#733- Standing Ovations

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Standing Ovations
bei Premiere

"15 Jahre nichts als Theater." Unter diesem Motto feierten die Schauspieler des Theaters "ne’ah" ihr 15jähriges Bühnenjubiläum.

Das Ensemble steckt längst nicht mehr in den Kinderschuhen, sondern hat mit 15 Jahren die Pubertät erreicht – und genau das spiegelt ihr Programm wieder: frech, witzig, schwarzer Humor und dabei nicht mehr ganz grün hinter den Ohren. Die Premiere des Sketch-Abends am Samstag erntete Standing Ovations beim begeisterten Publikum.
Seit den Sommerferien diesen Jahres probte das Ensemble des Theaters "ne’ah” für seinen 15. Geburtstag. Die meisten Schauspieler sind im Durchschnitt zehn Jahre dabei, und Gründungsmitglieder Lars Abraham, Monika Friese, Ilka und Markus Leifermann waren auch dieses Mal mit von der Partie. Während ihr erstes Stück "der stumme Zeuge” vor 15 Jahren rund 200 Zuschauer zählte, ist die Truppe sicher, während der Sketch-Abende passend zum 15jährigen Bestehen den 15.000sten Zuschauer begrüßen zu können. "Wenn der Abend Ihnen (nicht) gefallen hat, dann sagen Sie es weiter und schicken Leute, die Sie (nicht) mögen!”
Pünktlich zum Gongschlag hob sich der Vorhang. "Do you want some Rock’n’Roll? – Okay, dann seid ihr hier falsch, hier gibt’s heute Abend nichts als Theater”, eröffnete Moderator Lars Abraham das Programm, der die Umbaupausen durch interaktives Theater und Conférence über die Definition von internationalen Wirtschaftsunternehmen am Beispiel der Viehhaltung und Milchproduktion geschickt überbrückte. Die Grenzen zwischen Darstellern und Zuschauern schienen zu verschwimmen, schließlich ist die Welt eine große Bühne.
Ein bunter Strauß an Sketchen erwartete die mittlerweile mehr als gespannten Zuschauer: Ob intellektuell, sozial-kritisch oder Klamauk, es war für jeden Geschmack etwas dabei. Alles gewürzt mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor. Themen gibt es schließlich genug, allein die Liebesbeziehung:"Sex wird doch einfach überbewertet: Jeder denkt ans erste Mal, doch wie wird das letzte Mal sein? Wenn der letzte Zug abfährt, wird vorher nicht gepfiffen. Denken Sie darüber nach...” Mit diesen Worten überließ Gründungsmitglied Lars Abraham das Publikum dem Bühnenprogramm.
"Das muss
man sehen!"
Parodien im Stil der erfolgreichen Comedyshow "RTL Samstagnacht” gehörten neben "voll korrekter Vertragsentwürfe” und einem mysteriösen (Selbst-) Mord, ohne vorherige Platzstornierung, ebenso zum Programm, wie tiefsinniges Philosophieren, im suboptimalen Verfassungszustand nach unzähligen Whiskey, über die asiatische Tütensuppen-Mafia. An diesem Abend war kein Thema ein Tabu. Insbesondere die heißen Diskussionen der Handlanger am stillen Örtchen ernteten so manchen Lacher beim Publikum. Auch der Sensenmann war bei jedem Wetter unterwegs und durfte bei einem englisch-amerikanischen Dinner mit vergifteten Speisen nicht fehlen. Er holte die Gesellschaft persönlich ab und beförderte sie samt neuem Pkw non-stop in die Hölle.
Überhaupt zeigte sich das Ensemble sehr experimentierfreudig: Wie beeinflusst ein Sprachfehler die Interaktion, wenn der Betroffene statt "a” stets "u” sagt? Auch die Generalprobe für die Fahrprüfung in gehobenem Alter im heimischen Wohnzimmer und der virtuelle Autokauf wurden gehörig auf’s Kerbholz genommen. So kann es passieren, dass der eifrige Autoverkäufer die Begeisterung des Interessenten für den Audi Coupé gern mal mit einschlägigen Magazinen verwechselt...
Insbesondere der Anruf einer schwerhörigen Alten "Dame" bei der Polizei sorgten nicht nur bei den Zuschauern für eine extreme Strapazierung der Lachmuskeln.
Zum Abschluss erntete das engagierte Ensemble, im vollen Philipp-Nicolai-Haus, Standing Ovations für die Premiere ihres Sketch-Abends.
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Termine: Sa. 10.11., So, 11. November, So. 18.11. und Sa. 1.12. Beginn jeweils 19.30 Uhr. Eintritt frei.
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#733- Dann kommt Ruhe und Glück

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Dann kommt Ruhe und Glück

Der Autor Goethe versah den Sechsakter sowohl mit unterhaltenden als auch mit kritischen Elementen, die sich wie folgt begründen: Als Hofdichter des Herzogs Carl August in Weimar wurde der "Triumph der Empfindsamkeit" zum Geburtstag der Fürstin in der Faschingszeit des Jahres 1778 erstmalig inszeniert.

