TUZ schließt – Ort des Lernens ist gegessen

Geschrieben von clu am . Veröffentlicht in Campus-News

Im Querforum West entsteht (wieder) eine Mensa!

Das Tutorienzentrum: Wo einst die freie Uni war, entsteht ’ ne teure Bio-Bar? Foto: clu

Letzte Woche gab die Pressestelle der RUB bekannt, was viele bereits ahnten und die meisten doch überraschte: Ab dem 5. November bleibt das Tutorienzentrum im Querforum West geschlossen. Grund dafür ist der doppelte Abiturjahrgang im Wintersemester 2013/14, der 4.500 zusätzliche Studierende an die RUB bringen wird. Deshalb soll das TuZ wie bereits in den Jahren 2003-06 als zusätzliche Mensa fungieren. Doch das TuZ hat auch schon andere Zeiten erlebt. Ein Rück- und Ausblick.

Seit dem Sommersemester 2007 diente das Gebäude als Tutorienzentrum. Hier konnte in ruhiger Atmosphäre gelernt und gearbeitet werden, allein oder in Gruppen. Hier wurden Tutorien abgehalten und gab es gut ausgestattete Arbeitsplätze mit W-Lan und Strom. Damit ist nun Schluss. Um die bereits an ihre Kapazitätsgrenze stoßende Hauptmensa in Zukunft zu entlasten, soll im TuZ eine neue Mensa entstehen. Doch zunächst muss umgebaut werden: Fast ein Jahr ist dafür eingeplant – viel Zeit, wenn man bedenkt dass das Querforum bereits in der Vergangenheit den Anforderungen einer Mensa entsprach. Um Lernenden eine Alternative zum TuZ zu bieten, werden nun die Mensa-Emporen als Lernflächen freigegeben. Diese sollen außerhalb der Essenszeiten täglich von 9-11 und 15-18 Uhr geöffnet sein. Zukünftig wird also in der Mensa gelernt – und im TuZ gegessen werden.

Feine Bio-Küche für ProfessorInnen?

Doch es gibt bereits Gerüchte, dass statt der Studierenden eher die ProfessorInnen von dem Umbau profitieren werden: Auf dem Campus wird gemunkelt, im TuZ solle eine Bio-Mensa entstehen. Diese wäre wegen hoher Preise wahrscheinlich nur für wenige Studierende eine echte Alternative und würde bald zu einer attraktiven Mensa für Lehrende werden, die sich dem Massenandrang der Hauptmensa entziehen und exklusiv sowie ohne Wartezeit speisen könnten.
Auch drängt sich die Frage auf, warum ein teurer Rückbau zur Mensa überhaupt notwendig ist. Vom kommenden doppelten Abiturjahrgang wusste man bereits 2006. Damals wurde das TuZ als Ersatzmensa während der Sanierung der Hauptmensa genutzt und hätte eigentlich als solche weiterbestehen können, anstatt jetzt zum zweiten Mal umgebaut zu werden.

„Freie Universität Bochum“  ist Geschichte

In diesem Zusammenhang sollte einmal an die einst im Querforum beheimatete „Freie Universität Bochum“ (FUB) erinnert werden. Nachdem am 27. April 2006 über 90 Studierende mit Polizeigewalt aus dem zur Verhinderung von Studiengebühren besetzten Sitzungssaal geräumt worden waren, wurde die hierdurch unterbrochene Senatssitzung am 22. Mai fortgesetzt. Als den studentischen ProtestlerInnen das Mikro abgedreht wurde, weil sie die Debatte über eine Gebührensatzung ergebnisoffen fortsetzen wollten, statt im Schnellverfahren Fakten zu schaffen, riefen ca. 100 Studierende die „Freie Uni Bochum“ (FUB) aus und zogen ins leerstehende Querforum West. Dieses hielten sie acht Monate besetzt und veranstalteten anderthalb Semester lang über 100 alternative Lehrveranstaltungen und kulturelle Events wie Lesungen, Konzerte und Filmvorführungen.

