Homophobie auf dem CSD?

am . Veröffentlicht in Kultur

2-2-web-CSD-flickr-bianca.olifer-CC-BY-NC-2Rechtsoffene Hip-Hop-Band spaltet die Queer-Szene

Eins muss man der Paranoia-Pop-Band Die Bandbreite lassen: Sie wissen, wie man Skandälchen produziert. Ihr Rezept dabei ist relativ simpel. Sie stoßen mit rechten Inhalten in linke Strukturen vor. Immer wieder. Sie polarisieren mit sexistischen Texten, stacheln zum Hass auf Israel an und empfehlen auf ihrer Website antisemitische Literatur. Jetzt bringt die „Politpop-Band“ Teile der Queer-Community gegen sich auf: Die Band soll am 28. Juli auf dem Christopher-Street-Day in Duisburg auftreten. KritikerInnen laufen Sturm. „Ein Fest von Schwulen und Lesben für Schwule und Lesben darf einer Band wie der ‚Bandbreite‘ keine Bühne für rechte, homophobe und antisemitische Verschwörungstheorien bieten“, sagt Frank Laubenburg, Sprecher der LAG queer der Linken NRW. Für ihn ist der geplante Auftritt der Band, die auf dem CSD auch noch als Headliner auftritt, ein Skandal. Anstoß nimmt Laubenburg, wie auch andere Teile der Queer-Bewegung, an Textzeilen wie diesen: „Der Führer Adolf Hitler war homosexuell, und deshalb trieb er es mit Rudolf Hess in nem Hotel, doch viel zu oft war Rudi in Europa unterwegs, und dat ging dem geilen Adi ja ma tierisch auf den Keks. Dann war er ganz alleine und hat so stark gelitten und fand auch keinen Trost an Evas braunen Titten. Darum war er ständig angepisst und auch so voll fanatisch, denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis.” Die Bandbreite selbst sagte in einer Stellungnahme, bei dem betreffenden Song „Kein Sex mit Nazis“ handele es sich um eine „Persiflage“. Es sei ihnen „ein Spaß“ gewesen, „den Nazis mit ihrem Schwulenhass unter die Nase zu reiben, dass ihre Gallionsfigur möglicherweise selber homosexuell war.“

Linke: „sexuelle Denunziation“

„Homophobie“, so LAG-queer-Sprecher Laubenburg, „kann nicht nur als offene Abwertung schwuler Männer und lesbischer Frauen daherkommen, sondern auch als vermeintlicher Scherz, der gängige Klischees bedient.“ Dies mache die „Bandbreite“ in dem kritisierten Song „eindeutig: Indem Adolf Hitler eine homosexuelle Orientierung angedichtet wird, stellt der Song in dieser Verbindung Schwulsein als verachtenswerte Eigenschaft dar. Darüber hinaus bedient der Song das gängige Klischee des promiskuitiven Schwulen, indem sie Homosexualität auf Sex reduziert und alle anderen Aspekte schwulen Lebens ausblendet.“ Auch hätten SPD und KPD bereits in den frühen 20er und 30er Jahren im Rahmen ihres Kampfes gegen die NationalsozialistInnen „einen Zusammenhang zwischen faschistischer Gesinnung und homosexueller Orientierung“ hergestellt. Daraus sei auch gefolgt, dass die Verschärfung des berüchtigten Paragraphen 175 durch die Nazis 1935 „kaum auf Widerstand traf.“ Der Paragraph illegalisierte homosexuelle Handlungen. Dies sei „auch eine Folge des fatalen und falschen Versuchs, die Faschisten mittels sexueller Denunziation zu bekämpfen.“
Der DU Gay e.V., Veranstalter des CSD Duisburg, gibt sich von der Kritik unbeeindruckt. Hier freut man sich, dass die Bandbreite „in diesem Jahr beim CSD Duisburg auftritt und ‚Flagge zeigt‘ gegen Homophobie und Diskriminierung!“ Dabei verlässt sich der Verein auf die Urteilsfähigkeit der VeranstalterInnen der „Parade der Kulturen“ in Frankfurt. Vor einer „internationalen Jury“ hätte die Band dort vor einiger Zeit den ersten Platz belegt, und das ausgerechnet mit dem beanstandeten Song. „Wäre ‚kein Sex mit Nazis‘ ein Aufruf zur Homophobie, hätte man die Band vor dieser Kulisse sicherlich nicht ausgezeichnet!“ Eine eigene Analyse des Textes bleibt aus.

Billige Tricks

In der Queer-Community ist man geteilter Meinung über die Band. Im Forum von Queer.de etwa meint ein User: „Die Musik an sich gefällt mir auch nicht. Aber das Ganze als homophob zu bezeichnen ist doch Quark“. Ein anderer stört sich hingegen auch an anderen Inhalten des Duisburger Duos: „Wenn man sich anschaut, was die sonst noch alles glauben, ist der Vorwurf der Homophobie noch am wenigsten gravierend. Wie kann man sowas auf dem CSD auftreten lassen?“
Dass die Band wieder ausgeladen wird, ist nach Ansicht von BeobachterInnen eher unwahrscheinlich. Vielen oft reaktionären linken Gruppierungen ist die Bandbreite eine Obsession. In der Vergangenheit schreckte man auch vor billigen Tricks nicht zurück, um der Band, die unter anderem suggeriert, Aids sei von den Juden erfunden worden, ein Forum zu bieten. So war es etwa auf dem UZ-Pressefest der DKP im vergangenen Jahr in Dortmund. Erst ein-, dann wieder ausgeladen und am Ende überraschend doch noch gespielt.

Bandbreite ausladen!

Zumindest für die Partei die Linke wünscht sich Frank Laubenburg eine eindeutige Vereinbarung: „Die NRW-LAG queer der Partei DIE LINKE wird sich zudem dafür einsetzen, dass ‚Die Bandbreite‘ auch nicht mehr zu Auftritten auf Veranstaltungen unserer Partei eingeladen wird – hier sind in der Vergangenheit ähnliche Fehler passiert wie nun ‚DU Gay e.V.‘“ Dieser solle indes „sein Programm für den diesjährigen CSD (…) dringend überdenken und ‚Die Bandbreite‘ ausladen.“