#722- Kulturrevolution für Wattenscheid!

Geschrieben von USch am . Veröffentlicht in Kultur

Kulturhauptstadt Bochum?

Kulturzentrum, Kulturzentrum, skandierten über 200 enthusiastische KundgebungsteilnehmerInnen am Samstagnachmittag lautstark auf dem Alten Markt in der Wattenscheider Innenstadt. Unterstützt vom Gitarrenduo Volker & Ingmar sowie der Band Emscherkurve 77 stellte die Aktionsgemeinschaft Kulturzentrum Wattenscheid mit einem dreistündigen Multikunst-Programm aus Straßentheater und Musik von Jazz bis Punk eindrucksvoll unter Beweis, dass dieser Ort ein enormes kreatives Potential aufzubieten hat.

Somit ist die Forderung an die Politik mehr als berechtigt, hier wie in anderen Bochumer Stadtbezirken endlich wieder eine zentrale Lokalität zu schaffen, um eine kontinuierliche Kulturarbeit zu ermöglichen. Damit könnte nach zehn Jahren 'Förderpause' an die erfolgreiche Arbeit des 1997 geschlossenen Kulturladens Wattenscheid angeknüpft werden, der schließlich wegen zu geringer kommunaler Förderung finanziell kollabierte. Sinnvoll wäre die Bereitstellung eines Veranstaltungsraums für ca. 250 Personen und eines auch für Theater- und Kleinkunstveranstaltungen nutzbaren Kinosaals sowie u.a. von Büro- und Schulungsräumen.

"Wattenscheid ist tot", bringt Kulturaktivist und Kassierer-Kultsänger Wolfgang Wendland den bisherigen kulturellen Stillstand im 'Bochumer Westen' auf den Punkt. Um diesen unhaltbaren Zustand zu beenden, müssten jährlich maximal 80.000 Euro aufgewendet werden – die Finanzierung eines Kulturzentrums würde demnach höchstens ca. 2 Promille des Kulturetats der Stadt Bochum in Anspruch nehmen, heißt es in einer Erklärung der Aktionsgemeinschaft. Die Hälfte dieser Summe sei zudem bereits in den Haushalt eingestellt: als Posten für eine de facto weitgehend inaktive 'Kulturinstitution' der AWO. Um die dringend nötige Kulturrevolution in Wattenscheid zu beschleunigen, wird es am 16. Juni ab 14.30 Uhr wieder eine Kundgebung auf dem Alten Markt geben – wer an der Vorbereitung mitwirken möchte, möge sich zu einem Treffen am 25.5. um 17 Uhr im Albert-Schweizer-Haus einfinden.

Einstweilen also befindet sich das Kulturzentrum Wattenscheid also weiterhin im Exil – so wurde die aktuelle Manifestation auf dem Alten Markt am Samstag von einem geradezu grotesken Polizeiaufgebot mit zeitweise 6 Bullis und 2 Streifenwagen 'begleitet'. Auch 'klerikaler Terror' in Form exzessiven Glockengeläuts der benachbarten Gertrudiskirche konnten Kassierer-Bandmitglied Volker Wendland und seinen musikalischen Begleiter jedoch nur kurzzeitig daran hindern, den Platz zu Beginn der Veranstaltung mit jazzigen Tönen zu beschallen: Als dem aufdringlichen Geläut der Ruf nach "De-De-Deeskalation" entgegengehalten wurde, endete der Glockenterror abrupt, und das Konzert konnte weitergehen. Die ironische Brechung, dass der Musik-Auftakt eher auf den Geschmack der Ordnungskräfte als auf den des Publikums zugeschnitten schien, wurde prompt mit einem punkigen Gegenbeitrag aus einer mitgebrachten tragbaren Anlage beantwortet. Nichtsdestoweniger gab es begeisterten Applaus für Volker & Ingmar. Danach schwang sich der von der Aktionsgemeinschaft gerne als designierter Kulturdezernent gesehene Ralf Hedwig auf die Bühne und beantwortete die rhetorische Frage, ob "wir die Kriterien einer Kulturhauptstadt" erfüllen, mit einem entschiedenen NEIN: Denn "in Bochum und Wattenscheid" präsentiere sich "Kultur" als etwas, "an dem wir lediglich beobachtend teilhaben dürfen". Kulturelle "Teilhabe" bestehe hierzulande lediglich "im Akt des Konsums", und insbesondere "Plätze für die kulturelle Arbeit von Jugendlichen bei Musik-, Film- und sonstigen Veranstaltungen sucht man vergebens". Ralf Hedwig fordert die Kommune durch die Förderung eines Kulturzentrums in Wattenscheid daher zugleich zu einem jugend- und kulturpolitischen Kurswechsel auf.

