Fett watt auf die Ohren

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Wie die Kopfhörerparty nach Bochum kam


René Rosenkranz (aka DJ Renate von Rosen) holte 2009 die Kopfhörerparty nach Deutschland. Foto: CMPIst das jetzt Flashmob oder was? Hunderte von jungen Menschen blockieren die Straße und tanzen in der Stille. Nur hin und wieder schreit jemand auf. „Beat it“ oder „Remmi Demmi“ ist zu hören. Die Kopfhörerparty hält auch im vierten Jahr Bochum in ihrem Bann. Initiator DJ René Rosenkranz erzählt, warum und wie alles kam.

 

Bochum-Total im Jahr 2009: René Rosenkranz betreibt zusammen mit Thomas Kibilka das Café Zacher in der Brüderstraße. Wie jedes Jahr organisiert Rosenkranz (aka DJ Renate von Rosen) ein opulentes Programm für den Off-Sektor in der Brüderstraße. Für dieses Jahr hat er sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Neben diversen Turntable-Rockers soll es zur ersten Bochumer Burleske-Party kommen. Das Medienecho ist riesig. So riesig, dass eine Woche vor der großen Sause das Ordnungsamt im Zacher erscheint und kurzerhand das ganze (dreitägige) Programm untersagt. Keine Partys, keine laute Musik nach 22 Uhr, so lautet die Losung.
Doch Rosenkranz ist keiner, der sich von solchen Widrigkeiten abschrecken lässt. „Natürlich hab ich ein paar Tage durchgesoffen, aber dann hatte ich diese geile Idee.“ Ein paar Wochen zuvor hatte er auf dem Pink-Pop-Festival im niederländischen Landgraaf zum ersten Mal eine Kopfhörerparty miterlebt. „Das war der Knaller da“, so Rosenkranz. Schnell war aus der Not die Idee geboren, das Ganze nach Deutschland zu importieren. Damit betrat der Bochumer DJ vor vier Jahren Neuland. „Es gab ja noch Niemanden, der in Deutschland Funkkopfhörer in großer Zahl vermietete.“ So kam es zum zweiten Geistesblitz. Rosenkranz ließ sich bei der Bundesnetzagentur für drei Tage eine Radiofrequenz genehmigen. Über einen kleinen Empfänger konnte somit auf reguläre drahtlose Kopfhörer gesendet werden. Selbst mit vielen Handys konnte der Sound empfangen werden. Die Begeisterung war grenzenlos. „Selbst das Ordnungsamt war begeistert“, so Rosenkranz, der über Nacht einen landesweiten Trend losgetreten hatte.

 

Sound in Silence

Seitdem hat sich vieles verändert. Kopfhörerpartys gibt es nunmehr landauf und landab zu Hauf. Und auch Funkkopfhörer, für die man keine Sondergenehmigung mehr braucht, sind mittlerweile mit zwei oder sogar drei Kanälen (zum Switchen zwischen mehreren zeitgleichen DJ-Sets) in großer Stückzahl ausleihbar. „Zwar hatte die Radiofrequenz eine größere Reichweite, aber Funk ist bei mehreren DJ-Sets komfortabler“, so der Rosenkranz. „Entscheidend bleiben Lautenstärkenregler und Frequenzkipper am Kopfhörer. Stichwort: Bewegungsfreiheit.“ Und die Location? „Am besten unter freiem Himmel, aber Indoor geht auch klar.“
Und auch im Zacher hat sich Einiges geändert. Seitdem der Besitzer gewechselt hat, bestreitet Rosenkranz neue Wege. Die neue Kopfhörerparty wird am 30. April ab 21 Uhr im und vor dem „Ulrich“ direkt im Zentrum des Bermuda3ecks stattfinden, veranstaltet von Sylvie Buschmann. „Zentraler und größer“, so Rosenkranz. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Die Kopfhörer werden für 5 Euro gegen Personalausweis oder Führerschein ausgeliehen. Dieses Pfandsystem habe sich bewährt, erklärt der DJ. „Ich kenne so Party-Pappenheimer, da ist schnell mal ein Kopfhörer weg.“

Kein Battle, kein Ballermann

Zeitgleich ist im Zacher eine Kopfhörerparty unter neuer Ägide geplant. Was in der Lokalpresse bereits zum großen „Battle“ hochstilisiert wurde, zieht Rosenkranz ganz entspannt. „Es ist genug für alle da. Wichtig ist doch, wer was auflegt.“  Und damit sind wir gleich beim wichtigsten Thema. Denn Kopfhörerparty ist nicht gleich Kopfhörerparty. Besonders trendy sind gegenwärtig House und Elektro. Doch Rosenkranz winkt gelassen ab. „Die haben das Prinzip nicht verstanden.“ Partyhits seien der Schlüssel zum Erfolg. „Es darf ruhig mal peinlich sein, aber natürlich nicht Ballermann oder so. Es geht um Textsicherheit. Also Ärzte, Deichkind, Nirvana und auch mit Jackson habe ich gute Erfahrungen gemacht.“
Aha. Der Spaßfaktor steigt also mit dem Bekanntheitsgrad der Songs. Mit House und Elektro ist da nicht viel gewonnen. Denn das ist das Besondere an den Kopfhörerpartys: das Medium bestimmt den Inhalt. „Sobald die Leute einen Kopfhörer aufhaben, singen sie mit“, so Rosenkranz. „Und das ist halt der Spaß an der Geschichte.“

30. April ab 21 Uhr:
Sound in Silence, im und vor dem Ulrich (gegenüber Casablanca-Kino), Facebook.com/soundinsilence