#727- Dichte Tage

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Dichte Tage
Kein Stau auf der A 40
Die Autobahn 40 befindet sich seit letztem Freitag im Abschnitt Mülheim-Winkhausen bis Essen-Frohnhausen in einem Zustand, der jedem aus Richtung Duisburg kommenden, Auto fahrenden Studenten kaum bekannt sein dürfte: Sie ist ausnahmsweise einmal staufrei! Genauer gesagt sogar ganz frei - zumindest für elf Tage.

Bisher verging wohl kaum ein Tag, an dem man auf der A 40, die sich von Dortmund aus durch das gesamte Ruhrgebiet erstreckt, nicht einmal wieder im Stau stand. Nicht umsonst wird der Ruhrschnellweg von den Bewohnern der Region auch liebevoll als "Ruhrschleichweg" oder "längster Parkplatz des Ruhrgebiets" bezeichnet. Doch diese Situation wird sich in den nächsten Tagen zunehmend verstärken, da die A 40 seit dem 6. Juli auf einer Strecke von 3,3 Kilometern gesperrt ist. Dieser Zustand wird bis zum 16. Juli anhalten, dann ist die Gegenrichtung an der Reihe.
Die Studenten unter uns, die bisher mit dem Auto zur Uni gefahren sind, werden die Totalabsperrung dieses Abschnitts also wohl oder übel hinnehmen müssen.

Ruhrschleichweg wird zum Ruhr-Sperr-Weg

Entschuldigt wird die Sperrung durch dringend notwendige Fahrbahnsanierungen. Dies behauptet zumindest Bernd Löchter, Sprecher des "Landesbetriebs Straßen NRW". Seiner Aussage nach, haben die schätzungsweise 100.000 Fahrzeuge am Tag, welche die A 40 nutzen, um zur Arbeit, in den Urlaub, oder zur Uni zu gelangen, Spurrillen hinterlassen, die es nun zu beseitigen gilt. Denn laut einer Aussage des ADAC sorgen diese Spurrillen dafür, "dass sich die Straße bei Nässe in eine Rutschbahn verwandelt", da sie die Gefahr von Aquaplaning fördern. Daher soll der Ruhrschnellweg nun mit so genanntem "offenporigen Asphalt" überzogen werden, welcher die Griffigkeit des Belags verbessern soll.
Außerdem soll die A 40 in den nächsten drei Jahren im Rahmen der "Verschönerungsarbeiten" im Ruhrgebiet auf Grund der Ernennung zur Kulturhauptstadt 2010 hübscher werden. So schlug unter anderem Bochums Kulturdezernent Hans-Georg Küppers vor, die Dortmunder Passagen der Autobahn schwarz-gelb zu markieren, die Bochumer blau-weiß, die Essener rot-weiß, die Duisburger wieder blau-weiß und so weiter. Die Fußballfans unter uns werden sich über dieses Farbenspiel wahrscheinlich freuen, die Autofahrer hingegen wohl eher weniger Begeisterung und Verständnis zeigen. Da sind wir ja mal gespannt, was sich unsere Politiker und Städteplaner noch alles einfallen lassen, um unsere "Ruhrstadt" aufzupeppen…

Auf Umwegen das Ruhrgebiet kennen lernen

Der Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW hofft darauf, dass das "große Chaos ausbleiben wird" und rät den Autofahrern, "den Bereich weiträumig zu umfahren". Eine mit orangefarbenen Pfeilen ausgeschilderte Umleitung über die Autobahnen 3 und 52 soll den Fahrern bei der Umfahrung helfen. Und wer den Bereich schließlich eng umfahren möchte, kann ja laut Löchter dem "roten Punkt folgen".
Allerdings gibt der Landesbetriebssprecher auch zu, dass man für diese farbenfrohe Umleitung "auf jeden Fall 20 Minuten mehr einplanen sollte als sonst". Das heißt für die armen Studenten dann wohl, dass sie in den sauren Apfel beißen und noch eher als ohnehin schon aufstehen müssen. Aber der fehlende Schlaf kann ja mit ein wenig Glück im Hörsaal bei der ein oder anderen langweiligen Vorlesung nachgeholt werden. Da kann man nur von Glück reden, dass bald die lang ersehnten Semesterferien anstehen und nur noch ein paar wenige Not leidende Studenten zur Uni fahren müssen, um Klausuren zu schreiben.
Immerhin gibt uns die Sperrung des Teilabschnitts der A 40 endlich einmal die Gelegenheit, neue Teile des Ruhrgebiets zu entdecken, während man sich über Landstraßen und durch die Bochumer Innenstadt mühselig den Weg zur Uni bahnt. So bekommen wir bald einen neuen schönen Asphalt und können gleichzeitig unseren kulturellen und geographischen Horizont erweitern.

Alternative Deutsche Bahn

Für den umwelt- und finanzbewussten Studenten bleibt ja schließlich auch immer noch die Möglichkeit auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Das spart einem die lästige Sucherei nach neuen Wegen, man muss nicht selbst fahren und spart zur Freude der eigenen Finanzen noch Spritgeld. Wozu zahlen wir denn schließlich jedes Semester aufs Neue für das Semesterticket? Zugegeben: Bahnfahren ist längst nicht so komfortabel wie Autofahren, aber man spart Geld und tut gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt. Um die Feinstaubbelastung zu senken, setzt man sich doch gerne freiwillig in ein überfülltes, lautes und meist muffiges Zugabteil und versucht sich am Bochum Hauptbahnhof in die überfüllte U 35 in Richtung Universität zu quetschen. So lernt man immerhin neue Menschen kennen und meist auch viele neue (nicht ganz so interessante, dafür aber umso unangenehmere) Gerüche.
Und ob man nun am Bahngleis auf den Zug wartet oder mal wieder im Stau steht, kommt am Ende ja auf das Selbe raus. Da kann man nur hoffen, dass die Deutsche Bahn mit ihrem Streik fertig ist.

m JR