#740- In aller Munde: Vogelspeichel und Katzenkot

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

In aller Munde: Vogelspeichel und Katzenkot

Lust auf kulinarische Abwechslung? Im neuen Jahr wartet eure bsz mit dem Beginn einer kleinen Serie auf, die den Leser über ess- und trinkbare Abartig- und Köstlichkeiten aus aller Welt informiert. Der parallele Konsum von Mensa-Bratwurst und Wochenzeitung ist dabei nur bedingt zu empfehlen.

 

Unsere kleine kulinarische Reise ins Reich der exotischen Delikatessen beginnt in Süd-Ost-Asien. In an Thailands Steilküsten gelegenen Höhlen brüten Salanganen – eine Vogelart. Sicher denkt der Leser jetzt an einen halben Salangan mit Pommes. Weit gefehlt. Nicht der Vogel an sich ist das Objekt der Begierde, sondern vielmehr seine circa vier Zentimeter großem Nester. Diese werden von waghalsigen Einheimischen mit bis zu 90 Meter hohen Leitern "geerntet". Der aus Vogelspeichel bestehende, gelatinöse Nestzement wird anschließend zu Suppe verarbeitet und nach China und Japan exportiert. Der unglaublich hohe Preis für die in Deutschland als "Schwalbennester" bekannten Köstlichkeiten beträgt beispielsweise in Hongkong 375 Dollar; für Nester mit "Spitzenqualität" muss man bis zu 1000 Dollar auf den Tisch legen. Gemessen am Gewicht sind die Nester damit nur ein Viertel billiger als Gold. Ihrem Wert verdanken die Nester weniger ihrem Geschmack als ihrer Seltenheit und der ihnen nachgesagten medizinischen Wirkung. Jedes Jahr lassen übrigens Dutzende Sammler beim Nestraub in Schwindel erregenden Höhen ihr Leben. In Deutschland findet man vereinzelt eine als Energiedrink aufgemachte Variante von thailändischem Vogelspeichel.
Blue de Brazil, Peruvian Gold, äthiopischer Sidamo, Katzenkot aus Indonesien? Aber sicher doch. "Kopi Luwak" ist erst wenige Jahre auf dem Markt, hat sich aber in dieser Zeit zum exklusivsten Aufgussgetränk auf Mutter Erde gemausert.
Luxus-Kaffee im
Katzenkot
Seine Entdeckung beruht dabei auf purem Zufall. Einheimische Schleichkatzen, ehemals eine Plage für die Kaffeebauern, fressen mit Vorliebe die reifen Bohnen von den Kaffeesträuchern und scheiden diese nahezu unverdaut wieder aus. Experimentierfreudige Bauern lasen jene Bohnen auf und stellten beim Rösten des Kerns fest, dass sich der Geschmack im Verdauungstrakt des Tieres in einzigartiger Weise verändert. Offenbar werden den Bohnen gewisse Bitterstoffe entzogen und dabei Proteine abgebaut. Laut Kennern hat der Kaffee ein unvergleichlich volles Aroma mit einer sirupartigen Schoko-Karamell-Note. Jährlich werden nur 230 Kilogramm hergestellt, was den Weltmarktpreis von 300 Euro pro Pfund oder fünf Euro pro Tasse erklärt. Mittlerweile wird an einer alternativen Herstellung mit Hilfe von Milchsäurebakterien geforscht, was den Kaffee wohl bald gesellschaftstauglich machen und im Gegenzug einen einzigartigen Herstellungsprozess von der Bildfläche verschwinden lassen wird.

Die bsz wünscht natürlich einen guten Appetit.


pxb