Die Kulisse des karnevalistischen Hofes bot Goethe Gelegenheit amüsante Anspielungen und Narreteien auf Kosten der höfischen Gesellschaft zu integrieren.
Gleichzeitig komplettierte er die, nach eigener Aussage, "komische Oper" um sich von dem verherrlichenden Kult um seinen Roman "Die Leiden des jungen Werthers" etwa drei Jahre nach seiner Veröffentlichung zu distanzieren. Er personifizierte diese Satire auf die Epoche der Empfindsamkeit (1760-1780) mit Hilfe der Figur des Prinzen Oronaro. Im Stück zeigt sich dessen Sensibilität darin, dass er unfähig ist die Realität von Natur oder Menschen auszuhalten. Er lebt darum stets im Paradoxon einer künstlichen Natur und betet heimlich eine Puppe im Königinnengewand an. In gerade diesen Prinzen verliebt sich die Königin Mandandane, was ihren Gatten Andrason in eine Ehekrise stürzt und das Orakel befragen lässt. Mithilfe eines Komplottes der Hofdamen enträtselt der König den Zusammenhang zwischen der Weissagung und dem Geheimnis des Prinzen und vertauscht Fiktion und Realität. Er will seine Liebe bereits aufgeben als er vom Orakel zurückkehrt und die Täuschung bemerkt. Der Konflikt löst sich durch die wiederholte Hinwendung des Oronaro zur Puppe und Wiedervereinigung des Königspaares.
Jessing lässt die
Puppen tanzen
Was auf der bloßen Handlungsebene bereits kompliziert erscheint, gewinnt für die Zuschauer noch an Tiefe durch die Kritik an der Epoche der Empfindsamkeit. Es ist eine Kernaufgabe für Inszenierende, wie die Gruppe um Dr. Benedikt Jeßing, die karikierten Charaktere auf der Bühne für das Publikum lebendig werden zu lassen. Allen voran das prinzliche Dreigestirn: Was aus einer Notsituation entstanden war, was das Publikum mit besonderem Applaus belohnte satirische Komik: Einen sentimental verliebten Prinzen mit dem Charme eines vorgeführten Tanzbären, Fabian Bertelsmeier, seiner sehr guten "Stimme" in Puppenfigur von Joachim Haupt und dem Diener Merkulo mit tuffigen Starallüren, gespielt von Christian Fischer. Sie verkörpern gelungen die Hauptabsicht des Stückes. In einigen Kernszenen zeigt sich die weitere Qualität der Umsetzung des Textes durch die Germanisten, wie der "literarischen Organtransplantation" von Oronaros Puppe. Hier zeigen die Zofen Irma Schlothauer, Ann-Kathrin Quednau, Julika Vorberg, Annika Schmitz und Melanie Block die eigentliche Naivität der Lesenden der Empfindsamkeit durch ihre Kommentare ("Die Leiden des jungen Werthers, ach, der Arme!"), aber auch ihre choralen Gesänge und Tänze überzeugen. Böswillige Kritiker könnten ihnen in einigen Anfangsdialogen Übertreibung vorwerfen, was jedoch Nervosität zurückgeführt werden kann. Kontrastierend dazu angenehm zurückhaltend das Königspaar Benjamin Ehrchen und Anna-Lena Hippert, welches sich mit bestechender Ernsthaftigkeit selbst vorführt. Er bringt das Publikum im Musischen Zentrum durch seine Balleteinlage zum Lachen, während sie in ihrem Monodrama erstaunliche Ausdruckskraft zeigt.
Das Schlusslied des Stückes fasst die Intention des Stückes als "Fratzengesicht" gegen die Empfindsamkeit noch einmal zusammen. Die Gesänge und das Orchester untermalen an allen Stellen passend die Handlung und Intention. Die Euphorie der Studierenden schon vor Einlass war also gerechtfertigt und Dr. Benedikt Jeßing warb mit stolzgeschwellter Brust für seine Inszenierung: "Wer am Wochenende nicht im Musischen Zentrum war, der hat etwas verpasst." Für alle betrübten Studierenden: Im Frühjahr ist eine Wiederaufnahme geplant.