Die Lämmer zum Schweigen gebracht

Benjamin Bettinger, ehemaliger hochschulpolitischer AStA-Referent und Mitinitator der FUB, berichtet, dass aus der Fassungslosigkeit über die Arroganz und Ignoranz der ProfessorInnen, die ihre Mehrheit im Senat einfach ausnutzten, um die Studierenden zum Schweigen zu bringen und die Einführung von Studiengebühren durchzustimmen, die Frage aufkam, wie eine perfekte Uni sein sollte: „Offener sollte sie sein, jeder sollte frei reden dürfen. Keine Professoren, die einem das Wort abschneiden, stattdessen gleichberechtigt ohne Ausgrenzung und Beurteilung miteinander lernen“ – dies war von Anfang an die Devise der Freien Uni. Auch überregional berichtete die Presse, bildungspolitische Themen rückten in den Fokus der Öffentlichkeit, „die bundesweit erstarkende Bewegung gegen Studiengebühren traf sich regelmäßig in der FUB, um sich zu koordinieren“, erinnert sich Bettinger. Auch DozentInnen, Betriebsräte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete solidarisierten sich. Jedoch nicht ohne Gegenwind: „Das Rektorat drohte Dozenten, die sich solidarisch erklärt hatten, mit Rausschmiss, der Rektor stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruch“, so Bettinger. In den Morgenstunden des 31. Januar 2007 – mitten in der Wahlwoche zum Studierendenparlament der RUB – räumte eine Hundertschaft der Polizei auf Initiative der Unileitung schließlich das Querforum, mehrere der BesetzerInnen wurden vorübergehend festgenommen. Die nachfolgenden Verfahren wurden jedoch nach und nach eingestellt.
Doch das Positive überwiegt – zumindest im Rückblick: „Die FUB hatte eine erstaunliche Wirkung auf die RUB: Für eine kurze Zeit haben wir es geschafft, dass aus der typischen Pendler-Uni, die die Studierenden nur betreten, um ihre ‚Stunden‘ im Hörsaal ‚abzusitzen‘ und dann möglichst schnell wieder zu verschwinden, ein Ort wurde, wo Menschen auch nach der letzten Stunde oder zwischen zwei Kursen einfach mal dageblieben sind, um spannende Diskussionen über Politik oder irgendeine Fachwissenschaft zu führen, um sich einen Vortrag anzuhören, der nicht ‚abgearbeitet‘ werden muss, sondern einfach interessant ist.“

Begegnungszentrum für freie Entfaltung

Nun soll das Gebäude wieder gastronomisch in Anspruch genommen werden. Benjamin Bettinger hat einen Vorschlag, wie es idealerweise genutzt werden könnte: „Vielleicht fehlt dieser Uni genau ein solcher Ort, an dem sich Studierende außerhalb des stressigen Unialltags ungezwungen kennenlernen und über ihre Sorgen und Probleme ins Gespräch kommen können, um Tragödien wie den Selbstmord einer Kommilitonin an der RUB vor einigen Monaten zu verhindern. Ich würde es meinen Kommilitonen gönnen, dass dieses Gebäude wieder als Begegnungszentrum für Studierende genutzt wird, in dem sie sich frei entfalten können – die FUB hat gezeigt, dass es dafür ideal geeignet ist. Abfertigungsanlagen wie die Mensa und die Cafeten gibt es schon genug an dieser Uni; man müsste nur die Öffnungszeiten ein wenig verlängern, um den Besucherandrang in der Mensa besser zu verteilen.“

Kommentare   

0 #9 name 2012-11-09 01:25
Ich bin erschüttert darüber wie Benjamin Betttinger alles über Bord wirft, woran er jemals gegelaubt hat, um seiner Ausländerfeindl ichkeit endlich "als Linker" mal Ausdruck verleihen zu können. Salafisten hahah! Das ist doch nur die Chane für Anti-Muslime mal wieder Ausländer raus! zu rufen..
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+4 #8 Sozi 2012-11-08 11:55
@Bettinger: So kann man meinen Kommentar natürlich auch verdrehen. Unreflektiert ist lediglich dein Vergleich mit der NPD. Wenn die NPD dass Wort "Schmarotzer" für ihre Zwecke missbraucht, dann hat das überhaupt nichts mit dem Wortgebrauch im eigentlichen Sinne zu tun. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich nicht erinnern kann, dass so etwas jemals gesagt wurde. Schon gar nicht im Wahlkampf. Irgendwie sind solche Beiträge, ziemlich peinlich für dich und für die Sache (FUB),die ihr da damals durchsetzen wolltet. Jusos als "latente" Nazis zu bezeichnen ist ne' Unverschämtheit . Aber sowas ist man ja gewohnt. Einfach respektlos!
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-5 #7 Benjamin Bettinger 2012-11-08 01:56
Witzig finde ich übrigens auch das ihr mit euren Aussagen (... "Schmarotzer sind Personen, die vom Geld und der Arbeit anderer leben" und ... " Was sind dass da für stinkende Trottel?") sehr schön exemplarisch darstellt, auf welchem unreflektiertem und ressentimentbel adenem Stammtischnivea u die Debatte damals in vielen Kreisen geführt wurde, und anscheinend noch heute wird. Danke für die entlarvenden Beispiele! :-P
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-5 #6 Benjamin Bettinger 2012-11-08 01:32
Deine Konstruktion ist ziemlich fragwürdig... aber auch exemplarisch und überrascht nicht! Mal ganz davon abgesehen, dass das nichts mit dem Thema des Artikels zu tun hat. Durchaus nachvollziehbar , dass dieser Quatsch nicht gedruckt wurde!

