#733- Von Ehen und Vergessenem

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in FSVK und Fachschaften

Von Ehen und Vergessenem

Ein Interview über die Arbeit von Fachschaftsräten und über die aktuelle Lage mit den SprecherInnen der FSVK.

bsz: Vielen Studierenden werden eure Namen nichts sagen. Deshalb würde ich vorschlagen, dass ihr euch zunächst einmal kurz vorstellt. Welche Fächer ihr studiert, euer Alter und warum ihr euch in und für die Studierendenschaft engagiert.

Martin Heckenkamp: Ich bin Martin Heckenkamp, studiere Sozialwissenschaft und Erziehungswissenschaften und bin 25 Jahre alt. Ich engagiere mich seit mehreren Jahren in der verfassten Studierendenschaft, da ich mich schon immer für Politik interessiert habe und hier die Möglichkeit habe, die Umstände unter denen ich lebe, bzw. studiere, für mich und auch für andere im Positiven mitzugestalten.
Sven Görgens: Ich bin Sven Görgens, studiere Jura und bin 27 Jahre alt. Begonnen hat mein studentisches Engagement in der Fachschaft Jura und von dort aus hat sich das dann weiterentwickelt. Es ging immer darum - und das hat sich auch nicht wirklich geändert - den Bedürfnissen der StudentInnen entgegen zukommen und ihre Interessen so gut wie möglich gegenüber Dritten zu vertreten.
Katharina Schieck: Ich bin Katharina Schieck, studiere Geschichte und klassische Philologie und bin 22 Jahre alt. Auch ich habe schon in meinem ersten Semester begonnen, mich nicht nur in der Fachschaft Geschichte für die Interessen der Studierenden zu engagieren. Wie meine Kollegen, habe ich schon früh erkannt, dass man sich organisieren und engagieren muss, wenn man seine Vorstellungen realisiert sehen möchte, oder aber zumindest Einfluss auf Entscheidungen nehmen will.

Nachdem ihr euch nun vorgestellt habt, wollen wir zu den eigentlichen Themen kommen. Was ist denn eigentlich die FSVK und wie genau ist eure Funktion als Sprecher in diesem großen Räderwerk zu verorten?

MH: FSVK heißt ausformuliert die FachSchafts-VertreterInnen Konferenz und das erklärt eigentlich schon fast alles. In der FSVK, die wöchentlich tagt, treffen sich VertreterInnen aller Fachschaftsräte, um Erfahrungen auszutauschen und wichtige Themen der Hochschulpolitik zu diskutieren. Neben den FachschaftsvertreterInnen sind in der Regel auch VertreterInnen der BSZ, des AStAs, sonstiger Initiativen und der Sprecher der studentischen Senatsfraktion anwesend und werden in die Diskussionen eingebunden.
Neben der Moderation der Sitzung und dem Schreiben der Protokolle sind wir als gewählte SprecherInnen der FSVK dafür zuständig, den Fachschaftsräten beratend zur Seite zu stehen, Themen für die Fachschaftsräte zu entwickeln, bzw. zu beobachten und von der FSVK entwickelte Beschlüsse oder Meinungen gegenüber Dritten, wie zum Beispiel dem Rektorat oder dem AStA zu vertreten. Die Satzung der Studierendenschaft räumt uns hier eine klar formulierte beratende Funktion gegenüber dem AStA ein.

Ihr, als imperative VertreterInnen der Studierendenschaft, habt ja einen größeren Überblick über die Arbeit der verschiedenen Fachschaftsräte als diese selbst. Wie seht ihr, besonders angesichts der aktuellen Situation, deren Arbeit in diesem Zusammenhang die Institution FSVK? Warum sollten Studierende sich organisieren?