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#732- Das Fleisch ist willig,

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Das Fleisch ist willig,
aber der Geist ist schwach

Zwischen Tiefsinnigkeit und italienischen Schnulzen: Die Premiere des "Kaufmannes von Venedig" im Theater Oberhausen brachte zwar einige angenehme Überraschungen, große Sensationen blieben jedoch aus. Das Publikum war dennoch angetan von Valentin Jekers letzter Inszenierung.

Eine Bühne ohne Vorhang, edle Ledersofas im Stil eines Rauchersalons zeigen sich den gespannten Premierengästen beim Betreten des nicht ganz ausverkauften großen Hauses. Sollte es trotz klassischer Beschreibung im Programmheft doch noch eine freiere, moderne Inszenierung werden? Sollte es nicht. Handwerklich solide drei Stunden Shakespeare erwarteten den Theaterbesucher, erfreulich über weite Strecken mit nur wenigen negativen Highlights.
Im Kontrast zu der Handlung des "Kaufmannes von Venedig", in dem Selbstüberwindung zum Neuen und Angst vor dem Fremden zentrale Themen sind. Der Protagonist Antonio borgt sich beim Juden Shylock Geld um seinem Freund Bassanio die Heirat mit Porzia zu ermöglichen. Zurückzahlen kann er es allerdings nicht, was ihm fast zur Einlösung seiner Zinsen, einem Pfund Fleisch des eigenen Körpers, zwingt. Dieser Rahmen bietet Raum für zahlreiche Nebenstränge, wie das Rätsel um Porzias Heiratsbedingungen und die Flucht von Jessika und Lorenzo aus ihrem väterlichen Haus.
Genial oder
beschissen?
Bühnenbildnerin Beatrix von Pilgrim schaffte es, mit einer zweistufigen Bühne dem Schauplatz von Porzias Hof außerhalb und jene Szenen innerhalb Venedigs intelligent abzugrenzen und zu betonen. Die Schlichtheit erlaubt es dem Zuschauer sich auf die Handlung und die Schauspieler zu konzentrieren. In diesem Umfeld fällt die Haupthandlung in vielen Teilen leider zu langatmig aus, wobei die Kernszenen des Vertragsabschlusses und der Gerichtsverhandlung tiefsinnig und sorgsam gestaltet wurden. In diesen Momenten werden die einzelnen Positionen und Zwiespälte der Charaktere ersichtlich und schaffen Gegenwartsbezüge. Jeff Zach spielt das Bild des Judens überzeugend, schlägt eine Brücke die Empathie ermöglicht und Starrsinn aufzeigt. In seinen Nebenrollen als Salarino/Paolo und Prinz von Marokko erweckt Georg Lippert die Frage nach Genialität oder Dämlichkeit, was eine Auszeichnung sein könnte. Er ist zusammen mit dem aufbrausenden, witzigen Graziano, Michael Witte, einer der Lichtblicke dieser Szenen.
Sinnlos geschmacklos
Ein Stockwerk höher, nicht räumlich, sondern auch in Sachen Inszenierung und Schauspiel befindet sich die Liebesgeschichte von Porzia und Bassanio. An ein Rätsel gebunden stellt Shakespeare wieder einmal die Frage nach den Kriterien wahrer Liebe in Form eines Rätsels, was Valentin Jeker viel Raum für amüsante und nachdenkliche Momente gab. Jeder Sprung von Venedig an Porzias Hof bedeutet einen Zuwachs an Spannung und Unterhaltungswert für die Zuschauer, aber auch als die wunderbaren Franziskas Werner und Franziska Weber sich in Hosenrollen in die Gerichtsverhandlungen einmischen, gewinnt diese an Wert. Jessikas, Webers, Liebesgeschichte mit Lorenzo wurde von ihm allerdings durch schlechtes Spiel und Inszenierung in die Belangslosigkeit verdammt.
"Der Kaufmann von Venedig" in Wuppertal ist eine gelungene Shakespaere Inszenierung, die amüsante, emotionale und nachdenkliche Momente hat. Sensationen bleiben leider aus, die freieren Augenblicke kontrovers. Die Einbindung der Italoschnulze "Azzurro" schafft es aus der Geschmacklosigkeit hin zum anrührend amüsanten und gleichzeitig emotionalen Moment, während die entzündeten Fürze an Geschmack- und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten sind.
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Termine: 9., 18., 28. November Karten unter www.theater-oberhausen.de


