Marokko: Bewaffnet und vermummt - Studierendenkonflikte in Agadir

Geschrieben von Chs am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Leben unter Allah, Vaterland & König

4-1-web-allah-chsSilbern glänzt das Metall der Axt vom Widerschein der Straßenbeleuchtung. Die meisten halten Schlagstöcke in der Hand oder gestikulieren mit Eisenrohren herum. Draußen wirft bereits das Dunkel der Nacht seine Schatten voraus. Die Uhr zeigt halb elf. Nur blass beleuchten die roten und gelben Lichter, dass sich die vermummten jungen Männer an den Häuserecken in Gruppen zusammenfinden. Fast alle sind bewaffnet, haben sich Tücher um die Gesichter gebunden oder Mützen aufgesetzt und ziehen zwischendurch skandierend durch die Wohnblocks. AnwohnerInnen schauen aus dem Fenster. Einige gehen auf ihren Balkon, um zu sehen, was sich da unten auf der Straße tut. Die Luft riecht noch immer nach den Abgasen des Tages und nach staubig-trockener Erde. Langsam weicht die schwere Wärme dieses Montags. Gleich wird im Wohnblock Ibn Zohr in Agadir die Kühle der Nacht Einzug halten. Denn in dieser Märznacht ziehen die Studenten in Marokko wieder einmal gegen ihre eigenen Kommilitonen auf die Straße. Nicht, um zu diskutieren, sondern um auf einander loszugehen.

Schwules Blut

Geschrieben von Mnd am . Veröffentlicht in Kolumne

Schwule dürfen kein Blut spenden. Hat irgendwas mit ‘ner „erhöhten Risikogruppe“ zu tun. Auf deutsch heißt das, dass schwule Männer öfter AIDS haben, deshalb will man lieber auf Nummer sicher gehen. „Werden die denn nicht vorher getestet?“ könnte man sich da fragen. Klar werden sie. Das heißt, werden sie nicht, denn sie dürfen sich ja gar nicht erst anstechen lassen. Dabei ist die Argumentation durchaus interessant: Wenn ein Schwuler oder Bi-Mann auch nur ein einziges Mal Sex mit oder ohne Lümmeltüte macht, darf er nicht spenden. Wenn sich aber ein Hetero-Mann ungeschützt durch die Reeperbahn vögelt, darf er danach Ader lassen, bis der Arzt kommt.

Ein Mann wie Deutschland

Geschrieben von de am . Veröffentlicht in Kolumne

Die lange Geschichte unserer großen, alten Nation ist um ein Kapitel reicher. Ein weiterer Akt wurde dem Schauspiel hinzugefügt. Und nein, es ist wahrlich keine ruhmreiche Episode. Seine Exzellenz, der Bundespräsident, ist von uns gegangen. Was hatte man nicht für Erwartungen in diesen brillanten Geist, Christian Wulff? Als er auf der Bühne des Geschehens auftauchte, in der Stunde der Not, der Zeit der Suche, haben alle gesagt: Ja, der kann es.

Schaulaufen der Polit-Irren

Geschrieben von Mnd am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

4-1Die Verleihung des Steiger-Awards sorgt für Kritik

Reibungslos wird die Veranstaltung nicht über die Bühne gehen. „Der ZAD kündigt Proteste zur Preisverleihung an“, erklärte der Vorstand des Zentralrats der Armenier in Deutschland (ZAD) am Wochenende auf seiner Website. Der Vorsitzende des ZAD, Azat Ordukhanyan, fügte hinzu: „Wir warten noch immer, seit nunmehr 97 Jahren, darauf, dass die Türkei uns zugesteht, in unserer alten Heimat um die 1,5 Millionen Opfer des Völkermords von 1915 zu trauern. Das Gegenteil ist der Fall – unverändert sind unsere Landsleute heftigen Repressalien ausgesetzt.“ Es geht um die Verleihung des sogenannten Steiger-Awards am 17. März in der Bochumer Jahrhunderthalle. Mit dem Preis sollen Menschen für ihre „Offenheit, Menschlichkeit, Geradlinigkeit und Toleranz“ ausgezeichnet werden.

Wer ist alles dagegen?

Geschrieben von fik am . Veröffentlicht in Kultur

wikimedia-Simplicus-CC-BY-SA-3Piraten wollen Bürgerentscheid zum neuen Musikzentrum

Die Pläne zum Musikzentrum in der Bochumer Innenstadt nehmen immer konkretere Züge an. Der Streit um das ursprüngliche Konzerthaus für die Bochumer Symphoniker auch. Die jahrelange Diskussion schien ein Ende zu haben, nachdem der Rat der Stadt Bochum am 1. März den Architekturwettbewerb beschlossen hat. Jetzt wollen die Bochumer Piraten, dass die Bürger_innen über das Mammutprojekt entscheiden.

Der Mensch und das Naturkonstrukt

Geschrieben von mr am . Veröffentlicht in Kultur

3.1-rabe--CC-BY-NC-ND-2„Wenn das Schlachten vorbei ist“, der neue Roman von T.C. Boyle

„Ratten […] sind weltweit für sechzig Prozent des Aussterbens von Inselpopulationen verantwortlich“, erklärt die Romanfigur Alma Boyd Takesue zu Beginn des Romanes „Wenn das Schlachten vorbei ist“. Und weil diese Ratten nun auch die Population der Bodenbrüter und Pflanzenwelt auf einer kleinen Insel vor der Küste Kaliforniens bedrohen, macht die Biologin Werbung dafür, diese Ratten kurzerhand auszurotten, um die bedrohten Arten zumindest auf dieser Insel zu erhalten. Was - staatlich finanziert - dann auch geschieht. Alles wieder im Lot? Nein, denn auf der deutlich größeren Nachbarinsel machen vom Menschen eingeführte und nunmehr verwilderte Schweine den einheimischen Inselfüchsen das Leben schwer. Auch diese müssen also ausgerottet werden. Oder etwa nicht? Dave LaJoy, die zweite Hauptfigur des Romans und Almas direkter Gegenspieler, ist der Meinung, man dürfe überhaupt keine Tiere töten. Weder Ratten, noch Schweine, noch sonst irgendwelche. Der aggressive, Obdachlose verachtende Dreadlockträger Dave versucht daher mit allen Mitteln, das Vorgehen der Naturschutzbehörden zu verhindern, um auf seine Weise die Natur zu schützen.