SG: Nun, dass wir einen größeren Überblick haben, würde ich so nicht formulieren. Denn diesen Überblick, oder vielmehr die damit verbundenen Informationen und Erfahrungen, geben wir ja an die Fachschaften weiter. Ein Teil unserer Arbeit ist ja gerade die bestmögliche Information der Fachschaften in den für sie interessanten Bereichen.
Die Arbeit der Fachschaften ist immens wichtig und das wird sich sobald auch nicht ändern. Ob es um Hilfestellung beim Studium geht, ob Studienordnungen vorgestellt oder vielleicht auch verändert werden müssen Wenn es um Fragen der Zukunft der Fakultät geht sind die StudentInnen natürlich auch gefragt, und das ist der Kernbereich der Fachschaftsarbeit. Die FSVK versucht diese Arbeit durch eine Vielzahl von Maßnahmen zu unterstützen und zu erleichtern. Sei es durch finanziellen, organisatorischen oder manchmal auch moralischen Rat.
Und sowohl die Fachschaften selbst, als auch die FSVK ist auf interessierte StudentInnen angewiesen, die sich zum Wohl der Sache einsetzen und eine Menge Arbeit investieren – aber es lohnt sich auch für jeden Einzelnen. Die Erfahrungen die man sammelt, vor allem in so wichtigen Feldern wie Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit, können einem auch im weiteren Leben nützlich sein.

Ein heiß diskutiertes Thema in den letzten Monaten sind ja die eingeführten Studienbeiträge. Könnt ihr ein etwaiges Stimmungsbild aus den Fachschaftsräten im allgemeinen wiedergeben? Wie ist eure Position dazu und vor allem, wie wird damit umgegangen?

KS: Die meisten Fachschaftsräte stehen nun, nach der Einführung von Studiengebühren, vor einer sehr schwierigen Situation. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Hierbei geht es aber nicht nur um zum Beispiel die Verantwortung im Umgang mit den Studiengebühren, also der Mitentscheidung über die Verwendung, es geht vielmehr auch um den moralischen Spagat. Auf der einen Seite die Kritik an den Studiengebühren von den Studierenden mitgeteilt zu bekommen, auf der anderen Seite aber dann doch über deren Verwendung entscheiden zu müssen. Die Gebühren sind da und die kriegen wir zunächst nicht wieder weg. Wie also handeln die Fachschaften an dieser Stelle? Es ist nicht immer einfach, dass kann man generell sagen und eine Mehrzahl der Fachschaften spricht sich bislang gegen die Studiengebühren aus.
Wir konzentrieren uns bei der Argumentation dabei noch nicht einmal auf die vielen richtigen Aussagen bezüglich zum Beispiel der sozialen Gerechtigkeit, uns geht es vor allem und die Bedeutung für die Fakultäten und deren Studierende. Was bringen Studiengebühren? Sicher, ein wenig Farbe hat der Uni gut getan, auch wenn keine Wunder zu erwarten waren, aber dafür zahlen die Studierenden doch bitte nicht 500 Euro pro Semester. Oder sind neue Bestuhlungen in den Räumen wirklich eine Verbesserung der Lehre? Waren solche Ausgaben damit gemeint? Wir glauben nicht. Es ging um Verbesserung. Ein Mehr an Qualität, das über das alte Maß hinausgehen sollte, denn dass es Defizite gab, das war allen, sowohl Lehrenden als auch Studierenden klar.
Leider sieht es derzeit aber danach aus, als würden nun doch die Löcher gestopft, die der konsequente Sparkurs der Landesregierung erzeugt hat. Man hat die Universität kaputt gespart und nun bauen wir sie mit den Studienbeiträgen wieder auf, und das verkauft die Universitätsleitung als ein Mehr an Qualität. Dies zu kommunizieren und vor allem ein kritisches Hinterfragen zu ermöglichen, das ist eines unserer Ziele.

Wie würdet ihr die Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrenden insgesamt skizzieren? Gibt es eurer Erfahrung nach noch Verbesserung bedarf oder konkrete Punkte, die dringender Veränderungen bedürfen?