Dann kam mit der Ruhrgebietspunkband Emscherkurve 77 der Hauptact des Tages zum Zuge – nicht zuletzt, um den Beweis anzutreten: "Kultur ist gut!" Bei "Liedern aus der Kurve" und Songs wie "Ruhrpott-Girl" ging das Stimmungsbarometer weiter nach oben, und es wurde sogar ein bisschen Pogo auf den Alten Markt gebracht. Bevor im zweiten Emscherkurve-Set mit "Du alte dreckige Stadt" ein Abgesang auf Wattenscheid über den Platz hallte, wurde das Programm durch einen Luftmusik-Wettbewerb und Straßentheater abgerundet. Neben der obligatorischen Luftgitarre kam auch ein Luftschlagzeug zum Einsatz, und auch Luftgesang durfte selbstverständlich nicht fehlen. Anschließend illustrierte das Straßentheaterprojekt der Aktionsgemeinschaft noch einmal die Forderung nach einem Kulturzentrum für Wattenscheid anstelle eines gewissen 'Braunen Hauses' in Günnigfeld... Am Ende der Veranstaltung wurde dann noch schnell ein Besen gekauft, um den Alten Markt zu fegen – damit auch bloß alle Auflagen der bis zum Schluss maßlos überrepräsentierten Polizeikräfte erfüllt wurden. Und wenn bei der Fortsetzungsveranstaltung u. a. mit Musikbeiträgen der Gruppen Bildungslücke und Last Exit am 16.6. wieder so viele Leute ein starkes Zeichen für die Kultur in Wattenscheid setzen, sollte auch der/die letzte PolitikerIn in dieser Stadt begreifen, dass dieser Ort ein eigenes Kulturzentrum mehr als verdient!

Uli Schröder

#722- Kulturvergleichende Mediengeschichte Semesterliteratur im Test

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Kultur


Wie ist eine komparative Kommunikationswissenschaft möglich, die Medien und Kommunikationsformen unterschiedlicher Kulturen in synchroner und diachroner Perspektive vergleicht, ohne dabei die Heterogenität kultureller Kommunikation aus den Augen zu verlieren?

Diese Frage stellt sich Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft (Schwerpunkt Kultur- und Medientheorie) Michael Giesecke zu Beginn seines neuen Werks "Die Entdeckung der kommunikativen Welt. Studien zur kulturvergleichenden Mediengeschichte". "Entdeckung" deswegen, weil jede Form der Wahrnehmung und Verarbeitung zu eigenen kognitiven Welten führt: Andere Sinne, andere Welten, anderes Denken. Um seine Leitfrage zu beantworten, strukturiert Giesecke das Buch in vier Teile: 1. Frühe Reisejournale, 2. Systematisierung der Journale, 3. Neue Entdeckungsfahrten und 4. ein abschließender Ausblick. Die frühen Reisejournale dokumentieren bewusst ausgewählte Entdeckungsfahrten in den 70ern, 80ern und 90ern – sowohl in das europäische Mittelalter, in die modernen Gesellschaften und in die römische Antike. Der zentrale Fokus des Kapitels mit den Unterabschnitten "Schriftsprache als technologisches System" und "Alphabetisierung und Emanzipation" liegt auf einem konkreten Kulturvergleich: Verglichen werden die Sprachpolitik und die Alphabetisierung in Europa und in afrikanischen Entwicklungsländern.
In der "Systematisierung der Journale", setzt sich Giesecke gezielt mit der kulturellen Kommunikations- und Mediengeschichte auseinander, basierend auf bereits existierenden Arbeiten und der Vorbereitung neuer Entdeckungsfahrten. In diesem Zusammenhang stellt er die populärsten Methoden, Modelle und Hauptthesen dieses Forschungsfeldes vor.
Doch nicht immer lassen sich für alle Kulturen und Zeiten übergeordnete Begriffe von Sprache, Kommunikation, Kultur etc. finden. Um dennoch zu gewährleisten, dass die vergleichbaren Begriffe anderer Kulturen während des Vergleichs erhalten bleiben können, greift die kulturvergleichende Medienwissenschaft auf das sogenannte triadische Denken zurück, eine posttypographische Darstellungstheorie. Mit deren Erkenntnissen und Methoden beschäftigt sich der dritte Teil des Werks und bildet damit den theoretischen Hauptteil des Buches. Die "neuen Entdeckungsfahrten" wenden die triadischen Modelle auf mediengeschichtliche Fragestellungen an. Dem folgt ein weiterer Vergleich der fortschrittlichen technisierten europäischen Kommunikation mit der anderer Kulturen, schwerpunktmäßig mit der Kommunikation Japans.