#732- Die Katze auf dem

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Die Katze auf dem
heißen Blechdach

Am 27. Oktober feierte das Theaterstück "Die Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennesse Williams im Schauspielhaus Bochum Premiere. Das 1955 geschriebene und 1985 mit Elizabeth Taylor und Paul Newman verfilmte Kammerspiel erzählt die Geschichte der reichen amerikanischen Gutsfamilie Pollitt, deren Mitglieder anlässlich des nahenden Todes des Familienoberhauptes ihr wahres Gesicht zeigen.

Es ist der Abend von Big Daddys Geburtstagsfeier. Maggie (Margaret) und Brick, Big Daddys Sohn, haben sich dazu überreden lassen, zu diesem Fest zu erscheinen, da es wahrscheinlich das letzte für Bricks Vater sein wird. Dieser ist an Krebs erkrankt, auch wenn ihm die Ärzte vorerst beste Gesundheit bescheinigen.
Auf dem Gut der Familie müssen Maggie und Brick nicht nur Bricks älterem Bruder Gooper und dessen nervende Frau Mae ertragen, die mit allen Mitteln versuchen, die Sympathie des Vaters zu erlangen, um als Erben an erster Stelle zu stehen, sondern auch deren fünf schreiende und unerzogene Kinder. Zusätzlich stellt sich heraus, dass Maggies und Bricks Ehe nur noch eine Farce ist. Er ist nach dem Tod seines besten Freundes vor Jahren schon zum Alkoholiker geworden und will seitdem seine Frau nicht mehr anfassen. Maggie hingegen, die sich zu einer kratzbürstigen und verbitterten jungen Frau entwickelt hat, versucht trotzdem alles Erdenkliche, um doch noch einen Hauch von Leidenschaft zwischen den beiden wiederzuerwecken. Besonders, da Mae ihr bei jeder Gelegenheit vor Augen hält, dass sie noch keine Kinder bekommen und somit ihre Rolle als Frau vollkommen verfehlt hat.
Maggie wehrt sich ohne Unterlass wie eine Katze auf dem heißen Blechdach gegen Mae und Big Mama, die ebenfalls anmerkt, dass eine Ehe nur gut funktionieren kann, wenn die Ehefrau ihren Gatten in jeder Hinsicht sexuell befriedigt. Auf den Gedanken, dass Maggie vor Sehnsucht und Liebe zu Brick beinahe vergeht, kommt keiner.
Alles Lügen
Zu allem Überfluss verlagert die Familie die Feierlichkeiten spontan in das Zimmer der beiden, da Brick sich in der Nacht vorher auf dem Sportplatz bei dem Versuch über Hürden zu laufen, den Knöchel gebrochen hat, und dieses nun nicht verlassen kann. Der Versuch, hier eine Party steigen zu lassen, wird allerdings von Big Daddy höchstpersönlich unterbunden. Er will mit seinem Sohn Brick über dessen Alkoholproblem und die dazugehörigen Gründe reden.
Nachdem nach und nach alle Anderen aus dem Zimmer geschrieen wurden, schafft es Big Daddy die Wahrheit ans Licht zu bringen, bis Brick ihm seinen baldigen Tod vor Augen führt.
Als dann auch noch Gooper und Mae Selbiges Big Mama erklären wollen, zusammen mit einem Vorschlag für die Übernahme der Baumwollplantage, eskaliert die Situation.
Kühl, aber gut
Das Bühnenbild, welches ausschließlich das Zimmer von Maggie und Brick zeigt, ist in schlichtem, kaltem Weiß gehalten und besteht nur aus einer langen Bar, einem großen Bett und einem Sessel, die in diesem riesigen, asymmetrischen Raum ein wenig verloren aussehen.
Zwar weist die Inszenierung teilweise ein paar Längen auf, doch schaffen es die Darstellerinnen und Darsteller um Louisa Stroux (Maggie), Marc Oliver Schulze (Brick) und einem genialen Charles Brauer (Bid Daddy) die Bissigkeit und den Sarkasmus überzeugend darzustellen. Das Stück geht in die Tiefen und Abgründe der menschlichen Existenz, die sich in jeder und jedem von uns wieder finden lassen.

