Auf die Plätze!

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Kultur nach dem Tafelprinzip - die Kulturloge Ruhr


3-1-web-Sitze-CC-by-nd-Nicholas-Boos Hohe Eintrittspreise und niedrige Einkommen passen nicht zusammen. Die Kulturloge Ruhr wird hier zum Lückenfüller. Im Ruhrgebiet vermittelt der gemeinnützige Verein seit September 2010 erfolgreich unverkaufte Tickets für Kulturveranstaltungen jeder Art an diejenigen, die sich die Plätze sonst nicht leisten können.

„Mittlerweile haben wir fast 800 Kulturgäste und knapp 2.000 Tickets vermittelt“, berichtet Antonia Illich von der Kulturloge Ruhr. Der Verein, der in Berlin, Hamburg, Marburg, München, Gießen, Herborn und im Ruhrgebiet aktiv ist, kann immer mehr Kulturveranstalter als Partner für ihre Idee gewinnen. In Bochum ist der Verein erst vor kurzem gestartet: „In Bochum haben wir noch nicht so viele Partner und erst circa 50 bis100 Gäste, die aber natürlich auch nach Essen fahren können, wenn es dort eine Veranstaltung gibt, die sie interessiert. Der neueste Partner in Bochum ist übrigens der Bahnhof Langendreer“, erzählt Illich.

Wie es funktioniert

Im Ruhrgebiet fing alles in Essen an, so sind die meisten Kulturpartner auch dort. „In Essen sind wir mit elf Veranstaltern gestartet, jetzt sind es schon 41“, sagt Illich. „Wenn wir in einer Stadt starten, kontaktieren wir zunächst die städtischen Kulturdezernate, die dann die verschiedenen Kulturveranstalter anschreiben und so auf uns aufmerksam machen.“ Interessierte Gäste können sich über die Homepage der Kulturloge anmelden. Dann muss nur noch die Bescheinigung über die jeweilige Transferleistung, oder ein Stempel eines Kulturpartners, wie der AIDS-Hilfe Essen oder der Dortmunder Tafel eingesandt werden. Der Gast kann dann angeben, welche Art Veranstaltung er oder sie gerne besuchen möchte. Vom Klassik-Konzert über Theater, Varieté oder Museen: für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wenn es dann Tickets gibt, werden zuerst die Gäste angerufen, die noch keine oder wenige Veranstaltungen besucht haben. „Manche Veranstalter geben immer Tickets, die halten extra Plätze für uns frei. Die kleineren Häuser melden sich meist spontan. Wir bitten die Veranstalter eben die Tickets zu geben, die sonst übrig blieben“, erklärt Illich. Die Gäste müssen auch keine Angst haben, als Gäste zweiter Wahl zu erscheinen: „Die Tickets sind nicht physisch, die Gäste werden auf die Gästeliste gesetzt, so wie etwa Journalisten. Wir vermitteln unseren Gästen auch immer zwei Karten, sodass keiner alleine gehen muss.“ Und die Plätze sind oft auch nicht die schlechtesten.

Win-Win

„Nicht nur unsere Gäste profitieren davon, auch die Veranstalter, es sieht ja immer besser aus, wenn alle Plätze belegt sind, deshalb melden sich auch immer mehr Kulturveranstalter bei uns. Es spricht sich herum. Es ist schließlich eine gute Werbung für die Veranstalter,“ so Illich. „Dass wir uns seit unserem Start vor einem Jahr so entwickelt haben ist toll, wir wollen aber noch größer werden“, sagt Illich.
Dazu braucht es nicht nur Kulturveranstalter, sondern auch freiwillige HelferInnen und Gäste. Sie sind herzlich eingeladen, sich bei der Kulturloge zu melden. „Wir können immer Leute gebrauchen, die die Karten vermitteln. Und wir würden uns freuen, mehr Bafög-EmpfängerInnen unter unseren Gästen zu haben. Studierende, die Bafög bekommen, empfinden sich meist nicht als bedürftig, aber es ist doch so, dass sich viele Eintrittskarten für Theater oder Konzerte nicht leisten können. Dabei kann man sich bei uns ganz unkompliziert per Internet anmelden und eine Kopie des Bafög-Bescheids einreichen“, sagt Illich:
„Bei uns wird niemand bloßgestellt.“

http://www.kulturloge-ruhr.de