Moderne Studierende

Gieseckes Standpunkt: Die Kulturen des 21. Jahrhunderts werden ihre Welt nicht länger bloß als industriell, wachstums- und mediendominiert beschreiben, sondern vermehrt als kommunikativ. Zudem werden sie zusätzlich ihre Beziehungen und Geschichte verstärkt neu interpretieren. Durch die globale Vernetzung ist eine soziale Ort- und Zeitlosigkeit gegeben. Informationen können zu jeder Tages- und Nachtzeit von jedem X-beliebigen Ort auf der Welt abgerufen werden. Aufgrund dieser Überzeugung sucht dieses Buch nach neuen Formen des posttypografischen Denkens. Dem liegt die Prämisse zugrunde, dass bis dato alle tiefgreifenden kulturellen Veränderungen auch zu Veränderungen der Informationstypen und Denkstile geführt haben, welche die Kulturen prämieren.
Abschließend folgt ein Essay mit einem Ausblick auf die Zukunft. Giesecke schlussfolgert auf der Basis der bisher gewonnenen Erkenntnisse, insbesondere durch die Berücksichtigung der neuen Medien, dass mit dem Fortschreiten der technologischen Entwicklungen ein vollkommen neues Verständnis von Kommunikation, Wissen und Informationsverarbeitung erforderlich ist. Lehren und Lernen lauten die Schlagworte. Während sich biologische Arten durch Zellteilung erhalten, reproduzieren sich menschliche Kulturen durch die Weitergabe von Informationen, Wissen, Wahrnehmungs- und Vernetzungsformen. Ohne diese Vererbung ist die Gesellschaft und ihre Teilsysteme nicht zu erhalten. Doch auch das Lehren und Lernen an sich verändert sich mit der zunehmenden Technisierung. Waren es früher ausschließlich Bücher, so offerieren die neuen Medien das E-learning als neue, fortschrittliche Lernform, welches das buchgestützte Lernen mehr und mehr verdrängt. Laut Giesecke bedeutet dies vor allem für die BA-StudentInnen: Wer gute Zensuren haben will, kann sich aufgrund des dichten Stundenplans den Aufwand langwieriger Lektüre nicht mehr leisten und ist umso mehr auf die elektronische Verfügbarkeit der notwendigen Literatur angewiesen. Insofern findet E-Learning gegenwärtig massenhaft und umkehrbar statt. Von einer posttypografischen Kultur zu sprechen ist insofern sinnvoll, als dass es grundsätzliche Veränderungen in der kulturellen Informationsverarbeitung und Kommunikation gibt. Typografische Wissenschaftsideale werden immer mehr von den Gegenbewegungen der letzten Jahrzehnte abgelöst. Auf die kulturwissenschaftlichen Hochschulfächer bezogen bedeutet dies: Die ursprüngliche soziale Organisationsform mit ihrer klaren Hierarchie wird durch Projektgruppen und interdisziplinäre Netzwerke ersetzt, allgemeingültiges Wissen wird durch fallbezogenes Wissen und maßgeschneiderte Lösungen der Aktionsforschung abgelöst, und neues Wissen entsteht insbesondere als Ergebnis der Vernetzung unterschiedlicher Projekte (vom individuellen Lernen zur lernenden Organisation und Gruppe). Auch visuell wahrnehmende Daten reichen nicht länger aus. Der Fokus der Gegenbewegungen liegt auf multimedialer Wissenspräsentation. Und es ist keine Grenze in Sicht…