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Weitere Vorstellungen: 08.11. und 25. 11. 2007 um 19 bzw. um 19.30 Uhr
Karten unter www.schauspielhaus-bochum.de

#738- Yan Liankes "Dem Volke dienen"

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Yan Liankes "Dem Volke dienen" Sex und Liebe im Zeichen der Revolution – der verbotene Kultroman aus China Zwischen 1966 und 1976 – die Zeit der Kulturrevolution in China – wird der zielstrebige, aber einfache Soldat Wu Dawang zur Ordonanz und Haushaltshilfe in das Haus seines Divisionskommandeurs gerufen. Der Divisionskommandeur ist ein erfolgreicher und ehrgeiziger Diener des Landes. Jedoch wurde er während eines Kampfes im Genitalbereich angeschossen. Auf Grund seiner fehlenden "Männlichkeitg verlässt ihn seine erste Frau und auch seine zweiten, Liu Lian, fehlt die körperliche Zuneigung. Wu Dawang ist verheiratet mit Zhao Ezi, einer Frau aus einem Nachbardorf seiner Heimat, mit der er auch einen kleinen Sohn hat. Jedoch kam es zu der Heirat nur auf Drängen seiner Mutter auf dem Sterbebett und unter der schriftlichen Versprechung Wu Dawangs dem Schwiegervater gegenüber, seine zukünftige Frau in die Stadt nachzuholen, ihr eine gute Arbeit zu verschaffen, seine Aufnahme in die Partei und die Beförderung zum Offizier anzustreben. Wu Dawang hat keine Ahnung, was Liebe bedeutet und auch Sex ist für ihn nur eine Befriedigung seiner Triebe. Dienst am Volk? Während einer langen Abwesenheit des Divisionskommandeurs befiehlt Liu Lian Wu, sobald er bemerkt, dass eine Holztafel mit der Aufschrift " Dem Volke dienen" nicht mehr an seinem gewohnten Platz in der Küche liegt, in das sonst für ihn verbotene obere Stockwerk zu kommen, da sie Hilfe braucht. Bald darauf ist es so weit: Wu findet die Tafel und geht mit sehr gemischten Gefühlen die Treppe hinauf. Als Wu das angeblich kaputte Licht im ihrem Schlafzimmer reparieren soll und es hell wird, ist Liu nur mit einem blau-rot gemustertem seidenem Nachthemd bekleidet. Wu ist so überrascht und irritiert, dass er sich sofort abwendet. Liu fragt ihn nach seinem Gehorsam dem Kommunismus gegenüber aus, so dass Wu anfängt zu glauben, dass der Dienst an ihr Dienst am Volke ist und somit sein schlechtes Gewissen zu beruhigen versucht. Jedoch ist Wu mit dem von ihm geforderten Taten nicht ganz im Reinen und verlässt am folgenden Tag die Villa ohne Lius Wünschen Folge geleistet zu haben. Sie beschwert sich bei Wus Instrukteur, der ihm mit dem Rausschmiss droht. Daraufhin begibt sich Wu wieder in die Villa, mit dem Gedanken an die Versprechen, die er seinem Schwiegervater gegeben hatte. Wu entschuldigt sich in aller Aufrichtigkeit für sein Verhalten und Liu erinnert ihn immer wieder daran, dass er für den Kommunismus und für den Leitspruch "Dem Volke dienen" lebt. Liu regelt, dass Wu so lange bei ihr wohnen darf, bis der Divisionskommandeur zurückkommt. Wu und Liu sind voneinander fasziniert und verbringen Tage im Bett, Kleidung ist überflüssig geworden. Wu fängt an Liebe und Sex zu verbinden, und Liu geht es nicht anders. Sie experimentieren und verhalten sich wie ein frisch verliebtes Pärchen, das von Luft und Liebe leben kann…ohne Klassen- und Rangunterschied. Jedoch ist beiden klar, dass sobald der Divisionskommandeur zurückkommt, alles vorbei ist und dass niemand erfahren darf, was in der Villa Nr. 1 vor sich gegangen ist. Sie schwören sich trotz allem die Liebe und, wenn möglich, die Heirat. Liebe und Hass Während ihrer gemeinsamen Zeit kommt es jedoch dazu, dass Wu eine Gipsstatur von Mao, dem Führer der Kulturrevolution, zerbricht. Auf dieses Vergehen steht die Todesstrafe. Doch der Gedanke an den Tod stachelt die beiden weiter an, und um ihren Schwur der Liebe zu verfestigen, zerstören sie alle Abbilder und Figuren Maos sowie jegliche Spruchbänder und Tafeln mit kommunistischen Weisheiten. Sie verbringen eine Zeit der Liebe und des Hasses, der Zuneigung und des Abwendens, sowie der Gewissheit der Folgen und trotzdem des Hoffens auf eine Zukunft. In dem Buch " Dem Volke dienen" wird deutlich, wie sehr das eigene Denken während der Kulturrevolution verboten und das Leben nach den Lehren Maos als das Ideal gelebt wurde, in dem das Individuum nicht zählt, obwohl der Wunsch nach Freiheit und Respekt nie verloren geht. Yan Lianke gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet zum Beispiel mit dem Lu-Xùn und Lao-ShÄ› Literaturpreis. Jedoch bekommen die Chinesen nicht die Möglichkeit alle seine Werke zu lesen, da er das chinesische Gesellschaftssystem anprangert, indem er zum Beispiel auf das verdeckte Aidsproblem aufmerksam macht. ank