KS: Ich sehe, dass dies von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich ist. So gibt es Fakultäten, an denen lässt sich Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden durchaus als sehr positiv bezeichnen. Dort können etwaige Unstimmigkeiten, wie sie nun vor allem durch Diskussionen über die Verwendung von Studiengebühren entstehen, durchaus konstruktiv ausgetragen und im Einvernehmen mit den Studierenden geklärt werden.
SG: An machen Fakultäten allerdings - das bekommen wir leider immer wieder berichtet - lässt diese Zusammenarbeit jedoch sehr zu wünschen übrig. Wie sagt man immer so schön: Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Seine Lehrenden auch nicht (oder zumindest nur selten). Nicht immer passen die Ansichten von Lehrenden und Studierenden überein, und oftmals fehlen den Lehrkräften auch Einsichten, von denen man denken könnte, sie sollten sie vielleicht in ihrer eigenen Studienzeit kennen gelernt haben. Da bleibt dann nichts anderes übrig, als geduldig Argumente vorzubringen und manchmal muss man Themen auch direkter zur Sprache bringen. Zum Glück kommt es häufig vor, dass man zu einem Kompromiss findet, auch wenn es selten leicht ist.

Abschließend wäre für manche/n Studierende/n noch interessant zu lesen, was in diesem Semester noch aus Sicht der FSVK geplant ist und was gegebenenfalls schon Schatten vorauswirft?

KS: Wir müssen uns in diesem Semester natürlich weiterhin mit der Verwendung von Studiengebühren auseinander setzen. Des Weiteren überarbeiten wir schon seit längerer Zeit zusammen mit dem Satzungsausschuss die Paragraphen in der Satzung der Studierendenschaft, die die Fachschaften und Fachschaftsräte betreffen. Wie führt man eine ordentliche Vollversammlung durch? Wie können Mitglieder in den Fachschaftrat gewählt werden? Welche Aufgaben übernimmt ein Finanzreferent? Hier wird es wahrscheinlich noch in diesem Jahr zu diversen Änderungsvorschlägen oder vielmehr hilfreichen Ergänzungen kommen, die man dem Studierendenparlament zur Abstimmung vorlegen kann.
Auch die Fachschaftenfinanzierungsrichtlinien werden fieberhaft überarbeitet, bedürfen aber noch einiger Zeit, um zu spruchreifen Ergebnissen zu gelangen.

Möchtet ihr den Studierenden noch etwas persönliches mit auf den Weg geben?

SG: Ich würde Ihnen gern mit auf den Weg geben, dass studentisches Engagement nicht nur Spaß macht, sondern in der Tat auch viele Erfahrungen bringt, die einem später sehr nützlich sein können. Und natürlich sollten alle mal bei ihren Fachschaften vorbeigehen und denen vielleicht mal ein Lob überbringen, oder zumindest konstruktive Kritik - die Fachschaften freuen sich über Rückmeldung der Studierenden.
KS: Ich möchte den Studis, genau wie Sven, mit auf den Weg geben, dass sich jeder Fachschaftsrat aus eigener Erfahrung sehr über Rückmeldungen aus dem Kreis seiner Fachschaft freut, damit die Rückbindung nicht verloren geht. Außerdem lohnt es sich immer, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren, egal auf welcher Ebene. Man hat später nie wieder die Möglichkeit, vollkommen umsonst so viel über sich selbst und über andere Menschen zu lernen und somit seine "Soft-Skills" – wie es neudeutsch so schön heißt – auszubauen und weiter zu entwickeln. Das Studium macht darüber hinaus viel mehr Spaß, wenn man sich nicht nur einzig und allein auf den Stoff konzentriert, sondern auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus schaut.
Die Uni ist schließlich kein Dienstleistungsunternehmen und soll auch nicht dazu verkommen!
MH: Ich möchte allen Studierenden vorschlagen einmal einen Blick vorbei an ihren Vorlesungsskripten, Büchern oder Stundenplänen zu wagen. Die Zeit an der Universität muss nicht nur einfach eine Zeit sein, in der man alles für seine zukünftige Karriere tut, sondern sie kann auch eine Zeit der persönlichen Weiterentwicklung sein. Macht Euch Gedanken darüber, wie es den anderen Menschen auf diesem Planeten geht, vielleicht auch einfach Eurem Nachbarn, oder stellt Euch die großen Fragen unserer Zeit. Ihr könnt an der Universität so viel lernen, es wäre eine Schande, wenn Ihr nach Eurem Abschluss zwar Wissen fürs Geld verdienen hättet, aber keine Ideen für eine bessere Welt.
Das Interview führte FF

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