Trotz der hohen Theorieanteile ist das Buch mit vielen Alltagsbeispielen und Illustrationen angereichert und gut verständlich. Eine gute, und vor allem interessante, Semesterliteratur für alle diejenigen, die sich mit kulturellen Prozessen und der Rolle der Medien beschäftigen und sich auf eine nette Entdeckungsreise aus dem Beton der Ruhr-Universität begeben möchten!


jbö

Michael Giesecke: Die Entdeckung der kommunikativen Welt. Studien zur kulturvergleichenden Mediengeschichte
Erschienen im Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft Verlag,
ISBN 978-3-518-29388-1, Preis: 17Euro

#721- Buchrezension "Das Evangelium des FSM" Arrrgh!

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Kultur

Buchrezension "Das Evangelium des FSM"
Arrrgh!
Amerika hat ja schon viel Schwachsinn hervorgebracht. Zum Beispiel George W. Bush, Britney Spears und Hair Extensions. Seit Neuestem gibt es eine religiöse Bewegung, die sich ironischerweise Intelligent Design bzw. Kreationismus nennt. Dieses Grüppchen von Gläubigen behauptet doch tatsächlich, die Schöpfungsgeschichte wissenschaftlich beweisen zu können, um so die Evolutionstheorie vom Thron zu stoßen.

Mittlerweile wird diese "Wissenschaft" sogar an amerikanischen Schulen unterrichtet, um den jungen, unwissenden SchülerInnen ein "breiteres Angebot" an Glaubensrichtungen zu bieten. Schließlich sei die Evolutionstheorie noch nicht bewiesen, der Kreationismus könne dies mit der Schöpfungsgeschichte hingegen schon.
Als dies der junge Physiker Bobby Henderson mitbekam, packte ihn die Wut. Schließlich ist seine Religion wirklich die Einzige, die auf wissenschaftlichen Beweisen beruht. Und so schrieb er ein Buch, um genauer zu sein, ein Evangelium. Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters.

Am Anfang war das Wort, und das Wort war "Arrrgh!"

So zeigt Mr Henderson sehr detailreich, warum das Fliegende Spaghettimonster, kurz FSM, der wahre Schöpfer der Welt ist. Und die Beweise sind gut, triftig und überzeugend. Natürlich muss ich hier nicht näher darauf eingehen. Es ist ja auch nur zu logisch, dass das FSM das Universum erschaffen hat. Oder hat jemand Gegenbeweise?
An fünf Tagen schuf das FSM dank ausreichend Alkohol zuerst das Licht, daraus Tag und Nacht, am zweiten Tag Land, am dritten Tag das Pflanzenreich, am vierten Tag Sonne, Mond und Sterne, am fünften Tag gab es schließlich den Urknall. Zum Urknall gesellte sich, ohne, dass es das FSM bemerkt hätte, der Mensch. Hier legte das FSM wegen einem zu großen Kater eine kleine Pause ein. Deswegen ist der Freitag DER verpflichtende Feiertag im FSMismus.
Im weiteren Verlauf der Schöpfungsgeschichte formte das FSM noch ein Weibchen für das Männchen und verbot ihnen im Olivengarten von den Oliven zu naschen. Prompt bricht sich der Mensch den Zahn an einem Olivenkern. Auch merken beide Menschen, dass der Mann wohl ein Feigenblatt für sein nudeliges Anhängsel braucht, wenn auch kein allzu Großes.

