Grabschen ist kein Witz!

Geschrieben von clu am . Veröffentlicht in Kultur

Wenn sexuelle Übergriffigkeit als Spaß durchgeht ...

 

 Joko Winterscheidt überschreitet Grenzen.

 

Daran, dass die Medien mittlerweile zu großen Teilen von hirnlosen Formaten ohne jeglichen Anspruch beherrscht werden, hat man sich mittlerweile wohl oder übel gewöhnt. Seit einiger Zeit wird die Diskussion, wie viel nackte Haut sein muss, welche Schönheitsideale propagiert und welches Maß an Perversität gezeigt werden darf, zumindest ab und an geführt. Aus aktuellem Anlass wird seit einigen Wochen nun auch debattiert, in welcher Form im deutschen Fernsehen mit sexueller Übergriffigkeit umzugehen ist. Am 4. Oktober strahlte der Sender zdf_neo eine Folge der Sendung „neoParadise“ aus, in der die beiden Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sich unter der Rubrik „Wenn ich Sie wäre...“ auf der internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) gegenseitig Aufgaben stellten, die den anderen in möglichst unangenehme Situationen bringen sollten. Die gestellten Aufgaben könnte man als infantil und einfältig bezeichnen – aber über Humor lässt sich ja bekanntlich streiten. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem Heufer-Umlauf seinen Kontrahenten auffordert, einer unbeteiligten Messe-Hostess „einmal an die Moppelklampen und zweimal an den Arsch“ zu fassen. Winterscheidt weigert sich zunächst, aber um das Spiel nicht zu verlieren, geht er zu der Frau und fasst ihr mit den Worten „das wird jetzt so wahnsinnig unangenehm für beide von uns, aber es hilft ja nichts“ an Brüste und Gesäß. Der sichtlich irritierten Frau ist ihr Unbehagen anzusehen.
Doch damit nicht genug. Heufer-Umlauf erniedrigt sie im Gespräch weiter: „Gott, aber der war das auch so unangenehm, die stand da wirklich und hat sich so richtig entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt gleich nach Hause, und dann wird die schön heulen, unter der Dusche. Die steht jetzt sechs Stunden lang unter der Dusche.“ Damit demütigt der Moderator nicht nur die junge Frau selbst, sondern spielt auf widerwärtige Weise auf ein Verhalten an, das Vergewaltigungsopfer häufig zeigen.

 

Trotz Rekordquote kaum Widerstand

Beim ZDF rudert man derweil zurück: Die Berührungen seien nur angedeutet gewesen, außerdem habe die betroffene Dame der Ausstrahlung zugestimmt. Ob Winterscheidt tatsächlich nicht wirklich „zugelangt“ hat, ist für den Zuschauer jedoch nicht zu erkennen. Umso schlimmer, dass erst Tage nach der Ausstrahlung Kritik am Verhalten der jüngst mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Moderatoren laut wurde. Dank des letzten Auftritts des verstorbenen Dirk Bach erzielte die Sendung Rekordquoten – doch erst nachdem in Internetforen, Blogs und Kommentaren empört diskutiert wurde, wurde der Übergriff in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Man muss sich fragen, wieso weder das Drehteam vor Ort noch die Verantwortlichen vor Ausstrahlung der Sendung hinterfragt haben, ob ein solcher „Spaß“ nicht Grenzen überschreitet, an die sich auch das anarchische und pubertärhumorige Moderatorenteam Heufer-Umlauf/Winterscheidt hätte halten müssen.

Nur am „guten Geschmack“ vorbei?

Bei Twitter hat Heufer-Umlauf sich inzwischen entschuldigt: „wir haben kein taktgefühl bewiesen, und lustigen quatsch mit fahrlässigem, beleidigendem schwachsinn verwechselt. es tut uns ehrlich leid.“ Reicht das? Auf Facebook hat der Sender Folgendes bekanntgegeben: „Im Bezug auf die Rubrik ‚Wenn ich Sie wäre…!‘ aus der neoParadise-Sendung vom 4. Oktober, in der Joko von Klaas aufgefordert wird eine Hostess zu berühren, ist uns und unseren Moderatoren bewusst geworden, dass diese Aktion am guten Geschmack vorbeigegangen ist. Ebenso wie Joko und Klaas bedauern wir den Vorfall. Wegen der zahlreichen Proteste haben wir uns dazu entschieden, den besagten Clip von unseren Kanälen zu entfernen.“
Auf Youtube ist das Video mittlerweile nicht mehr aufrufbar, im Archiv von zdf_neo allerdings noch immer. Zu Recht wird in Blogs wie derspringendepunkt und Mädchenmannschaft kritisiert, dass eine solche Aktion weit mehr als „am guten Geschmack vorbei“ gehe. Gerade ein öffentlich-rechtlicher Sender, der den Grundrechten verpflichtet und aus Rundfunkgebühren finanziert wird, sollte ernsthaftere Konsequenzen aus einem solchen Vorfall ziehen.
Man kann nur hoffen, dass in Zukunft sowohl die MedienmacherInnen als auch die ZuschauerInnen ein wachsameres Auge auf solche und ähnliche Übergriffe haben. Sexuelle Belästigung darf auch unter dem Deckmantel des Humors nicht übersehen werden!

Kommentare   

0 #2 ehem 2013-06-15 10:41
wenn ich grabschen nicht schlecht finde und begrabscht werde bin ich kein opfer, sondern eine person, die zu meinen Vorlieben steht, wie andere weite Ausschnitte, Miniröcke oder gefärbte haare mögen. Dass andere Leute dazu gezwungen werden ist natürlich ein verbrechen, aber genauso wäre es auch ein Verbrechen, wenn man Frauen zwingen würd eihre Haare z.B. dunkel zu färben. Auch hat das fernsehn die Pflicht die Welt so darzustellen, wie sie ist, dass ist ihre 1. Pflicht, wie für die zeitung die Pressefreiheit, also nicht zurückzuhalten, dass die Autorin eine falsche Quellenlage vorgeworfen wiird, die 1. Pflicht ist, was oft vergessen wird, besonders von menschen, derren eigene meinung höher steht, als das Recht aller in unserem Staat und aller Menschen auf der ganzen Welt ihre Meinung kundzutun
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0 #1 ehem 2013-06-15 10:32
Warum kritisierst du nicht auch die gigantische Herabwürdigung als Sexobjekt durch die Frau, die am Anfang der Sendung absichtlich als Aktraktiv gezeichnet wurde und in ihrem Dirndel viel Ausschnitt zeigt? Ich wollte nicht als mann im öffentlichen Fernsehn als aktraktiver mann bezeichnet werden, der sein Sixpack zeigt, weil es ja so schön aussieht. Allein diese Mode ist doch schon geschlechterspe zifisch pervers aber von frauen erwünscht.
Desweiteren hat die Frau als reakion Überraschung und ein grinsen im Fehrsehn gezeigt und wurde gefragt, ob man diese Szene im Fehrsehn zeigen darf. Die Antwort war ein Ja, sie wollte nicht einmal verpixelt werden. Sie war also einverstanden mit dieser Szene und ich finde es ist eine sexuelle Nötigung, wenn man eine Sache selbständig Auswirkungen zuurtelt, die nicht stimmen. Dann könnt eich auch behaupten, dass alles Homosexuelle moralisch verdorben und deswegen dieser Akt verboten gehört, nur weil ich dies so sehe
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