Hidden Treasures

am . Veröffentlicht in ErstiAusgabe

Man möchte annehmen, an einem Orte der Aufklärung, sei nichts Geheimes mehr. Weit gefehlt. Die Betonschönheit RUB-Campus verfügt über mehr unbekannte Ecken und Kanten als man glauben mag. Lasst diesen Text euer Gollum sein, der euch durch die Untiefen von Mordor geleitet. Da wären zunächst die stillen Orte. Abgesehen von dem strahlend weißen Sanitärwunder im Mensabau sind sie doch meist kein schöner Anblick. Und stinken tun sie auch. Was sich da alles seit den Sechzigern abgesetzt haben muss. Aber verzage nicht, Ersti!

Man gehe einfach auf eines der obersten Stockwerke, da wo die Institute ihre exklusiven Sitzungsräume haben. Am besten sucht man eine ungerade Etage auf, da sind nämlich keine Durchgangszimmer wie Bibliotheken und geht natürlich in den verlassenen Süden. Was sich einem erschließt, ist eine Oase der Ruhe zur inneren Reinigung.
Und habt ihr schon von dem sagenumwobenen Glory Hole auf GB 02 gehört? Oh ja, die Legenden sind wahr. Vor einigen Jahren konnte man dort eines finden, bis die verklemmte Uni-Verwaltung dem Ganzen mit einer Platte aus Edelstahl und Scham den Riegel vorsetzte. Ein Glorienloch, was könnte das sein – fragen unschuldige Gemüter. Nun ja, das wäre eine kreisrunde Öffnung, die jemand unerlaubterweise in die Wand zwischen zwei Toilettenställen gesägt hat. Sie ist ungefähr auf Gürtelhöhe angebracht und dient dazu, längliche Objekte hindurchzuschieben. Gurken, Bananen, was auch immer.
Aber die RUB kann auch zärtlich. Wenn man einfach mal die Campushälfte wechselt, zu NA geht und mit dem Aufzug auf Etage 7 fährt. Das letzte Treppenstück zum Dach bei den Betriebsräumen im Norden gilt als unsere Knutschecke. Jaja, was woanders an einer Flussbrücke neben der alten Eiche liegt, passiert hier unter dem Summen von Lüftungsmaschinen. Cyberpunk-Romantik halt. Dieselbe Stelle im Süden von NA ist übrigens mit einem verstimmten Hinweiszettel verziert: „Liebe Studenten, sucht euch doch bitte ein anderes Treppenhaus zum Kiffen.“
Wenn man schon so weit oben ist, kann man auch den Ausblick genießen. Zwar ist laut Bauspießersicherheitsordnung 581, Absatz 12, Zusatz IV vermutlich aus dem Jahre 1944 der Betritt der Balkone der RUB verboten. Das hat aber bis jetzt noch niemanden vom Rauchen auf eben diesen abgehalten. Als Protestnote darf der Holzkohlegrill dann natürlich auch nicht fehlen.
Bei einer Sache versagt dieser Sherpa allerdings: ein ganz gewisses Kleinod, das täglich für blutige Konflikte unter den StudentInnen sorgt. Selten tauchen Geschichten auf, von Leuten, die behaupten, sie würden jemanden kennen, der einen solchen gesehen hat. Aber letztendlich passen sie wohl doch eher ins Reich der Feen und Einhörner statt in die Realität, diese Parkplätze.
Die schönste Stelle des ganzen Campus liegt allerdings im Botanischen Garten. Dort, im Halbschatten eines Baumes, liegt etwas abgelegen eine Bank. Auf ihr kann man noch vage den Fluss des Wassers im Chinesischen Garten und das Wiegen des Laubes über einem vernehmen. Nur selten kommen Passanten dort vorbei. Viele Bücher wurden daselbst schon vom Autor dieser Zeilen meditativ verschlungen. Wo genau sie liegt? Pah, das bleibt mein Geheimnis, sucht euch eure eigene Zuflucht. Mein Schatz, mein Schaaaaatz. Hihihihi.