WWEPT

Des Weiteren hat das FSM die Piraten, auf Grund ihres außergewöhnlichen Lebensstils, als das auserwählte Volk bestimmt. So hat man als gläubiger Pastafari (so die Bezeichnung eines Gläubigen FSMlers) Kopftuch, Augenklappe und Papagei auf der Schulter zu tragen. Grundnahrungsmittel ist Bier. Sowie natürlich Nudeln in jeglicher Form. An Freitagen gibt es davon noch mehr. Am Besten mit Fleischbällchen (VegetarierInnen können selbstverständlich darauf verzichten – wobei es ein sehr großes Glaubensbekenntnis wäre, wenn man sie trotz ethischer Bedenken isst).
Und falls man in bestimmten Lebenssituationen, wo es möglicherweise kein Bier und keine Nudeln gibt, in depressive Phasen abzurutschen droht, sollte man sich einfach immer wieder fragen: "Was würde ein Pirat tun?"
Zu allererst würde ein Pirat Grog (Bier) trinken, sich einen Papagei, eine Räuberbande und ein Schiff zulegen, eine Frau angeln ("Weibliche Piraten sollten sich einen tapferen männlichen Gegenpart suchen, genau wie Piraten gleichen Geschlechts, die in der Piratenkultur absolut akzeptiert sind.") und dann plündern. Zum Schluss gibt es nur noch eines zu sagen: Arrrgh!

Nichts gegen LiliputanerInnen – aber sie sind eben lustig

In diesem Evangelium werden auch wichtige Fragen des Alltags gelöst. Die Schwerkraft ist am Einfachsten zu klären: Das FSM drückt die Menschen mit seinen nudeligen Anhängseln auf die Erde. So ist auch ganz einfach der Unterschied zwischen großen und kleinen Menschen zu erklären. Kleine sind demnach enger mit dem FSM verbunden als Große. Lediglich LiliputanerInnen sind zur Belustigung des FSM erschaffen worden.
Zum Abschluss muss man noch erwähnen, dass der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Welt auf das stetige Zurückgehen der Piraten zurückzuführen ist.
RAmen.

aw

Falls es in diesem Text irgendwelche Lücken, Widersprüche oder Ungereimtheiten gibt, so sind das lediglich Prüfungen, um den Glauben des Lesers auf die Probe zu stellen.


P.S.
Dieser Text ist nicht im Konsens der Redaktion erschienen und Teile der Redaktion sind davon überzeugt, dass SIE die Autorin zur Rechenschaft ziehen wird.

#719- Die Vagina Monologe 2007 an der RUB Verschollen im Bermuda-Dreieck

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Kultur


Einmal im Jahr fällt der Vorhang, und am Wochenende war es wieder soweit: Gleich zweimal beherrschte das beste Stück der Frau als studentische Inszenierung die Studiobühne des Musischen Zentrums. Eine dritte Vorstellung ist bereits in Planung.

Vor der Erstellung des Theaterstücks wurden über 200 Frauen und Mädchen jeden Alters, jeder Schicht und Berufsgruppe befragt. Aus ihren Antworten und Geschichten entstehen Eve Enslers mittlerweile schon legendäre Vagina-Monologe. Jedes Jahr behandeln die Monologe ein anderes Spotlightthema: Der Fokus liegt hierbei jeweils auf Frauen und Mädchen, die Gewalt erfahren mussten. Die VM 2007 beziehen sich auf "Frauen in Krisengebieten": Im Sudan, Irak und Kongo ist insbesondere die sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen an der Tagesordnung. Besonderes Problem: die noch immer bestehende Straflosigkeit sexueller Gewalt im Krieg auch noch im 21. Jahrhundert. Mädchen und Frauen suchen beim Aufbau zerstörter Gebiete nach friedlichen Lösungen, gleichzeitig steigt die Anzahl der Gewaltdelikte an Frauen und Mädchen in ebendiesen Gebieten immer weiter an. Neben sexueller existiert militärische und häusliche Gewalt, daneben Vertreibung oder der Zwang zur Prostitution.

Vorspiel

Die Vagina-Monologe sind als Benefizprojekt gegen die weltweite Gewalt an Frauen zu verstehen. So werden bei den Aufführungen regelmäßig Spenden gesammelt. Mit diesen Spendengeldern bei den Bochumer Vorstellungen unterstützen die Schauspielerinnen die Arbeit von Frauenrechtsorganisationen wie V-Day, die es sich zum Ziel gemacht hat, die weltweite Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Ebenso wie die Hilfsorganisation Medica Mondiale e.V. für Mädchen und Frauen, die sexuelle Gewalt in Krisengebieten erfahren mussten, aber auch die lokale Hilfsorganisation für die Betreuung von Opfern sexuellen Missbrauchs Wildwasser Bochum e.V.. Schließlich bedeutet jegliche Erfahrung von Gewalt Eingriffe in die Persönlichkeit. Hierunter fallen neben folgenschweren Traumata und Beziehungsproblemen auch permanente Angst- und Schuldgefühle, Schlaf- und Ess-Störungen bis hin zu Suizidgefährdung. Hilfsorganisationen bieten Hilfestellungen und psychosoziale Prozessbegleitung in Form von Beratungsangeboten, Betreuung und Selbsthilfegruppen. Soweit das Vorspiel. Und nun zum Stück.

