Unsichtbares sichtbar machen

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1-2_USch79. Kunsthistorischer Studierendenkongress an der RUB

„Kunst ist unsichtbar!“ Denn ein Großteil dessen, was wir heute gern als Kunst betrachten würden, ist verschwunden, zerstört oder vielleicht auch noch gar nicht als solche erkannt worden. Daher haben die Veranstalter_innen des 79. Kunsthistorischen Studierendenkongresses, der seit zehn Jahren erstmals wieder an der RUB stattfindet, die Tagung unter ein spielerisch-ernsthaftes Motto gestellt: „Ich sehe was, was du nicht siehst“! Vom 25. bis 28. November gibt es neben einer Ausstellung wissenschaftliche Vorträge, Führungen und praxisorientierte Workshops.

 

Der 79. KSK richtet den Fokus unter anderem auf das gesellschaftlich identitätsstiftende Moment von Kunst und Kultur. Solche Identitäten sollen auch auf dem Campus einer Massenuniversität wie der RUB durch das Medium Kunst geschaffen werden. Nur was hilft’s, wenn die allermeisten Studierenden viele potentielle künstlerisch-kulturelle Identifikatoren auf dem Campus nur höchst selten bewusst wahrnehmen?

So befasst sich eine Initiative Bochumer Studierender seit 2007 mit dem Problem, dass zahlreiche „Kunst am Bau“-Werke den meisten Studis unbekannt sind. Zudem sollen Teile der Kunst am Bau an der RUB wie der ursprünglich als wasserführendes Mosaik aus Betonquadern konzipierte Erich-Reusch-Brunnen zwischen Uni-Bibliothek und Audimax im Zuge der umstrittenen Campussanierung dem Abrissbagger zum Opfer fallen, ohne dass bislang eine offene Debatte darüber geführt worden ist.

Politische Dimension der Kunst

Kunst ist in den Augen der KSK-Veranstalter_innen nicht ohne ihre gesellschaftliche Relevanz zu denken und somit von Grund auf politisch. Um diese Erkenntnis produktiv umzusetzen, ist auch eine ausstrahlende Wirkung des Kongresses in den öffentlichen Raum intendiert. Daher wurde als Veranstaltungsort neben dem RUB-Campus sowie der Situation Kunst im Haus Weitmar mit dem sogenannten Katholikentagsbahnhof eine kulturelle Brachfläche in der Nähe der Riff-Halle am Rande der Innenstadt gewählt.

Auch das studentische Theaterfestival megaFON hat 2010 bereits einen erfolgreichen Versuch gestartet, Kulturbrachen in der Innenstadt zu erschließen. Zudem fand vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude vor einigen Wochen eine Performance des Bochumer Künstlers Matthias Schamp (siehe bsz #842) statt. Die KSK-Veranstaltungen sollen nun dazu beitragen, diese Brache an der Peripherie der Innenstadt weiter für Kulturveranstaltungen zu öffnen und die politische Diskussion hierüber voranzubringen.

In vielen anderen Städten wie Hamburg, wo der KSK vor einem Jahr stattfand, sind solche Debatten schon länger im Gange. „Neben dieser politischen Dimension war es vor allem unser Anliegen, die Heterogenität des kulturellen Lebens in Bochum und im Ruhrgebiet zu präsentieren und zu fördern. Bei allem erhofften fachlichen Austausch ist es auch immer Aufgabe der Kunst, Identitäten ein Bewusstsein zu geben. Der Katholikentagsbahnhof ist ein wesentlicher, bis vor kurzem nur noch nicht erkannter Teil unserer Identität“, erläutert Dennis Hübner vom KSK-Team.

Hochschulpolitik im Fokus

Zudem ist es den Veranstalter_innen ein wichtiges Anliegen, die Vertretung studentischer Interessen als ursprüngliche Motivation zur Errichtung des 1969 ins Leben gerufenen KSK weiterzuführen. Hierfür soll ein Richtungspapier entworfen werden, das die politische Dimension des Kongresses wieder stärkt. „Ob wir im Ergebnis jedoch starke hochschulpolitische Akzente setzen werden, wird das Wochenende zeigen. In unserer Planung nimmt die hochschulpolitische Diskussion jedenfalls einen sehr prominenten Platz im Programm ein. Geplant ist eine offene Diskussionsrunde mit dem Anspruch, Strategien zur hochschulpolitischen Mitbestimmung zu entwickeln“, lädt Mitveranstalterin Annika Becker alle kunstwissenschaftlich und hochschulpolitisch Interessierten zum Mitgestalten ein. Auf dass vielleicht auch die Politik hellsichtig wird und die Anliegen der Studierenden auch außerhalb der Kunstwissenschaft endlich ernstnimmt.

Infos: www.ksk-bochum.de