Flux ins Museum

Geschrieben von mar am . Veröffentlicht in Kultur

Ausstellung zur Geschichte der Fluxus-Kunst in Bochum und im Revier

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Vor gut vierzig Jahren eröffnete Inge Baecker in Bochum ihre Galerie, der es zu verdanken ist, dass das Ruhrgebiet und insbesondere Bochum Schauplatz zahlreicher Fluxus-Aktionen wurde. Das Museum Bochum erinnert in der aktuellen Ausstellung „Inge Baecker Bochum –  Fluxus Ruhrgebiet“ mit Exponaten und zeitgenössischen Dokumenten an Wirken und Wirkung der in den 70er Jahren populären Kunstrichtung in Bochum: Zu sehen sind Wolkenautos und Reifentürme, Beethovenzimmer aus Notenblättern und sich selbst spielende Musikinstrumente.

 


1980 brannte es im Einkaufszentrum Ruhr-Park und gestunken haben muss es ganz fürchterlich. Ein Turm aus Autoreifen stand in Flammen. Dieser Turm war ein Kunstwerk des US-amerikanischen Künstlers Allan Kaprow und wurde im Zuge der letzten „Kunstwochen“ 1979 im Ruhr-Park erbaut. Hintergrund der Tat war aber nicht Kunsthass, sondern die Ablenkung von einem Einbruch in einem der Läden des Einkaufszentrums. Entsprechend ist in der Ausstellung nur ein Modell des Turms zu sehen und Nachrichten über seinen Bau und seinen Brand. Dies ist vielleicht eine der denkwürdigsten Geschichten hinter einem Exponat der neuen Ausstellung, die noch bis zum 21. Oktober im Museum Bochum zu sehen ist. Und letztlich geht es bei Fluxus – der Name deutet es schon an – oftmals weniger um das Ergebnis, als vielmehr um den künstlerischen Akt, um die Aktion, die Tätigkeit. Auf den Schöpfer des Reifenturms geht denn auch die Bezeichnung „Happening“ zurück.

 

Kunst-Konsum

Inge Baecker holte in den 70er Jahren Fluxus nach Bochum, in ihre Galerie und in den Ruhr-Park, wo von 1972 bis 1979 die „Kunstwochen“ stattfanden. So wurden KundInnen und Konsument­Innen mitunter auch zu KünstlerInnen. Sie wurden mit etwas konfrontiert, mit dem sie sonst womöglich wenig zu tun haben. Oft waren Fluxus-Aktionen da, wo die „kleinen Menschen“ sind, und nicht dort, wo die Kunstelite ihre Nasen hochhält. Gleichzeitig ist Konsumkritik oft Thema der Kunstwerke. Viele der Exponate der Ausstellung bestehen aus Alltags- und Wegwerfgegenständen. Wolf Vostell betonierte seinerzeit eine Ladentheke ein, mitsamt Geld und Lebensmitteln. Restauriert steht sie zurzeit im Außenbereich des Museums. Solche Aktionen sollten „den Menschen klarmachen, welche Frustrationen ihnen diese Leistungsgesellschaft aufzwingt.“ Auch kritisierte der Künstler den Fernsehkonsum: Gesendet würden nämlich „Pseudo-Erlebnisse in Form von Konserven, Klischees und Reflexionen.“ Darum zeigt sein „Millionenkasten“ laufend aktuelle Nachrichten. Daran sehen die  BesucherInnen zum Beispiel, dass Themen wie Krieg und Flüchtlinge, die Vostell schon in den 70ern auf Collagen thematisierte, noch heute aktuell sind.
Ganz anders genutzte Fernseher sind die des „TV Cello“. Der Begründer der Videokunst, Nam June Paik, konstruierte dieses Instrument, dessen Korpus aus drei Bildschirmen besteht. In Aktion sehen kann man es aber nur auf Aufnahmen, die das Museum auf einem weiteren Fernseher daneben zeigt.

Statischer Fluss

Fluxus steht für Fluss, eine Kunstausstellung ist eher statisch. So sind es eher selten die Ausstellungsstücke an sich, die Interesse wecken, sondern vielmehr ihre Entstehung oder andere Geschichten, die dahinter stecken. Die können sich die BesucherInnen auf Informationstafeln durchlesen oder von FührerInnen erzählen lassen. Auf den Tafeln sind, die Authentizität und Wirkung des Kunstwerks wahrend, Pressetexte und Zeitungsartikel aus den 70ern zu lesen. Den interaktiven Geist der Fluxus-Kunst einzufangen oder gar wiedergeben zu können ist sicherlich schwer, doch wäre das wünschenswert. Der Geist der Bewegung wird durch den Ausstellungskatalog (der die Infotafeln enthält) besser wiedergegeben als durch die Ausstellung selbst.

Fluxus Ruhrgebiet
25. August bis 21. Oktober 2012
Kunstmuseum Bochum

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