Der Akt an sich

Ein melancholisches musikalisches Intro durch drei Arnheimer Musikstudenten stimmte die ZuschauerInnen auf das ernste Thema ein. Doch trotz des Ernstes der Thematik zeichnen sich Eve Enslers Vagina-Monologe vor allem durch eine gleichzeitig oft humorvolle, unterhaltsame Inszenierung aus. Begonnen wird zwar nicht bei Adam und Eva, doch die Definition erscheint durchaus tricky: Wer oder was ist eigentlich die Vagina? Im Englischen als "Mrs. Brown" und "Pussycat" tituliert, wird sie im Deutschen hingegen vor allem als "Wundertüte", "Rosamunde" und im Schwäbischen sogar als "Mösle" verschrien.
In zwei Akten wurden die Klischees und das beste Stück der Frau selbst so richtig rangenommen: Es wird erst einmal ordentlich abgelästert: Über die Beschaffenheit von Tampons, Frühlingsduft-Intimsprays und das "Folterinstrument String-Tanga".
Nach dem ersten Monolog über das Thema Haare ja/nein folgte die erste Videoeinspielung, die neben der Anmoderation der unterschiedlichen Monologe und natürlich der Monologe selbst so manchen Lacher beim Publikum erntete – mit dem Thema: "Wenn deine Vagina sich anziehen könnte, was würde sie tragen und wenn sie sprechen könnte, was würde sie sagen?" Dem folgten weitere amüsante Monologe, allesamt dargestellt von Studentinnen der RUB, mit Titeln wie "die Überschwemmung", der "Vagina-Workshop", "die erfreuliche Vagina-Tatsache", "Weil er es liebte, sie anzuschauen" und "meine wütende Vagina".
Auch der zweite Akt beinhaltete humorvolle Aspekte: "Fotze rehabilitieren" und "wie riecht eine Vagina?" Allerdings lag der wesentliche Fokus auf den ernsten Aspekten des Abends: die Erfahrungen der Frauen und Mädchen mit Gewalt in den Krisengebieten kam in Monologen wie "Die nicht so erfreuliche Vagina-Tatsache", "Meine Vagina war mein Dorf" und "Die kleine Tschurimuri, die‘s drauf hatte" zum Ausdruck.
Das Finale "Spotlightthema 2007 - Frauen in Kriegsgebieten" performte das Ensemble gemeinsam und erntete dafür ordentlich Applaus bei den ZuschauerInnen.

jbö

#718- Rezension eines "Comics" So ein Katzenjammer

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in Kultur


Es gibt Comics, Karikaturen, Zeichentrickserien, Satiremagazine, Cartoons und Mangas. Und es gibt Roman Dirge. Kein Begriff? Kulturlücke!

Roman Dirge war einer der Zeichner von Invader Zim, erfand Lenore – The Little Cute Dead Girl, The Monsters In My Tummy und Something at the Window is Scratchin.

Man erkennt ihn an seinen zahlreichen Tätowierungen, den komischen riesigen Löchern in den Ohren und dem leicht wahnsinnigen Blick. Charakteristisch für ihn sollen auch, laut Beschreibung in manch einem Comic, sein nächtliches Sabbern und die merkwürdigen, leisen Stimmen in seinem Kopf sein. Die Verbindung dieser Stimmen zu dem im Folgenden rezensierten Heftchen ist nicht von der Hand zu weisen.

