuchskaninchen im "Doku-Experiment", wie Kabel 1-Chefredakteurin Tanja Deuerling die Serie bezeichnet. "Wir wollten zeigen, wie wichtig die Frauen sind, auch wenn sie keinen eigenen Beruf haben", ließ Deuerling auf Nachfrage verlauten.Vorbild für "Männer allein daheim" war der britische Quotenerfolg "The week the women went". Bei BBC schalteten Millionen ein. Die Idee: Berufstätige Männer sollen mal sehen, wo sie ohne ihre Frauen bleiben. Dafür werden Letztere für acht Tage in den (Zwangs-) Urlaub geschickt. Episode für Episode beurteilen die Mütter nun auf dem Hotelsofa, wie sich ihre Männer schlagen.
Das Konzept kann nur in einer kleinbürgerlichen Idylle wie Jühnde aufgehen, in der Emanzipation ein Ammenmärchen zu sein scheint. Das Bioenergiedorf bietet nur Kirche und Kneipe. Der gut gewählte Handlungsort ist also ein Plus des Projekts.
Doku-Soaps scheitern indes häufig am Zwiespalt zwischen der (bisweilen langweiligen) Realität und dem Unterhaltungswillen der Macher. Daran krankt auch "Männer allein daheim". Denn nicht alle Jühnder vollziehen den Seelen-Striptease so locker und grundehrlich wie Rüdiger Taetz. Wenn Betriebsinstallateur Oliver Schumacher, ein Bär von einem Mann, bei der ersten Träne der Tochter selbst flennend davonrennt, wähnt man sich eher in traurig-trashigen Telenovela-Tiefen.                    Â
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