#820 - Ohne Gebühren keine Lehre?

Geschrieben von jek am . Veröffentlicht in ErstiAusgabe

Studiengebührenverwendung in der UB

Die Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum bietet seit Einführung der Studiengebühren mehr Service. UB-Direktorin Dr. Erda Lapp und ihre Mitarbeitenden versorgen Studierende und Forschende mit elektronischen wie gedruckten Informationen. Neben der Ausleihe und der Nutzung der UB als Lernplatz stellt die Bibliothek den Studierenden auch elektronische Dienste wie Datenbanken für Zeitschriften und Aufsätze sowie E-Books bereit. Das Mehr an Datenbanken oder die verlängerten Öffnungszeiten sei erst durch 500.000 Euro Studierendengelder möglich geworden, betonen die Verantwortlichen. Große Teile der Studierendenschaft sprechen sich jedoch gegen Studiengebühren aus und kritisieren, dass die Gelder langfristig verplant werden. Sie befürchten, dass sich der Staat dank der Studiengebühren weiter aus der Finanzierung der Hochschulen zurückzieht. Mit den studentischen Geldern würde lediglich die katastrophale Unterfinanzierung aus öffentlicher Hand ein wenig abgemildert, so die Kritik.

Im Interview mit der bsz erklärt Direktorin Lapp, welche Serviceleistungen die Unibibliothek inzwischen durch Studiengebühren finanziert.

E. Lapp: Zunächst konnten die Öffnungszeiten der UB verlängert werden. Die von den Studierenden gewünschte Verlängerung wird auch sehr gut angenommen. Die Öffnung der UB bis 22 Uhr soll auf jeden Fall beibehalten werden. Auch nach 22 Uhr wird die UB noch gut genutzt, weshalb die probeweise Öffnung bis Mitternacht dauerhaft beibehalten werden soll. Dafür müssen jedes Jahr 100.000 Euro investiert werden. Außerdem konnten wir durch die Gebührenmittel weitere Lizenzen für elektronische Datenbanken wie etwa „Academic Search Premier“ einkaufen. Dort sind die meisten Zeitschriften als Volltext hinterlegt. Im Lizenzjahr 2009 haben wir nur zwei Datenbanken dazugekauft, dafür mehr gedruckte und elektronische Bücher.

Welche Vorteile haben diese neuen Anschaffungen für die Studierenden?

E. Lapp: Die Datenbanken können jederzeit von den Studierenden über den VPN-Client der RUB auch von zu Hause aus abgerufen werden, sodass Studierende auch nachts um zwei noch an ihre Daten kommen. Die Aufsätze sind schon wissenschaftlich bewertet. Zudem bieten einige Datenbanken Querverweise zu anderen Aufsätzen. Die elektronischen Bücher haben den Vorteil, dass mehrere Studierende sie gleichzeitig nutzen können.

Was würde passieren, wenn die Studiengebühren wieder abgeschafft werden?

E. Lapp: Wir würden auf unseren regulären Etat zurückgeworfen. Die Dienstleistungen werden ja nicht nur aus Studiengebühren finanziert. Aber der Etat, der uns vom Rektorat zugewiesen wird, ist zu niedrig. Wir könnten zum Beispiel weniger Datenbanken zur Verfügung stellen. Deswegen ist es auch wichtig für uns zu wissen, ob wir die Gebühren der Studierenden für die Datenbanken einsetzen sollen.

Warum ist der Etat so niedrig?

E. Lapp: Das Rektorat verweist auf das zweischichtige System: Neben der Zentralbibliothek gibt es ja auch noch die Fachbibliotheken, die Geld bekommen. Es ist aber schwierig, die Mittel zusammenzuführen, sodass etwa die Finanzierung der Datenbanken gemeinsam getragen werden könnte. Um Datenbanken, E-Books, die verlängerten Öffnungszeiten sowie gedruckte Bücher in einem Lizenzjahr einkaufen zu können, benötigen wir noch zusätzlich Geld.

Datenbankenschulungen finden im Rahmen der Einführungsveranstaltungen und Tutorien der verschiedenen Fakultäten statt. Das Servicepersonal der UB bietet auch individuelle Unterstützung an. Info und Kontakt unter: www.ub-infos.tk

Sind Studiengebühren wirklich sinnvoll und notwendig? Das sagen die KritikerInnen: www.argumente.tk (pdf-Broschüre des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren).