Nach Büffeln und Maloche

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4-1-RottstrVom Way of life zum Why of life

Das Kulturhauptstadtjahr 2010 ist vorbei. Nachdem die sogenannten Leuchtturmprojekte ihre hochsubventionierten Feuerwerke abgebrannt haben, ist endlich wieder Zeit für das Tagesgeschäft. Auch in Bochum gibt es viel zu entdecken. Eine Tour de Force entlang der hiesigen Ruhrie-Kultur.

Galerien

Die Chrom Galerie liegt mitten im Viertel Ehrenfeld und hat sich mit ihrem Programm ganz der Gegenwartskunst verschrieben. Hier findet sich ein furioser Genre-Mix aus Lowbrow Art, Street Art, Illustration und Fotografie. Marcus Welt möchte mit seiner Galerie Kunst auch für NeueinsteigerInnen zugänglich und erschwinglich machen. Am 27. Februar eröffnete die K.Gallery mit einem Kunst- und Gastronomiekonzept im Kreativquartier rund um die Rottstraße. Mit angeschlossenem Bistro soll die Galerie ein Treffpunkt von KünstlerInnen, Kreativschaffenden und Kunstinteressierten werden. Unlängst ist das Freie Kunst Territorium umgezogen. In seinem neuen Refugium an der Bessemerstraße ist viel Platz für Installation, Performance und Party. Im postindustriellen Flair sind hier unter anderem regelmäßig die Arbeiten von Dorothee Schäfer und Gabi Moll zu sehen.

Theater

Wie viel Pathos kannst Du vertragen? Wenn es um große Gefühle und knallharte Authentizität geht, sind TheaterliebhaberInnen mit einem Besuch des Rottstr.5-Theater bestens beraten. Der kalte Steinfußboden unter dem abgefuckten Tonnengewölbe hat schon viele Schauspielgrößen zu wahren Höchstleistungen getrieben. Underground trifft auf Reclam.

4-1-Foto-Schauspielhaus-CMPDas Schauspielhaus Bochum an der Königsallee ist Garant für anhaltendes Kulturhauptstadt-Flair. Hier feierte Thomas Bernhard unter der genialen Intendanz von Claus Peymann viele seiner Premieren. Hier tobten sich Peter Zadek und Leander Haußmann aus. Die eben gestartete Weber-Intendanz hat bereits zwei Publikumslieblinge hervorgebracht: Therese Dörr und Florian Lange. Unter dem Motto „Boropa“ gibt sich das Ensemble erfrischend weltoffen. Unlängst kehrte hier Armin Rhode als Cyrano de Bergerac unter der Regie von Katharina Thalbach an die Theaterbühne zurück. Spielplantipp: Die Labdakiden, inszeniert von dem jungen Regietalent Roger Vontobel. Das Prinz Regent Theater gehört zu den freien Bühnen Bochums und wird von der Stadt subventioniert. Unter der Leitung von Sibylle Broll-Pape konzentriert sich das Theater auf die Inszenierung zeitgenössischer Dramatik. Bei einem Fassungsvermögen von 100 Plätzen bleibt die Atmosphäre der Aufführungen intim. Neben Kabarett finden aber auch regelmäßig Konzerte statt.

Konzerte und Kleinkunst

Die Christuskirche liegt links vom Rathaus im Zentrum der Stadt und versteht sich als Kirche der Kulturen. In dem Sakralbau finden regelmäßig Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Die Bandbreite der Musik reicht von alternativ bis klassisch und hält auch den einen oder anderen Geheimtipp bereit.
Der Bahnhof Langendreer ist ein soziokulturelles Zentrum, das ein breites Programm von Kabarett und Comedy über Konzerte, Kino und Lesungen anbietet. Außerdem finden dort auch regelmäßig Veranstaltungen zu aktuellen politischen Themen statt. Die Jahrhunderthalle ist eine Art Festspielhaus. Es soll gleichzeitig ein Industriedenkmal und eine Kulturkathedrale sein. Die Jahrhunderthalle ist der Ort in Bochum, an dem diverse Messen, Märkte und Großveranstaltungen stattfinden. Aber auch für Präsentationen, Konzerte, Theateraufführungen, Galaabende und Bankette wird die Halle genutzt, die mitten im Westpark liegt. Der Westpark ist neben dem Stadtpark die zweite große Parkanlage, die zu Spaziergängen und im Sommer auch zu gemütlichen Runden auf den großen Wiesen einlädt. Der Kulturrat Gerthe ist ein gemeinnütziger Verein und befindet sich im Bochumer Norden. In seinen Räumen fördert das Team künstlerische Darstellungsmöglichkeiten und bietet ein ganzes Spektrum an Veranstaltungen zu Literatur, Musik, Kunst, Theater und Film bis hin zu Experimentalbereichen wie Performance an. Außerdem unterhält der Verein eine Geschichtswerkstatt mit Archiv zur Industrie-, Sozial- und Stadtgeschichte. Zudem können Kulturgruppen und EinzelkünstlerInnen die Arbeitsräume zur Produktion, zu Probezwecken, Kursen, Workshops, Aufführungen, Ausstellungen und Lesungen nutzen.

Disco

Die Zeche ist sowohl für ihre ausgesuchten Konzerte sowie ihren Discobetrieb berüchtigt. Hier an der Prinz-Regent-Straße hat das Prinzip der kulturellen Neuverwendung ausgedienter Industrieruinen sehr früh Früchte getragen. Seit den 80ern haben in der Zeche viele Karrieren an Fahrt gewonnen. Grönemeyer war hier Stammgast. Extrabreit füllen auch heute noch die Halle. Das Zwischenfall in Langendreer West gilt seit den 80ern als Heimstätte der damals noch so genannten Grufti-Szene. Seinerzeit reisten regelmäßig Gäste aus London an. Heute finden hier, neben dem obligatorischen Discobetrieb, BDSM-Partys und Hardcore-Konzerte statt. Smart und easy ist der Laden innerhalb von fünf Minuten vom Bochumer Hauptbahnhof mit der S1 Richtung Dortmund zu erreichen. Das Riff liegt hinter dem Bermuda3eck auf dem Gelände des ehemaligen Katholikenbahnhofs. Das Durchschnittsalter liegt weit unter 25. Rock, Indie, Alternative und Charts dröhnen hier aus den Boxen. Immer gut besucht, trotz Rauchverbot und wachsender Kritik an dem Verhalten der Türsteher.