Dedicated to my Cat
Miss Spooky Muffin

Der Name des Comics verrät schon fast alles und lässt einen doch erst einmal ziemlich wundern: The Cat with a really big head (and one other story that isn’t as good). In diesem Zusammenhang sollte man das "really big" sehr ernst nehmen, denn die Geschichte handelt von einer armen Katze, die zu ihrem immensen Unglück mit einem Schädel auf die Welt kommt, der einem Heißluftballon gleicht. Ja, richtig gelesen: Heißluftballon.
Die süße Katze namens Miss Tiki bringt, manche vermuten durch zu viele Chemikalien im Futter, ein Wunderbaby zur Welt. Das Wunder beschränkt sich aber lediglich auf den schon oben erwähnten Umfang des Kopfes. Kein Wunder ist, dass die junge Katzenmutter direkt nach der Geburt bzw. währenddessen das Zeitliche segnet.
Und so bleibt das Katzenbaby, kurz "the cat" genannt, in der Obhut der beiden Kinder des Hauses, Molly und Max. Leider interessieren sich die beiden weniger für die Katze, als vielmehr für ihren ersten Haarballen, dem Max den Namen "Miss Purty Angel Puff" gibt und all seine Liebe schenkt. Molly hingegen holt sich eine Maus, welche zum ärgsten Erzfeind der Mieze wird.

Whom I swear has the old soul of a poet trapped deep within her…

Neben den zahlreichen Problemen, die "the cat" hat, so zum Beispiel Essen (sie muss sich auf einen Strohhalm aufstützen, um nicht in den Napf zu fallen), Rausgehen (Katzenklappen sind schon fies) oder, wenn man es endlich aus der Tür geschafft hat, Spazierengehen (das endet dann meistens mit Fliegen), gibt es diese Maus. Und diese Maus, Mr. Stinky, hat Freunde - viele Freunde. Leider sind es nicht "the cats" Freunde. Im Gegenteil: Dieses Konglomerat aus fiesem, fiependen Ungeziefer hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Katze das Leben zur Hölle zu machen bzw. einfach nur Spaß zu haben. Zu all ihrem Unglück schafft es "the cat" auch nie, Mr. Stinky zu fangen. Irgendwie, und sie kommt einfach nicht dahinter, scheint Mr. Stinky immer zu merken, wenn "the cat" hinter ihr steht.

That or she just has some gas. You know, some cat gas.

"The Cat" hat wirklich kein einfaches Leben. Bis zu dem Tag, an dem sie sich dafür entscheidet, ohne Strohhalm zu essen. Nach mehreren Monaten des Verfaulens im Napf (ihr könnt es euch denken: Sie konnte den Kopf nicht halten) merkt sie auch, wie sie ganz leicht wird und gen Himmel fliegt. Nur leider hält dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, welches unweigerlich in ihr aufsteigt, nur vier Sekunden. Sie wird nämlich, wie das bei Katzen eben mit neun Leben so ist, wiedergeboren. Und sie ist immer noch keine normale Katze…
Als Bonus gibt es zu dieser anrührenden Erzählung noch ein kleines Schmankerl names "A big Question". Dort geht es sehr knapp um ein junges Mädchen, welches den wunderschönen Namen Alisa McGee trägt und von einem Flugzeug platt gemacht wird. Auf dem Seziertisch des Pathologen erwacht klein Alisa McGee, um zu erfahren, warum sie denn sterben musste. Der Pathologe weiß aber keinen Rat. Da er sich nicht mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens befassen will, erschlägt er klein Alisa McGee einfach noch mal. Und geht ruhig schlafen.
Wem nun immer noch nicht mulmig ist, dem sei diesese kleine, feine Heftchen wärmstens ans Herz gelegt.

aw

"The Cat with a really big head
(and one other story that isn’t as good)”
SLG Publishing
ISBN: 0-943151-58-9
Preis: 2.95 US-Dollar (ca. 2,20 Euro)

#751- Bochum total dicht

Geschrieben von rvr am . Veröffentlicht in Kultur

Kommerz-Sause oder tolle Kostenlos-Party?

Nach dem Public-Viewing-Marathon wird es auch in dieser Woche nicht ruhig in der Bochumer Innenstadt. Mit dem Festival "Bochum Total" steht den AnwohnerInnen das zweite Großereignis ins Haus. Ab Donnerstag ist die City für den Autoverkehr gesperrt. Dann werden für ein verlängertes Wochenende Bierstände zusammen mit vier Großbühnen das Bild Bochums prägen. Eins ist sicher: Die Kassen werden klingeln, auch wenn das Festival keinen Eintritt kostet. Die bsz wirft einen Blick hinter die Kulissen.