50 Prozent mehr Bewerbungen


1-1(Chs) Man könnte meinen, es sei bereits ziemlich voll an der Ruhr-Uni. 50 Prozent mehr Menschen, als im vergangenen Semester haben sich in diesem Sommer für ein Studium an der RUB beworben. Das hat einen Grund: Bundesweit ist der Wehr- und Zivildienst weggefallen und in Bayern und Niedersachsen verlassen gleich zwei Abiturjahrgänge die Schulen. Noch bevor dies 2013 auch in Nordrhein-Westfalen der Fall sein wird, dürfte es im kommenden Semester auf und um unseren Campus herum etwas enger werden. Reicht der Platz dann noch für einen Sitzplatz im Hörsaal, in der Mensa und für ein Wohnheimzimmer?


Um dem Studierendenzuwachs zu begegnen, hat die Uni das Projekt RUB.2013 initiiert. Josef König, Pressesprecher der RUB erklärt: „Wir haben eine Vereinbarung mit dem Wissenschaftsministerium getroffen, dass wir in den kommenden zwei Jahrgängen insgesamt voraussichtlich 536 Studierende mehr aufnehmen werden. Für 2013 werden die zusätzlichen Aufnahmen bei etwa 3000 Studierenden liegen.“ Für das Platzproblem sind bereits erste Lösungsansätze gefunden worden. Das komplette Fach Archäologie wurde in ein Gebäude in die Nähe des Bergbaumuseums verlegt, um das GA-Gebäude partiell zu entlasten. Weitere Anmietungen sind geplant. Für den Bau des GD-Gebäudes rechnet die Uni mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Jahr, so dass es frühestens im Jahr 2014 fertiggestellt sein wird. Der Baubeginn steht allerdings noch nicht fest. Auch an Parkflächen herrscht Bedarf. König räumt ein: „Die Parkplatzsituation in unmittelbarer Nähe der Universität bleibt angespannt.“ Auch in der Lehre ist mit einigen Veränderungen zu rechnen. Es sollen verstärkt Blockseminare, so genannte ePrüfungen, Praktika und Auslandsaufenthalte angeboten werden.  Ob dies eine praktikable Lösung ist, um die Qualität der Lehre zu sichern, wird sich zeigen. „Das elektronische Angebot kann die Präsenzlehre jedoch nicht ersetzen“, fügt König noch hinzu. Bis dahin werden die Zeiten für Lehrveranstaltungen ausgeweitet. „Die Vorlesungszeiten werden in den frühen Morgenstunden und an den Abenden ausgeweitet. Auch an Samstagen werden Vorlesungen und Seminare stattfinden“, so König. „Ob und wie viele zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden, um zusätzliche Lehre bereitstellen zu können, hängt von den Fächern ab.“
Auch das Akademischen Förderungswerk (Akafö) bereitet sich vor: „Das können wir locker stemmen. Zum Wintersemester werden wir zwei Wohnheime an der Papenburg und an der Laerholzstraße 80 zur Verfügung stellen, die wir in den vergangenen zwei Jahren nicht nutzen konnten. Das sind ein paar hundert Wohnheimplätze mehr.“, erklärt Heiko Jansen, Pressesprecher des Akafö. „Was die Kapazitäten der Mensa betrifft: Das bekommen wir noch hin. Wir werden das Caféterienangebot wie den Henkelmann ausweiten. Bis 2013 werden wir die Öffnungszeiten der Mensa verlängern und brauchen dann auch eine weitere gastronomische Einrichtung auf dem Campus.“

Taktung, Timing, Spitzenzeiten

Der Asta der RUB hatte eine zusätzliche Buslinie gefordert, um die Verkehrssituation zwischen Hauptbahnhof und Universität zu entlasten. Diesem Wunsch wird die Bogestra jedoch zunächst nicht nachkommen. Der Einsatz von mehr Waggons und zusätzlichen Shuttle-Bussen ist erst für den Zeitraum von 2013 bis 2015 angedacht. Das Unternehmen glaubt allerdings eine Alternativlösung für das aktuell anstehende Verkehrsproblem gefunden zu haben: „Um dem Anstieg der Studierendenzahlen zu begegnen, wird zum Semesterbeginn am 10. Oktober 2011 eine Taktumstellung der U35 zwischen ca. 6 Uhr und ca. 9.30 Uhr umgesetzt. Einen zusätzlichen Busverkehr zur Verstärkung der U35 gibt es nicht“, sagt Petra Bönnemann von der Bogestra. Um Strecken mit erhöhtem Bedarf ausreichend versorgen zu können, werden entferntere Fahrziele seltener angefahren. Bönnemann erklärt, was sich ändert: „Fahrten zwischen Schloss Strünkede und Hustadt werden ab Semesterbeginn nicht mehr alle 5 Minuten, sondern nur noch alle 6 Minuten erfolgen. Durch diese Änderung können aber auf dem Abschnitt Bergbaumuseum - Hustadt zusätzliche Fahrten eingerichtet werden, so dass wir dort in Spitzenzeiten auf einen 3-Minuten-Takt kommen und unseren Fahrgästen drei Fahrten mehr pro Stunde anbieten.“

Kontakt fehlt

Die Vertretung der Studierendenschaft (AStA) kritisierte zuletzt im Juli, dass die Planungen für den Studierendenzuwachs viel zu spät in Angriff genommen worden seien: „Bisher vermissen wir die Zusammenarbeit mit RUB.2013”, klagte AStA-Referent Jan Keitsch. „Wir werden uns bald an die studentischen Gremien wenden“, hatte Martina Hoffmann, Leiterin der Initiative RUB.2013 daraufhin angekündigt. Das ist noch nicht geschehen. Keitsch bemängelt die Kommunikation zwischen Uni und AStA: „Es hat sich noch niemand mit uns in Verbindung gesetzt. Der AStA diskutiert aktuell über die eigenen Möglichkeiten, hier zu helfen. Bisher fällt dies aber schwer, da die Kommunikation mit den Verantwortlichen der Uni nur sehr zäh verläuft und entsprechend unsere Informationslage auch stark ausbaufähig ist.“ Auf Nachfrage bei RUB.2013 erklärt Martina Hoffmann: „Wir von RUB.2013 haben zuerst mit den betroffenen Fachschaften gesprochen und werden uns nun an den AStA wenden. Darauf freuen wir uns, weil wir glauben, dass es ein spannender Austausch werden wird.“