#737- Klein aber fein

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Klein aber fein Nach Wochen der Vorfreude und Spannung war es am Samstag endlich soweit: Die lang ersehnte Mensaparty öffnete Tür und Tor für Jedermann. Was als Riesenevent geplant war, wirkte in der Zeit von 13 bis 18 Uhr eher wie eine Privatveranstaltung für fünf bis zehn Auserwählte, die das Privileg genossen, zwischen ebenso vielen Bars wählen zu können und von einem riesigen Aufgebot an Sicherheitspersonal und Rettungssanitätern beschützt zu werden. Bands wie Krempels, Son et Lumière und Marnie waren bei ihrem Auftritt fast alleine in der Mensa und dennoch bemüht, gute Laune zu verbreiten. Mit Sprüchen wie "Ihr seid so ein geiles Publikum" versuchte man das Ganze mit Humor zu nehmen. Gods of Blitz kamen dann gegen Ende ihres Auftritts doch noch in den Genuss einer sich füllenden Mensa. Nicht zuletzt hing dies allerdings auch mit dem nahenden Auftritt von Culcha Cundela zusammen, deren Musik zwar nicht zwangsläufig besser ist, aber Popularität ist eben alles. Und los ging’s. Wie angekündigt gaben sich nach 18 Uhr Culcha Cundela, Joy Denalane, Zweiraumwohnung und Juli in der Mensa die Mikros in die Hand und brachten zwar kein ausverkauftes Haus, dafür aber ausgelassene Stimmung. Während sich das AKAFÖ um die Verpflegung der Stars kümmerte, konnten Besucher der Party an zahlreichen Ständen und Bars für ihr leibliches und geistiges Wohl sorgen. Dies führte dazu, dass die Stimmung mit fortschreitender Stunde, mal von den hektisch herumrennenden AStA-Mitgliedern abgesehen, immer entspannter wurde. Nach zehn Stunden Konzert endete der Abend schließlich mit der groß angekündigten "Aftershowparty auf zwei Ebenen" zu der dann tatsächlich noch ein paar Leute dazu stießen. Auch wenn die Party nicht so gelaufen ist wie geplant und der AStA nicht wirklich zufrieden damit sein wird, waren doch die zufrieden, die ihre Hüften bewegen und nach rechts und links gehen konnten, wenn die Bands es, im Rahmen von "Mitmachspielchen", von ihnen verlangten. Die Sympathiepunkte des Abends gebühren aber auf jeden Fall den Jungs von Culcha Cundela. Nach einer guten Show, in der sie die "Menge" zum Mitmachen bewegt haben, mischten sie sich unters Volk, wohingegen Zweiraumwohnung schon vor ihrem Auftritt mitteilten, dass sie gerne eine Viertelstunde nach ihrem Auftritt abgeholt werden wollten. Aber nun mal ehrlich: ob nun 1000 oder 4000 Zuschauer anwesend waren, spielt im Endeffekt vielleicht für die Finanzen und Politik des AStA eine Rolle, aber für den, dem es in erster Linie darauf ankam, einen schönen Samstagabend zu haben, ist doch am Ende entscheidend, dass die Stimmung auf der Mensaparty durchweg gelöst, und es, zumindest für einen Großteil der Anwesenden, eine tolle Party war. jst