Bochum Miners suchen Spielerinnen

2-2-web-Miners-by-Thomas-Look In einem knappen halben Jahr ist es soweit: Erstmals in der Vereinsgeschichte haben die Frauenfootballerinnen der Bochum Miners den Sprung in die 1. Bundesliga geschafft. Bis zum Saisonstart ist noch viel zu tun – neue Spielerinnen müssen gefunden und in das Team integriert werden. Frauenfootball in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen. So ist es kein Wunder, dass die Miners froh sind über jede Anfängerin, die den Weg zu einem Schnuppertraining findet. Die bsz war vor Ort.

Die Sporthalle am Bochumer Ostring ist gerappelt voll - 5000 Flyer und Plakate im gesamten Ruhrgebiet zu verteilen, das hat sich sichtbar gelohnt. Spannung und Aufregung liegen in der Luft. Im Huddle stehen 42 Frauen. Die Hälfte streift heute zum ersten Mal das Schulterpad über, versucht das flattrige Ei aus der Luft zu greifen und die Gegnerin mit einem Tackling zu Boden zu bringen. Headcoach Mike Barnstorf verspricht den Frauen: „Football ist ein Sport für viele Spezialisten. Jede findet ihren Platz im Team.“

Lauter Spezialistinnen

Im American Football werden ganz unterschiedliche Eigenschaften benötigt, um ein schlagfertiges Team zusammenzustellen. Kein noch so guter Quarterback überlebt ohne den Schutz seiner Mitspielerinnen. Seine Stärken sind vor allem das strategische Denken und die Passgenauigkeit. Center-Spielerinnen zeichnen sich hingegen eher durch ihre Masse aus. Ob dick oder dünn, langsam oder spritzig schnell: Wenn die Spielerinnen an der Line of Scrimmage stehen, also der Linie, an der jeder Spielzug beginnt, dann zählt nur die Leidenschaft zum Sport.

Wer will in die erste Bundesliga?

Die Damen der Miners brauchen unbedingt noch Unterstützung für die nächste Spielzeit. „Wir haben 26 Zusagen von Spielerinnen aus der letzten Saison“, sagt die 1. Vorsitzende Franzi Luhn. Sie ist äußerst zuversichtlich, auch ohne Karteileichen die 30 erforderlichen Spielerinnen auf den Meldebogen schreiben zu können. „Unser Drei-Jahres-Plan ist voll und ganz aufgegangen. Der Ansturm am heutigen Abend lässt uns positiv in die nächste Saison blicken“. Neben Headcoach Barnstorf kümmern sich zwei weitere Trainer um die Neulinge und das zu formierende Team. „Wir hoffen, den Trainerstab noch aufstocken zu können“, so Luhn weiter. Denn es gibt noch mehr zu koordinieren als beim Fußball – American Football ist vor allem ein Strategiespiel. Nicht umsonst wird die Sportart auch als Rasenschach bezeichnet. Deshalb besteht der Stab aus einem Offense Coordinator, einem Defense Coordinator und eigenen Trainern für die Spezialteams des Angriffs und der Verteidigung. Zwar stehen wie beim Fußball elf Spielerinnen auf dem Platz, aber die Laufrouten, Passrouten und Blockverhalten werden viel umfassender geplant.

Down. Set. Hut.

Nach dem Aufwärmen geht’s los. Die Anfängerinnen müssen sich zunächst noch ein wenig an die Ausrüstung und vor allem an all die englischen Begriffe gewöhnen. „Aber das ist am Anfang ganz normal, dass man davon erschlagen ist“ beruhigt Barnstorf. „Set. Hut.“ Auf Kommando wird gesprintet, gecuttet und gefangen. Der Defense-Coach stellt zum ersten Mal die Verteidigungsformation auf. Tiefer Körperschwerpunkt, stabiler Stand und mit einer Kraftexplosion aus den Startlöchern. Dann geht es endlich auf die Matten, darauf haben viele gewartet. Es kracht, es scheppert. Geübt wird nun das Tackling – eine Technik, mit der die Gegenspielerin aus dem eigenen tiefen Körperschwerpunkt heraus von den Beinen gehoben und zu Fall gebracht werden soll. Nach dem ersten Training sind sich viele einig: Das war heute nicht das letzte Mal.

Vorurteile abbauen

Ähnlich wie dem Frauenfußball in Deutschland fehlt auch den Footballerinnen die Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit. Bei den Fußball-Frauen hat zwar die WM im eigenen Land eine große Welle losgetreten. Die erste Frauenfootball-WM mit deutscher Beteiligung im vergangenen Jahr blieb dagegen nahezu unbeachtet. American Football ist hierzulande sowieso eine Randsportart. Die Frauenteams haben mit zusätzlichen Vorurteilen zu kämpfen: „Kampfweibersport“, heißt es da – obwohl sich die Spielerinnen beim Bochumer Probetraining überhaupt nicht in so eine Schablone pressen lassen.
Was den Grad der Professionalisierung angeht, sieht es in Deutschland noch ganz anders aus als in den USA. Aber es tut sich was: „Als die zweite Bundesliga 2008 gegründet wurde, war der Unterschied zur ersten Liga noch kaum spürbar. Seitdem hat sich die Qualität sehr gesteigert “, sagt Franzi Luhn. Die Bochum Miners haben sich fest vorgenommen, hier mithalten zu können.

Offenes Training: Montags 19:30 bis 21:30, Kunstrasenplatz DJK TuS Hordel, Hordeler Heide 189, 44793 Bochum