Krisenchronik Portugal

Geschrieben von de am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Beginn der Schuldenkrise

Während Portugal schon seit Langem das ärmste Land Westeuropas war, trifft es das Land in der Weltfinanzkrise in den 2000ern besonders hart: das Bruttoinlandsprodukt fällt, die Staatskasse ist nahezu leer und die Arbeitslosigkeit erreicht ein Rekordhoch von elf Prozent. Die großen Ratingagenturen senken daraufhin ihre Entwicklungsprognosen von Portugal. Das lässt die Zinsen für den Staat ansteigen und belastet den Haushalt noch mehr.

Sparpolitik und Generalstreik

Im September 2010 verkündet der sozialistische Ministerpräsident José Sócrates auf Druck der EU und der Finanzmärkte ein Kürzungspaket, dass eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 21 auf 23 Prozent, eine Senkung des Rentenniveaus und Lohnabzüge für öffentlich Beschäftigte beinhaltet. Das ist die größte Ausgabenkürzung in der Geschichte der portugiesischen Demokratie seit 1974. Drei Millionen Arbeiter*innen protestieren daraufhin im ersten Generalstreik seit 22 Jahren. Die portugiesische Regierung und die EU-Kommission dementieren Berichte, wonach das Land demnächst internationale Hilfen benötigen würde.

„Rio es um F.D.P.“

Geschrieben von rvr am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Schulbesetzung, Polizeigewalt und ein beleidigter Bürgermeister

4-1-2Freitag Abend, 18 Uhr. Am Marquês-de-Pombal-Platz, neben der Kirche Nossa Senhora da Conceição, herrscht reges Treiben. Menschen strömen aus der Metro, die Pasteleria um die Ecke verkauft trotz der vorgerückten Stunde noch jede Menge Kuchen und Torten. Ein älterer Herr, der an der Bushaltestelle wartet, dreht sich skeptisch um. Aus dem unscheinbaren Haus hinter ihm, direkt neben der Kirche, kommen seltsame Geräusche: Lautes Gitarrengeschrammel, Bass, Gegröle. Alle paar Minuten klopfen junge Menschen an die nicht gekennzeichnete hohe, rote Tür – und werden eingelassen. Was der ältere Mann vielleicht nicht weiß, ist in der alternativen Szene in Porto allgemein bekannt: Die Casa Viva, eine seit sieben Jahren von den Behörden geduldete linke Besetzung, hat ihre Türen wieder für die Öffentlichkeit geöffnet.

:bszKolumne: Bleichgesicht

Geschrieben von fik am . Veröffentlicht in Kolumne

Wie schön ist es doch, ein Land zu bereisen, in dem auch Ende September noch die Sonne scheint. Das Wetter genießen, am Strand liegen und die Sonne auf den allzu weißen Bauch scheinen lassen. Doch stopp! Die allzu weiße Haut. Schon wenige intensive Sonnenstrahlen können sie verärgern. Der bedauerliche Hauttyp 1, er kann die Sonne nie gefahrlos genießen. Deswegen darf das Bleichgesicht auch niemals die Phalanx aus Sonnenmilch, Sunblocker, After-Sun-Lotion, Cappies, Hüten und Mützen vergessen, bevor es in die sonnenverwöhnten Gebiete der Erde aufbricht. Nur richtig gecremt, geölt und geschmiert kann es gewagt werden, der Sonne direkt ins Antlitz zu blicken. Dem unbarmherzigen Lächeln unseres Gestirns widersteht das Bleichgesicht nur durch eine dicke und noch weißere Schicht Creme.

"Viel zu bescheiden"

Geschrieben von fik am . Veröffentlicht in Hochschulpolitik

Bildung? Nein, Wirtschaftslogik: Die Bochumer Hochschulen feiern sich

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Die regional-ökonomische Bedeutung des Wissenschaftsstandortes Bochum ist sehr groß. Zumindest behauptet dies das Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum. Dies ist Wasser auf die Mühlen der RUB-Leitung. Rektor Elmar Weiler sah die Ruhr-Uni schon vorher als wichtigste Institution Bochums. Die Wissenschaftler*innen haben die ökonomischen Impulswirkungen der Hochschulen für die Region untersucht und kommen zu beeindruckenden Zahlen.

Flux ins Museum

Geschrieben von mar am . Veröffentlicht in Kultur

Ausstellung zur Geschichte der Fluxus-Kunst in Bochum und im Revier

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Vor gut vierzig Jahren eröffnete Inge Baecker in Bochum ihre Galerie, der es zu verdanken ist, dass das Ruhrgebiet und insbesondere Bochum Schauplatz zahlreicher Fluxus-Aktionen wurde. Das Museum Bochum erinnert in der aktuellen Ausstellung „Inge Baecker Bochum –  Fluxus Ruhrgebiet“ mit Exponaten und zeitgenössischen Dokumenten an Wirken und Wirkung der in den 70er Jahren populären Kunstrichtung in Bochum: Zu sehen sind Wolkenautos und Reifentürme, Beethovenzimmer aus Notenblättern und sich selbst spielende Musikinstrumente.

 

Der Zwang zum Normalsein

Geschrieben von fik am . Veröffentlicht in Urbi et Orbi

Psychiatrie-Erfahrene treffen sich an der Ruhr-Universität

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Wer entscheidet in unserer Gesellschaft darüber, wer psychisch erkrankt ist? Es sind Ärztinnen und Ärzte, die bestimmen, ob eine Person in eine Psychiatrie eingewiesen werden soll. Aus dem System der Psychiatrien wieder herauszukommen, ist hingegen sehr schwierig. Am 8. September fand der Selbsthilfetag des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener NRW im AusländerInnen-Zentrum des Studierendenhauses an der Ruhr-Universität Bochum statt. Das Motto dieses Treffens lautete: Stress haben, Stress machen, Stress bewältigen.