Leerstandsmelder in Dortmund ist online

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Eigentum verpflichtet

2-1-leer-mrAls im Jahr 2009 KünstlerInnen in der Innenstadt Hamburgs Türen aufbrachen und ein seit Jahrzehnten leerstehendes Arbeiterviertel direkt am Hamburger Hafen mit Kunst und Musik bespielten, ging man zunächst davon aus, dass die Hamburger Polizei die betroffenen Gebäude umgehend räumen würde. Seit Jahren verfolgt die Stadtpolitik der durch Hausbesetzungen geprägten Hansestadt eine Null-Toleranz Strategie gegen jede Form von Besetzung oder Zwischennutzung. Im sogenannten Gängeviertel schaffte es die Gruppe jedoch, zahlreiche UnterstützerInnen und eine große Öffentlichkeit für das geschichtsträchtige Viertel zu gewinnen. Die BesetzerInnen durften bleiben und entwickeln seitdem neue Projekte, die auch über das Gängeviertel hinaus gehen. Ein Projekt ist der Leerstandsmelder, der nun auch im Ruhrgebiet genutzt werden kann.
Seit zwei Wochen können leerstehende Gebäude und Flächen in Dortmund auf der Internetseite leerstandsmelder.de gemeldet werden. Neben der Adresse kann man dort Informationen zur Dauer des Leerstandes, zur Eigentümerin oder zum Eigentümer und zu eventuellen Abriss-Gerüchten eintragen. Für genaue Beschreibungen zur Geschichte der leerstehenden Räume sowie Fotos ist ebenfalls Platz. Bislang sind sieben Städte im Leerstandsmelder vertreten. Neben Dortmund und Hamburg kann man auf der Internetseite Informationen zu Leerständen in Berlin, Bremen, Frankfurt, Kaiserslautern und Görlitz finden.


Dass Leerstände nun auch in Dortmund verzeichnet und damit in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden können, ist vor allem dem Engement der Vereine „Die Urbanisten“ und „Machbarschaft Borsig 11“ zu verdanken. Die beiden jungen Vereine, die unter anderem Urban-Gardening Projekte betreiben, haben vom Hamburger Verein Gängeviertel e.V. auf Anfrage die Administrationsrechte für einen Leerstandsmelder in Dormund erhalten. Diesen haben sie am 13. August online geschaltet. Das Prinzip des Leerstandsmelders basiert auf der Mitarbeit der Öffentlichkeit. „Jeder kann mitmachen und Leerstände in Dormund melden“, sagt Vilim Brezina von den Urbanisten. „Aber man kann sich auf der Internetseite auch einfach über die Leerstände in der eigenen Stadt informieren.“ Durch die Administration der beiden Dortmunder Vereine wolle man eine gewisse Qualitätssicherung garantieren und verhindern, dass etwa PrivateigentümerInnen diskreditiert oder Fehlinformationen verbreitet würden, so Brezina.

89 Leerstände verzeichnet

Bei Redaktionsschluss waren 89 Leerstände in Dortmund verzeichnet, darunter etwa die Brachfläche nördlich des U-Turmes, die im Rahmen des Umbaus der ehemaligen Unionsbrauerei ursprünglich Teil des Kreativviertels U werden sollte. Allerdings ist eine zeitnahe Nutzung dieser Fläche nicht zu erwarten, da bereits der Umbau und Betrieb des U-Turmes ein tiefes Loch in die Haushaltskasse der Stadt gerissen hat und für einen Abschluss des Projektes Geld fehlt.
Und auch die ehemalige Kronen-Brauerei an der Märkischen Straße ist als Leerstand auf der Internetseite vermeldet.

2010 hatte die Initiative für ein Unabhängiges Zentrum in Dortmund (UZ) das Gebäude in die öffentliche Wahrnehmung gerückt, als sie dort eine Kunstausstellung realisieren und das Gebäude so zwischennutzen wollte. Wenige Stunden konnten sich die InitiatorInnen allerdings nur in dem Gebäude aufhalten, bis eine Hundertschaft der Polizei eintraf und das Gebäude räumte. Seitdem steht die ehemalige Brauerei wieder leer. Stadtsoziologe Tino Buchholz, der sich an der Besetzung der Kronenbrauerei beteiligte und dessen Film „Creativity and the Capitalist City“ unter anderem im Gängeviertel gezeigt wurde, begrüßt den Dortmunder Leerstandsmelder. „Jede große Stadt produziert ein Überangebot an Büro- und Gewerbeflächen. So stehen zum Beispiel in Städten wie Hamburg und Düsseldorf über 1 Million Quadratmeter Bürofläche leer. Durch das Wiki-Prinzip des Leerstandsmelders wird es möglich, Leerstand neu zu diskutieren, sichtbar zu machen und den Umgang mit freien Räumen zu demokratisieren.“

Horizontale Stadtentwicklung

Die Demokratisierung von Raumdiskussionen ist auch ein zentrales Anliegen der Urbanisten. „Eine unserer Motivationen ist, horizontale Stadtentwicklung zu ermöglichen“, sagt Brezina. „Das bedeutet, eine flächendeckende, bürgerorientierte, gemeinschaftliche Planung von städtischen Projekten zu befördern. Der Leerstandsmelder ist ein gutes Mittel, um Tranzparenz zu schaffen über die Leerstände in einer Stadt.“

leerstandsmelder.de/dortmund
dieurbanisten.de
das-gaengeviertel.info