Ich habe nur dargestellt das bei aller Kritik die auch ich gegen Ende des Projekts mit der Aussenwirkung hatte, und auch durchaus Verständnis dafür habe das man deswegen letztlich gegen die FUB sein konnte, die Hetzkampagne die damals von Jusos, RCDS und LHG im Wahlkampf auf Kosten des Projekts "FUB" betrieben wurde, absolut unterste Schublade war, rassistische Ressentiments und Argumentationsm uster aufgenommen und verwendet hat und eben deshalb einer NPD-Hetzkampagn e gegen "faule Ausländer" ähnelte (und letztlich eben sogar in körperlichen Übergriffen wie etwa dem Bespucken von Kommilitonen mündete). Das gehört ebenso zur Geschichte dieses Gebäudes wie die durchaus berechtigte Anmerkung das eben nicht alle Studierenden dafür waren.
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+1 #5 nochn Ex-Student 2012-11-06 22:22
zu #1:
Ich glaube, dass mit der FUB ist irgendwann gekippt. Am Anfang war es ein Projekt, da haben auch die über 100 Veranstaltungen statt gefunden. Dann aber kamen irgendwann die Barikaden, das Sperrholz usw und am Ende war es ein Ende mit Schrecken. Besser als ein Schrecken ohne Ende.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Rektor das Gebäude geräumt hat, um es selbst zu besetzen:
Das AKAFÖ wollte schon damals die Container abbauen und dafür Küche und Toiletten in das Gebäude einbauen und eine weitere Mensa errichten. Das Rektorat hat im Dezember das TUZ "erfunden", um eine alternative Nutzung für das sonst leere Gebäude zu finden, in der Hoffnung, das die FUB dann freiwillig geht.
Nun ja, alles Geschichte, ich hoffe, dass Benjamin Bettingers Vorstellungen vom AKAFÖ berücksichtigt werden.
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+5 #4 Sozi 2012-11-06 21:05
@#2 Sehr tolle Verknüpfung... "Schmarotzer [...] so werden "Ausländer" auch von der NPD auf ihren Plakaten bezeichnet..." Ich dachte immer Schmarotzer sind Personen, die vom Geld und der Arbeit anderer leben. Deine Konstruktion ist ziemlich fragwürdig... aber auch exemplarisch und überrascht nicht! Mal ganz davon abgesehen, dass das nichts mit dem Thema des Artikels zu tun hat. Durchaus nachvollziehbar , dass dieser Quatsch nicht gedruckt wurde!
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0 #3 Schneemann 2012-11-06 19:00
Wenn du, Student #1, mit Konsens meinst, dass alle Studierenden einer Meinung sind, dann kannst du lange auf einen solchen warten. Wie (nicht nur) die Wahlbeteiligung bei den StuPa-Wahlen zeigt, vertreten die meisten die Meinung: ". . ." Und im Falle der FUB dann wohl eher: "Was sind dass da für stinkende Trottel?" Der Großteil der Ablehnung ist nicht auf NIchtzustimmung zurückzuführen, sondern auf Ignoranz.
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-5 #2 Benjamin Bettinger 2012-11-06 15:38
Der erhebliche Großteil der Studierenden wollte mit der FUB nichts zu tun haben. Dass das jetzt hier so dargestellt wird, als sei das damals alles konsensual toll gefunden worden ... ist doch fragwürdig. Bitte besser recherchieren!

Ich denke man kann sich darüber streiten ob der Großteil der Studierenden für oder gegen das Projekt war, das sind wohl eher subjektive Einschätzungen, die u.a. von der Zusammensetzung deines Freundeskreises abhängen. Ich habe mich in dieser Zeit mit sehr sehr vielen Studierenden unterhalten, und die Resonanz war in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit positiv.

Allerdings habe ich in meinem Interview auch angegeben das es Studierende gab die dagegen waren und uns zu "alternativ" fanden, das z.B. die Jusos uns im Wahlkampf als "Schmarotzer" bezeichneten (so werden "Ausländer" auch von der NPD auf ihren Plakaten bezeichnet...) und uns der RCDS sogar buchstäblich angespuckt hat. Ist wohl "rausgekürzt" worden...
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+6 #1 Student von damals 2012-11-06 13:03
Sorry...

Aber das mit der FUB kann man so nicht unterschreiben. Es gab wohl kein politisches Projekt, das umstrittener als dieses war. Die Bewegung gegen Studiengebühren wurde gespalten. Die ganzen Paletten und der Sperrmüll vor dem Haus (vom Tipi ganz zu schweigen) waren auch nicht einladend. Der erhebliche Großteil der Studierenden wollte mit der FUB nichts zu tun haben. Dass das jetzt hier so dargestellt wird, als sei das damals alles konsensual toll gefunden worden ... ist doch fragwürdig. Bitte besser recherchieren!
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