Beschäftigungssituation studentischer Hilfskräfte


2-1-Foto-Paula-Wiesemann(jek) Eine Stelle als studentische Hilfskraft kann der Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere sein. Aber der Job im Wissenschaftsbetrieb hat auch Schattenseiten. Mehrere ASten, AGs und Gewerkschaften in NRW haben sich mittlerweile vernetzt, um die Arbeitsbedingungen zu evaluieren und Verbesserungen zu erreichen, denn: „Oft überstrahlen die Vorteile der Hilfskraftsstelle die Nachteile“, so Paula Wiesemann, Vorsitzende des Netzwerks wissenschaftlicher Nachwuchs. In einer Stellungnahme wendeten sich mehrere ASten nun an die Politik. Eine Kernforderung: Die Rechte der Hilfskräfte müssen klarer formuliert werden.


RUB-Studentin Anna hatte einen Job als Tutorin ergattert. Zunächst überwog bei ihr die Freude über die heißbegehrte Stellung. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass sie doppelt so viel arbeiten musste, wie in ihrem Arbeitsvertrag festgelegt war – ohne zusätzliche Bezahlung. Anna traute sich, die Situation am Lehrstuhl anzusprechen: „Da bekam ich aber nur zu hören, dass ich froh sein solle, die Stelle überhaupt zu haben. Jetzt habe ich einen anderen Nebenjob außerhalb der Uni annehmen müssen.“ Annas Arbeitssituation ist Alltag, nicht nur an der RUB. Der Reiz der Stellen als studentische Hilfskraft (SHK) ist für viele NachwuchswissenschaftlerInnen groß. „Aber die Arbeit als Hilfskraft muss man sich leisten können“, so Paula Wiesemann.

Stellung beziehen

Der AStA Bielefeld hat mit Unterstützung der ASten der FH Aachen, FH Bielefeld, Uni Bielefeld, EFH Bochum, Uni Bochum, FH Köln, Uni Köln, Uni Münster, Uni Paderborn und der Uni Siegen mitte August eine Stellungnahme an die Mitglieder des Landtagsausschusses für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, an die NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und verschiedene Gewerkschaften gesendet. Für die über 30.000 SHKs, die „eine wichtige Stütze im Lehr- und Forschungsbetrieb“ sind, sei es „unbedingt notwendig, dass die herrschende Beliebigkeit im Umgang mit ihren Arbeitsrechten beendet und eine starke Personalvertretung gesetzlich garantiert wird“, so Matthias Orlikowski, Sozialreferent des AStA der Universität Bielefeld in der Stellungnahme. Bislang sind SHKs aus den bestehenden Personalvertretungen per Landesgesetz ausgeschlossen. Ministerin Schulze versprach bereits im Juli die Implementierung „einer adäquaten Interessenvertretung für die zahlreichen studentischen Hilfskräfte an Hochschulen.“ Bisher gibt es noch keine Antwort auf die Stellungnahme. Der AStA Bielefeld habe jedoch von verschiedenen Seiten aus der Landespolitik gehört, dass die Landesregierung sich mit dem Thema beschäftigt und eine Personalvertretung aufbauen wolle. Die ASten sympathisieren grundsätzlich mit zwei Varianten der strukturellen Ausgestaltung: „Die Personalvertretung für studentische Beschäftigte könnte entweder an die bereits bestehenden Personalvertretungen an den Hochschulen angegliedert werden oder es wird eine autonome Vertretung aufgebaut, wie in Berlin.“ Berlin ist das einzige Bundesland, in dem es einen Tarifvertrag für studentische Beschäftige gibt. Dort gilt bereits seit 1986, dass studentische Beschäftigte Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und Lohnerhöhungen haben.

Politische Schlagkraft

Bei den Bemühungen des Netzwerks wissenschaftlicher Nachwuchs geht es zunächst darum, Betroffene zu informieren. „Viele kennen ihre Rechte gar nicht“, sagt Paula Wiesemann. „Auch viele Professoren wissen oft nicht, ob sie ihre Hilfskräfte mitten in der Nacht noch anrufen dürfen.“ Der Verein klärt auf, dass „Hilfskräfte nicht blind ihrem Arbeitgeber folgen müssen.“ Oft bestehe eine starke Abhängigkeit von den ArbeitgeberInnen, besonders bei Promotionsstudierenden: „Die Rechte werden dabei schnell vergessen“, so Wiesemann weiter.
Ein gemeinsamer Tarifvertrag soll nach Vorstellungen des Netzwerkes zukünftig verhindern, dass Mindestlöhne unterschritten und vertragliche festgelegte Arbeitszeiten überschritten werden. Zudem soll es mehr Planungssicherheit für die SHKs geben, die meist nur befristete Verträge erhalten. Paula Wiesemann freut sich über die Initiative der ASten, denn „wir als gemeinnütziger Verein haben keine politische Schlagkraft, die ASten haben da schon mehr Einfluss.“

Geld und Urlaub

Bisher gilt jedenfalls: Wer nicht nur perspektivisch von einem Job als SHK abhängig ist, sondern auch finanziell, wird prekarisiert. Daher fordert auch die Bildungs-Gewerkschaft GEWI: „Ein Stundenlohn von mindestens elf Euro ist für die Arbeit von angehenden AkademikerInnen nicht zu viel.“ An der RUB ist das Thema inzwischen angekommen: Am 5. Oktober gibt es ein weiteres Treffen des Netzwerks wissenschaftlicher Nachwuchs des RUB-AStA und anderer NRW-ASten  „zur Vernetzung studentischer und wissenschaftlicher Beschäftigter“. Betroffene und Interessierte sind herzlich eingeladen.

Nähere Infos unter:
http://www.vvwn.de/